Man spürt die Stärke des Mittelstands

Interview mit Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz
Christoph Schultz, Bürgermeister Erkrath (Foto: Stadt Erkrath)
Christoph Schultz, Bürgermeister Erkrath (Foto: Stadt Erkrath)
RWM: Herr Schultz, was hat Sie bewogen, im vergangenen Jahr für das Amt des Bürgermeisters der Stadt Erkrath zu kandidieren?

Christoph Schultz: Die Chance, das Potenzial so einer schönen Stadt nutzen zu können, bekommt man in der Kommunalpolitik nicht alle Tage. Es ist eine spannende Aufgabe, Erkrath zu bewegen!

RWM: In den ersten Monaten Ihrer Amtszeit haben Sie sich mit zahlreichen Menschen und Unternehmen in der Stadt getroffen. Hat sich Ihr persönliches Bild von Erkrath dadurch verändert?

Christoph Schultz: Zum Teil – denn schon vorher war mir bewusst, wie heimatverbunden und zugleich weltoffen die Menschen hier sind. Für diese Stadt ist ein großes Engagement spürbar, das Vereinsleben ist hier sehr aktiv, und zwar auf den unterschiedlichsten Gebieten – in dieser Vielfalt hätte ich das vor meinem Amtseintritt nicht erwartet. Und auch wie viele Unternehmen sich hier in einem weltweiten Wettbewerb erfolgreich durchsetzen, hat mich sehr beeindruckt. Die vielfach hervorgehobene Stärke des Mittelstands spürt man eben auch beziehungsweise insbesondere in der Erkrather Wirtschaft.

RWM: Das Konzept zur Stadtentwicklung haben Sie „geerbt“. Was sind daraus die wichtigsten Punkte, die Sie in Ihrer ersten Amtszeit umzusetzen gedenken?

Christoph Schultz: Insgesamt gesehen gibt das Stadtentwicklungskonzept den Rahmen für die mittelfristige Entwicklung der Stadt vor, viele Projekte laufen bereits erfolgreich. Mir ist unter anderem die Schaffung neuen Wohnraums besonders wichtig, vor allem für Familien und Senioren. Das gelingt durch die Entwicklung von vorwiegend innerstädtischen Bereichen, gemeinsam mit Investoren. Klar ist aber auch, dass vieles nur angestoßen werden kann, weil gerade Bauvorhaben Zeit benötigen.

RWM: Erkrath hat in den vergangenen fast 30 Jahren kontinuierlich Bürger verloren, zuletzt stagnierten die Zahlen. Planen Sie Maßnahmen, um die Einwohnerzahlen weiter zu stabilisieren?

Christoph Schultz: Erkrath liegt in direkter Nachbarschaft zu Düsseldorf in einer der attraktivsten Wachstumsregionen Deutschlands. Ich wünsche mir, dass die Stadt ihre Chance nutzt und an dieser positiven Entwicklung teilhat, das wird unter anderem durch die Schaffung von neuem Wohnraum funktionieren. Hier gibt es eine große Nachfrage. Wichtig ist dabei aber, die Balance zu finden zwischen Neuentwicklung und Innenentwicklung im Verhältnis zur Bewahrung von Freiflächen, die ja auch wiederum eine große Stärke von Erkrath sind. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch der Zuzug von Asylsuchenden. Wichtig ist mir aber, dass alle hier lebenden Menschen sich wohlfühlen und ausreichend Wohnraum haben. Durch die Umsetzung des Stadtentwicklungskonzepts kommen wir diesem Ziel näher, denn auch Erkrath hat nicht unbegrenzt Flächen zur Bebauung.

RWM: Es gibt zwar Kommunen im Kreis, deren Lage brenzliger ist, aber auch Erkraths aktueller Haushalt muss ein Defizit von über sechs Millionen Euro ausgleichen. Wie bewältigen Sie die steigenden kommunalen Belastungen?

Christoph Schultz: Wir haben erfreulicherweise noch ein recht hohes Eigenkapital. Tatsächlich müssen wir aber auf Mehreinnahmen durch die Ansiedlung neuer Unternehmen setzen und auf eine bessere Finanzausstattung durch das Land drängen, denn insgesamt sind die Kommunen in Nordrhein-Westfalen strukturell unterfinanziert. Nicht infrage kommt für mich die Erhöhung der Gewerbesteuer, die gerade unseren Ruf als verlässlichen Partner der Unternehmen beschädigen würde.

RWM: Vor 50 Jahren wurden Erkrath die Stadtrechte verliehen, und das soll gebührend gefeiert werden. Wie weit sind die Planungen, und haben Sie persönlich schon Berührungspunkte damit?

Christoph Schultz: Die Planungen kommen gut voran. Ein Festkomitee wurde gegründet, das aus Mitgliedern diverser Vereine besteht, die häufig schon viel Erfahrung mit der Planung größerer Festivitäten und Veranstaltungen haben, sowie aus Verwaltungsmitarbeitern. Hier bin ich persönlich sehr nah am Geschehen und stets auf dem Laufenden. Diverse Fachbereiche in der Verwaltung arbeiten ebenfalls bereits intensiv an den Vorbereitungen. Dieses Jubiläumsfest ist ein besonderes Fest, da es für und mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Vereinen, Institutionen und Organisationen für ganz Erkrath gefeiert wird – erstmalig in dieser Form in unserer Stadt. Wir werden mit einer Vortragsveranstaltung am 13. März und einem Bürgerfest vom 1. bis 3. Juli gemeinsam die Stadtwerdung feiern. Im Mittelpunkt soll die Gemeinschaft aller Bürgerinnen und Bürger Erkraths stehen, daher werden sich dort zahlreiche Vereine und Gruppen präsentieren können. Der Geschichte wird in Bilderausstellungen in der Stadthalle Raum gegeben, und zusammen werden wir am 2. Juli dann auch das Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft schauen…

RWM: Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wie sieht Erkrath in zehn Jahren aus?

Christoph Schultz: Erkrath ist einen wesentlichen Schritt weiter; hin zu einer attraktiven, in die Natur eingebundenen Stadt mit einem ausgeglichenen Haushalt. Die Stadt hat eine gute Infrastruktur, in der Barrieren für Menschen mit Behinderungen abgebaut sind. Wir haben ausreichenden Wohnraum und eine starke Wirtschaft. Die Bürgerinnen und Bürger leben gerne hier!

Stefan Mülders | redaktion@rhein-wupper-manager.de
Ausgabe 02/2016