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Die Erfinder des Abziehers

In fast 100 Jahren Familientradition hat sich die KUKKO Werkzeugfabrik als weltweiter Spezialist für Standard- und Sonderwerkzeuge zum zerstörungsfreien Demontieren lösbarer Verbindungen etabliert.

Noch heute ist die Entwicklungsabteilung das Herzstück von KUKKO. Zahlreiche Firmen bauen auf Produkte und Entwicklungen des Unternehmens
Noch heute ist die Entwicklungsabteilung das Herzstück von KUKKO. Zahlreiche Firmen bauen auf Produkte und Entwicklungen des Unternehmens
Wenn es darum geht, an irgendeiner Stelle miteinander verbundene Teile zerstörungsfrei voneinander zu lösen, dann kommt kaum jemand an der KUKKO Werkzeugfabrik vorbei. Das inzwischen in Hilden ansässige Unternehmen mit Wurzeln in Remscheid ist Hersteller von Spezialwerkzeugen für genau diesen Zweck – von Rädern an Modelleisenbahnen bis zum Radreifen von Hochgeschwindigkeitszügen und natürlich allem, was größenmäßig dazwischenliegt. „Mein Urgroßvater und sein Schwager haben vor fast 100 Jahren damit begonnen, Werkzeuge zu produzieren, mit denen sich Gewindegänge in Stahl schneiden ließen, um damit geschraubte Verbindungen herstellen zu können“, erklärt Michael Kleinbongartz, der das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Vater Wolfgang führt. Der Abzieher, für den KUKKO damals ein Patent angemeldet hatte, war zu der Zeit noch ein Nebenprodukt dieser Werkzeugherstellung. Er geriet aber immer mehr in den Fokus und wurde bald zum Hauptprodukt des Unternehmens.

Langjährige Expertise


Dank der Erfahrung mit dem Werkzeug, das dem zerstörungsfreien Demontieren lösbarer Verbindungen, beispielsweise Kugellager auf Achsen, diente, wurde die Kleinbongartz & Kaiser oHG schnell zu einem beliebten und kompetenten Ansprechpartner, wenn Abziehlösungen in irgendeinem Zusammenhang gesucht wurden. Und die beginnende Massenmotorisierung in den Anfängen des 20. Jahrhunderts brachte einen hohen Bedarf solcher Speziallösungen zutage. Überall wurden Verschleißteile verbaut, die nach einer gewissen Zeit demontiert werden mussten. Die Problemstellungen wurden analysiert und den Kunden zuverlässig Lösungen präsentiert, die für einen weltweiten Export noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs sorgten. Die Vielzahl der auf diese Weise entstandenen Individualwerkzeuge brachte die Entwickler irgendwann auf die Idee, Standards zu entwickeln. „Die einzelnen Produkte waren sich doch so ähnlich, dass sie sich teilweise zu einheitlichen Abziehwerkzeugen zusammenfassen ließen“, erklärt Kleinbongartz. KUKKO wurde weltweit zum Inbegriff für Abzieher, und der Verweis auf den zur Marke avancierten Firmennamen findet sich in nahezu jedem Reparaturhandbuch von Industrieunternehmen. „Von A wie Audi bis Z wie Zeppelin-Baumaschinen bauen zahlreiche Firmen auf Produkte und Entwicklungen aus unserem Haus.“ Noch heute ist die Entwicklungsabteilung das Herzstück von KUKKO. Zwar arbeiten „nur“ noch ein Ingenieur und zwei Techniker fest in der Abteilung, aber das hat auch mit den veränderten technischen Möglichkeiten zu tun. Früher stellten die Kunden ein fertiges Bauteil zur Verfügung, auf dessen Basis die Abziehwerkzeuge entwickelt wurden. „Heute sind wir bereits in den Konstruktionsprozess mit eingebunden, tauschen 3-D-Daten miteinander aus und stimmen so die Produkte schon vor dem ersten Prototyp aufeinander ab“, erklärt Michael Kleinbongartz.

