Maler und Lackierer: Farben erzeugen Mehrwert

Maler und Lackierer verschönern und schützen, sie sanieren Bauwerke und schützen sie vor dem Zerfall oder gestalten Wohnräume so, dass Menschen sich in ihnen wohlfühlen können.
Zum Glück gibt’s Farbe (Foto: © visivasnc – stock.adobe.com)
Zum Glück gibt’s Farbe (Foto: © visivasnc – stock.adobe.com)
Blauer Himmel, grünes Gras, rote Herzen, gelbe Zitronen, bunte Blumen: Farbe erzeugt Wohlbefinden und Mehrwert. Nicht nur in der Natur, auch am Arbeitsplatz, im Krankenhaus, in der Großstadt, im kleinen Dorf oder in den eigenen vier Wänden. Ein Leben ohne Farbe – undenkbar! Alles weiß, schwarz, grau? Eine Horror-Vision. Zum Glück gibt‘s Farbe. Zum Glück gibt‘s Maler und Lackierer, die damit umgehen können. Der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz ist überzeugt, dass die Branche mit ihrem Wissen und Können eine menschlichere Umwelt schafft. „Maler und Lackierer wissen, wie man Farben kombiniert, wie Grafik, Bilder und Schriften wirken und sie bringen Ideen aufs Papier, auf Schilder, Türen, Wände, Fahrzeuge oder Fassaden“, argumentiert der Verband. Mit Farbe auf Wände pinseln ist es aber längst nicht getan. Maler und Lackierer prüfen die Untergründe, setzen sie instand, wählen geeignete Materialien, entwickeln Farbvorschläge und beraten Architekten oder Kunden. Die Arbeit des Malers und Lackierers beginnt oft mit Zeichenstift und Malkasten. Ideen bekommen so ihr erstes Gesicht, z.B. Orientierung und Sicherheit am Arbeitsplatz durch Farbe. Maler und Lackierer verschönern und schützen, z.B. mit einem Wärmedämm-Verbundsystem, mit Schutzbeschichtungen an Gebäuden und Stahlkonstruktionen, die vor Zerfall bewahren und dadurch den Rohstoffverbrauch senken. Maler und Lackierer beschichten die verschiedensten Oberflächen, sie lackieren und beschichten Bauteile, Geräte oder Maschinen und schützen sie vor thermischer Beanspruchung, Korrosion und Feuchte.

Zulassungspflichtiges Gewerbe

Das Tätigkeitsspektrum der Maler und Lackierer hat sich in der Vergangenheit merklich ausgeweitet, wozu innovative Produkte, neue Bauvorschriften, eine stärkere Mechanisierung sowie die energetische Sanierung von Gebäuden beitrugen. Es reicht von Lackierungen und Beschichtungen auf Holz, Metall und mineralischen Untergründen bis hin zu Fußbodenversiegelungen. Der Handwerkszweig, dessen wichtigste Kundengruppe die privaten Haushalte sind, gehört zu den zulassungspflichtigen Gewerben. Die Führung eines selbstständigen Betriebs setzt daher einen Meisterbrief voraus. Seit der Novellierung der Handwerksordnung dürfen Maler und Lackierer auch artverwandte Tätigkeiten wie das Anbringen von Stuckaturen übernehmen, sofern ein entsprechender Eintrag in der Handwerksrolle besteht. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass die Wettbewerbsintensität in der Branche weiterhin sehr hoch ist. Grund hierfür ist, dass zunehmend Handwerker anderer Ausbaugewerke sowie werkstattlose Kleinstunternehmen in den Markt drängen. Darüber hinaus werden viele Malerarbeiten auch durch berufsfremde Dienstleister oder in Schwarzarbeit ausgeführt. Eine Strategie zur Sicherung der betrieblichen Konkurrenzfähigkeit besteht darin, in Kooperation mit anderen Gewerken bei Renovierungsarbeiten als Generalunternehmer aufzutreten. Zehn Millionen Farben kann der Mensch unterscheiden: Mit ganz so vielen müssen sich die Maler und Lackierer nicht beschäftigen. „Mit Farbe gestalten“ heißt dennoch ihr Slogan, der sie in die verschiedensten Arbeitsbereiche führt. Der erste heißt „Gestaltung und Instandhaltung“, Innenräume und Fassaden, Bodenbeläge, Tapeten oder Dekorputze gehören dazu. Traditionsreich kommt die Fachrichtung „Kirchenmalerei und Denkmalpflege“ daher. Fassaden, Wandmalereien und Stuck und sogar die althergebrachte Methode des Vergoldens sind hier gefragt. Wer sich für die Fachrichtung „Bauten- und Korrosionsschutz“ entscheidet, beschichtet und imprägniert Oberflächen und führt Brandschutzmaßnahmen durch – vorwiegend zur Erhaltung moderner Gebäude aus Beton, Stahl oder Metall.

