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Reden halten

Wecken Sie Begeisterung!

Fesselnde Vorträge zu halten ist eine Kunst. Doch man kann sie lernen.



„Den Anfang eurer Rede haben wir wieder vergessen und das Letzte nicht verstanden.“ Einen solchen Ausspruch, wie ihn der alte griechische Geschichtsschreiber Herodot zitiert, möchte wohl kein Manager als Feedback nach einer gehaltenen Rede hören. Doch viele fürchten sich davor, fällt es ihnen doch schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn sie im Unternehmen, vor Kunden oder auf Veranstaltungen einen Vortrag halten müssen. Verschwurbelte, viel zu lange Sätze auf der einen Seite, Floskeln, Plattitüden und sprachliche Leerstellen auf der anderen Seite mit der Folge, eine Schar von gelangweilten Zuhörern vor sich zu haben – das ist bei Reden leider keine Seltenheit. Stellt sich die Frage, wie es anders geht: Wie erreichen Sie das Publikum? Was müssen Sie tun, damit Ihre Botschaft ankommt? Kurz: Was macht eine gute Rede aus?

Richtig vorbereiten

Zunächst: Egal, ob Sie eine kurze Rede halten müssen, um sich und ihr Produkt beziehungsweise Ihre Dienstleistung zu präsentieren oder ob Sie einen Jahresbericht vorstellen müssen, eine Rede bedarf immer der Vorbereitung. Auch wenn es so aussieht, als wenn manche Menschen professionelle Reden aus dem Stegreif halten, ist das in der Regel nicht der Fall. „Viele Redner, die für ihre Eloquenz bekannt sind, sind eher Meister der Vorbereitung. Wenn etwas spontan und trotzdem geschliffen klingt, heißt das meistens, dass der Redner sich zu irgendeinem Zeitpunkt sehr intensiv Gedanken über das Thema und einen Vortrag dazu gemacht hat und das im passenden Moment einzusetzen weiß“, sagt der Rhetoriktrainer René Borbonus. Wie viel Zeit für die Vorbereitung einer Rede einzuplanen ist, hängt vom Anlass und vom Thema ab. Es ist aber immer besser, vorsichtshalber einen großzügigen Zeitrahmen zu setzen, um später nicht in Zeitnot zu geraten. Nachdem Sie Ihre Rede in Stichpunkten oder als fertiges Manuskript entworfen haben, empfiehlt es sich, diese nicht nur im Kopf durchzugehen, sondern sie möglichst mehrmals laut vor sich hinzusprechen. Das gibt Sicherheit. Zudem können Sie die Länge Ihrer Rede auf diese Weise überprüfen.

Aufmerksamkeitsstarker Einstieg

Legen Sie bei Ihrer Vorbereitung besondere Konzentration auf den Einstieg. Bei einer Rede kommt es gerade auf die ersten Minuten an, denn da können Sie (noch) mit der vollen Aufmerksamkeit des Publikums rechnen. Diese gilt es zu erhalten. Machen Sie also keine zu langen Einleitungen, kommen Sie schnell zum Punkt. Dann sind Sie von Anfang an präsent. Voraussetzung ist dabei, dass Sie eine klare Botschaft haben. Wenn Sie diese nicht vermitteln, können Sie auch Ihr Publikum nicht einfangen, denn sie liefert diesem quasi die Gründe fürs Zuhören. Eine gute Möglichkeit, um sich die Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern, ist es, wenn Sie eine Geschichte, einen Witz oder eine Anekdote erzählen, die zum Thema hinführt. Das können auch historische Ereignisse sein, wenn sich daraus Aspekte für Ihre Rede ableiten lassen. Menschen mögen Geschichten, sie suchen nach Inhalten, die sie berühren – gerade heute, wo sie einer immer weiter zunehmenden Informationsflut ausgesetzt sind. Rein sachliche Informationen werden da vom Gehirn schnell „aussortiert“. Informationen, die mit Emotionen verknüpft werden, wirken indes nachhaltig. Nicht umsonst erfährt das „Storytelling“ seit geraumer Zeit im Business, Management und Marketing eine so große Bedeutung.