Erfolgsfaktor Innovation


Eine weitere Neuerung: Der 3-D-Drucker. Von vielen Unternehmen als Jobkiller kritisch beäugt, leistet er bei KUKKO wertvolle Dienste, die viel Zeit sparen und für höhere Effizienz in der Entwicklung sorgen. „Das Gerät arbeitet über Nacht, morgens hat unser Mitarbeiter das am Computer entwickelte Werkzeug zur Verfügung. Mit den Kunststoff-Prototypen lassen sich Funktionalität und Passgenauigkeit ebenso exakt prüfen wie mit den späteren Endprodukten.“ „Zu unseren Kunden gehören Unternehmen des Industrieverbindungshandels, also Hersteller sogenannter ‚C-Produkte‘, die benötigt werden und für die es viele Lieferanten und unterschiedliche Variationen gibt – der Kugellagerhandel und der große Bereich der Automotive-Industrie“, erklärt Michael Kleinbongartz, der nicht nur Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens, sondern auch Vorsitzender des Fachverband Werkzeugindustrie und des Hildener Industrievereins ist. So sorgt nicht nur der hohe Innovationsgrad in diesen Branchen für volle Auftragsbücher, der Bedarf in den nachgelagerten Servicebetrieben garantiert permanenten Absatz für das Hildener Unternehmen. Wichtige Voraussetzung dafür ist aber, immer mit der Zeit zu gehen. Der 3-D-Drucker ist nur ein Beispiel dafür. Erwirtschaftete Gewinne werden wieder ins Familienunternehmen investiert, um Produktionsmethoden, die Marke und Produktpalette zukunftsfähig zu halten. „Der ständige Dialog mit Anwendern, die von uns zu Recht erwarten, dass wir permanent neue Lösungen für neue Produkte entwickeln, hat bei uns eine Firmenkultur entstehen lassen, die Fortschritt und Veränderung als Chance und nicht als Risiko ansieht.“ So konnte auch der Umzug, der für viele Mitarbeiter mit einer längeren Anfahrt verbunden war, bewältigt werden. Und die zunehmende Digitalisierung kann Kleinbongartz auch keine Angst machen. „Computer steuern nun aktiv Produktions- und Distributionsprozesse. Das schafft Freiraum für Menschen – das, was immer gefordert wurde. Nun liegt es an den Mitarbeitern und den Unternehmen, die so gewonnenen Freiräume gemeinsam gewinnbringend zu nutzen.“ Dabei die Menschen, also die Mitarbeiter, in steter Kommunikation mitzunehmen, sei aber wichtig.

Das Unternehmen


KUKKO wurde bereits 1919 durch Alfred Kleinbongartz, den Groß- beziehungsweise Urgroßvater der aktuellen Geschäftsführer, und seinem Schwager Emil Kaiser in Remscheid gegründet. Damals, nach dem Ersten Weltkrieg, sorgte die beginnende Massenmotorisierung für Aufschwung, und die beiden wussten ebenfalls davon zu profitieren. Die ersten Produkte waren Gewindeschneidewerkzeuge, schon bald folgten die Abziehwerkzeuge, für die das Unternehmen heute noch weltweit bekannt ist. Wolfgang und Michael Kleinbongartz leiten den Betrieb gemeinsam in dritter beziehungsweise vierter Generation und sind als Geschäftsführer für das Wohlergehen von 100 Mitarbeitern verantwortlich. Nach vielen Jahren an drei Standorten in Remscheid erfolgte vor drei Jahren der Umzug nach Hilden, der eine Zusammenlegung von Gebäudeteilen und Mitarbeitern ermöglichte. Daneben verfügt KUKKO über Niederlassungen in den Niederlanden, Polen und Italien, die in den USA wird am 1. Februar 2017 eröffnet. Produkte von KUKKO werden in 120 Länder der Welt exportiert. Michael Kleinbongartz hofft, das 100-jährige Jubiläum des Familienunternehmens in Hilden feiern zu können.
Ausgabe 09/2016