Spezialgebiet Autolackiererei

Metall ist das richtige Stichwort für des Deutschen liebstes Spielzeug: das Automobil. Hier und in vielen anderen Beschichtungsverfahren setzt der Lackierer ein. 4.000 deutsche Fachbetriebe für Fahrzeuglackierung reparieren Lack- und Karosserieschäden, sodass auch ein Unfall ohne Folgeschäden für das „heilige Blech“ bleibt. Sie pflegen und konservieren Lack, schützen und versiegeln den Unterboden, restaurieren Oldtimer. Auch wenn die Fahrzeuglackierer eine eigenständige Gruppe innerhalb des Berufsbildes einnehmen, sind sie wie ihre Kollegen als Spezialisten für farbliche Gestaltung und Sachwertschutz unterwegs. „Maler und Lackierer setzen farbige Akzente im Stadtbild sowie in der Wohn- und Arbeitswelt. Gleichzeitig sanieren sie Bauwerke und schützen sie vor dem Zerfall oder gestalten Wohnräume so, dass Menschen sich in ihnen wohlfühlen können“, beschreibt der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz. Der sieht die konjunkturellen Rahmenbedingungen für das Maler- und Lackierergewerbe als nach wie vor günstig an. Der florierende Wohnungsbau sowie der anhaltend hohe Renovierungs- und Sanierungsbedarf im Bestand verhelfen dem Gewerbe zu weiter hohen und stabilen Umsätzen, ist auch Jan Bauer überzeugt, der dem Verband als Präsident vorsteht.

Intensiver Wettbewerb

Er und seine Kollegen haben ausgerechnet, dass sich im Durchschnitt die Ertragslage bei den Malern und Lackierern dank höherer Umsätze verbessert hat. 2018 und im laufenden Jahr erscheint nach Ansicht des Verbandes ein „zufriedenstellendes betriebswirtschaftliches Ergebnis“ realisierbar, zumal die Nachfrage den Firmen Preisgestaltungsspielräume eröffnet, auch wenn die Branche einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt ist. „Um am Markt bestehen zu können, müssen die Betriebe verstärkt ihre Geschäftsfelder ausweiten und hochwertige Leistungen anbieten, urteilt der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in seinem vom ifo Institut erstellten Branchenbericht. Attestiert werden dem Maler- und Lackierhandwerk steigende Umsätze für die vorigen Geschäftsjahre. Der Branchenumsatz nahm danach in den vergangenen Jahren gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent zu. Treibende Kräfte seien dabei die rege Bautätigkeit sowie der hohe Renovierungs- und Sanierungsbedarf an bestehenden Gebäuden.

41.000 Betriebe,
206.000 Beschäftigte


Nach Angaben des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz haben die 41.000 Branchenbetriebe im Jahr 2017 mit rund 206.000 Beschäftigten einen Gesamtumsatz von knapp 16 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das Maler- und Lackiererhandwerk wird zahlenmäßig überwiegend durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt. Dies zeigt sich u.a. darin, dass die Betriebe im Durchschnitt fünf Personen beschäftigen. 63 Prozent der Unternehmen beschäftigen lediglich bis vier Mitarbeiter, jeder fünfte Betrieb ist zwischen zehn und 20 Mitarbeitern groß. Fünf Prozent der Handwerksbetriebe beschäftigen bis zu 50 Mitarbeiter, noch größere Unternehmen sind „Ringeltauben“ (0,7 Prozent). Nach den Statistiken des Verbandes erwirtschaftet die Branche gut 76.000 Euro je Mitarbeiter, darin enthalten sind auch die gut 7.000 Auszubildenden, die sich jährlich zur Gesellenprüfung anmelden, gut 1.000 Gesellen qualifizieren sich im Jahr bei der Meisterprüfung. 17 Landesinnungsverbände des Maler- und Lackiererhandwerks sowie 360 Maler- und Lackierer-Innungen stehen den Maler- und Lackierer-Betrieben zur Seite. Reinhold Häken | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 03/2019