Auf die Zuhörer eingehen

Wichtig ist, dass Sie die Inhalte Ihrer Rede immer auf Ihr Publikum abstimmen. Hierzu müssen Sie wissen: Wer sind eigentlich Ihre Zuhörer? Wie ticken sie? Was ist für sie wichtig, und welche Informationen brauchen sie? Halten Sie zum Beispiel eine Rede über ein Projekt im kleinen Kollegenkreis, wo dieses bereits bekannt ist oder richten Sie sich an eine andere Abteilung oder an Geschäftskunden? Je nach Zielgruppe müssen Sie die Informationen auswählen. Um das Publikum nicht mit unnötigen oder unverständlichen Informationen zu langweilen, empfiehlt sich bei der Vorbereitung die Frage, welche neuen Aspekte oder welchen Nutzen das Publikum aus der Rede ziehen kann. Noch besser ist es, das Thema beziehungsweise die Probleme oder Lösungen, über die Sie reden, aus der Sicht Ihrer Zuhörer darzustellen. Sprechen Sie das Publikum während Ihres Vortrags auch immer wieder direkt an. Das steigert sowohl die Lebendigkeit Ihres Vortrags als auch die emotionale Identifikation der Zuhörer mit Ihrem Vortrag.

Flexibilität bewahren

Lebendigkeit vermittelt auch eine frei vorgetragene Rede. Dennoch sollten Sie sich hier nicht zu sehr unter Druck setzen. Gerade für ungeübte Personen ist es hilfreich, eine Vorlage an der Hand zu haben, auf die sich zurückgreifen lässt. Stichpunkte auf Kärtchen sind hier empfehlenswert. Haben Sie den Text auswendig gelernt, besteht oft die Gefahr, dass dies monoton wirkt. Kontrollieren Sie aus diesem Grund auch Ihre Stimme: Stimmvielfalt bezüglich Modulation und Tempo sollte gegeben sein. Achten Sie zudem darauf, nicht den Kontakt zu Ihren Zuhörern zu verlieren. Augenkontakt ist immer wichtig. So erkennen Sie, ob Ihr Publikum Ihnen noch folgt, ob es Irritationen oder eventuelle Fragen gibt. Trotz vorgefertigter Sätze sollten Sie in der Lage sein, Ihre Rede spontan anzupassen und auf Fragen einzugehen. Hierfür ist es natürlich nützlich, sich schon vorher zu überlegen, welche Fragen gestellt
werden könnten.

Blackout übergehen

Und was tun bei einem Blackout? Eine gute Vorbereitung durch Üben der Rede hilft zwar dabei, Aussetzer vorzubeugen, aber gänzlich zu vermeiden sind sie freilich nicht. Für viele ungeübte Redner ist dies dann der Albtraum schlechthin. Rhetoriktrainer René Borbonus hat in diesem Zusammenhang eine beruhigende Nachricht: „Eine Pause von bis zu drei Sekunden nehmen die Leute als dramaturgische Wirkpause wahr, nicht als Aussetzer. Man kann beim Reden viel länger Pause machen, als man denkt, und drei Sekunden sind ganz schön lang.“ Es fällt also gar nicht auf, wenn es mal hakt; es gibt keinen Grund, um in Panik zu geraten. Wenn Sie sich dies bereits vor Ihrer Rede bewusstmachen, erhöht das die Chance, in den entsprechenden Momenten gelassen zu bleiben. Im Zweifel haben Sie ja Ihre Stichwortkarten
in petto! Petra Walther | redaktion@regio-manager.de

 

INFO

Rezept für eine gute Rede:
-   Überlegen Sie sich Ihre Botschaft
-   Kommen Sie schnell zum Punkt
-   Sprechen Sie langsam und deutlich
-   Bilden Sie kurze Sätze
-   Vermeiden Sie Floskeln und Plattitüden
-   Nutzen Sie Geschichten und Anekdoten
-   Halten Sie Augenkontakt
-   Achten Sie auf eine gute Körpersprache

Ausgabe 06/2018