Erfolg: Lernen Sie Siegen oder bleiben Sie Loser!

Positives Denken oder Schwarzmalen. Die Formel des Erfolgs ist typenabhängig.
Foto: © Jakub Jirsák – stock.adobe.com
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Erfolg definiert jeder anders. Für den einen liegt er im privaten Bereich, der andere assoziiert damit die Karriereleiter. Dennoch suchen Psychologen nach Konstanten des Erfolgs. Intelligenz und Talent wurden lange Zeit als die ausschlaggebenden Indikatoren für Erfolg angesehen. Mittlerweile weiß man, dass kognitives Wissen für die Schule und das Studium relevant ist sowie auch das Einkommen damit korreliert. Nach der Formel: Je höher der IQ, umso höher der Bildungsabschluss und umso höher das Einkommen. Doch relevanter für den Erfolg sind eine gewisse Hartnäckigkeit und Ausdauer, um das eigene Ziel zu erreichen. Um am Ball zu bleiben, ist auch der Umgang mit Niederlagen ausschlaggebend. Konstruktiv ist es beispielsweise, die Niederlage zu analysieren und den Grund fürs Scheitern zu finden. So hat man beim nächsten Mal die Möglichkeit, es besser bzw. anders zu machen. In der pseudo-wissenschaftlichen Psychologie hat sich das Credo des positiven Denkens durchgesetzt: „Glaub fest genug an dich, dann hast du Erfolg.“ Aber ist Erfolg eine Self-fulfilling Prophecy? Die Zielsetzung spielt auch eine große Rolle. „Wer all seine Ziel erreicht hat, hat sie wahrscheinlich zu niedrig gesetzt“, sagte einst Star-Dirigent Herbert von Karajan. Andererseits sollten die Ziele nicht zu ehrgeizig sein, dass sie wiederum abschrecken. In einer Studie der Harvard University wurden Ökonomie-Absolventen bei ihrem Start ins Berufsleben nach ihren Zielsetzungen gefragt. 87 Prozent von ihnen hatten keine klaren Vorstellungen von dem, was sie erreichen möchten. Zehn Prozent konnten ihre selbst gesetzten Ziele mündlich benennen, drei Prozent hatte die Ziele sogar schriftlich festgehalten – inklusive Aktionsplänen. Nach zehn Jahren haben sich die Forscher das Einkommen der Absolventen angeschaut: Die Gruppe, die ohne konkrete Zielsetzungen gestartet ist, verdiente am wenigsten. Das doppelte Einkommen hatten die Absolventen, die ihre Ziele im Kopf hatten, und um ein vielfaches Mehr verdienten die Ökonomen mit den schriftlich fixierten Zielen.

Think positive?


Im Zusammenhang mit Erfolg werden als weitere Faktoren Selbstvertrauen und Optimismus genannt, nicht zu verwechseln mit Schönfärberei und Selbstüberschätzung. Psychologie-Professor Tomas Chamorro-Premuzic aus London stellt sogar die These auf: Menschen mit weniger Selbstvertrauen seien viel erfolgreicher. Und zwar aus folgenden Gründen: Selbstzweifel schützen uns davor, unrealistische Ziele anzustreben – ein gesundes Mittelmaß aus Zweifel und Vertrauen uns selbst gegenüber sieht der Professor als ein gesundes Maß an. Darüber hinaus: Wer Selbstzweifel hat, ist negativem Feedback gegenüber offener und kann generell mit Kritik besser umgehen. Vor zu positiven Gedanken warnt auch Gabriele Oettingen, Professorin für Psychologie in New York. Positives Wunschdenken kann dazu führen, dass man nicht mehr die Energie aufbringt, diesen Traum zu verwirklichen. Nach dem Motto: Wenn wir träumen, entspannen wir. Sie fordert dazu auf, sich nach der Zielsetzung auch die Hindernisse klarzumachen, die es zu überbrücken gilt. Entwickelt hat sie dafür die WOOP-Methode (Wish, Outcome, Obstacle, Plan – Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan). Zunächst soll man sich ein erreichbares oder realistisches Ziel überlegen und sich in bunten Farben ausmalen, dass und wie dieser Wunsch in Erfüllung geht. Im nächsten Schritt soll man sich das größte Hindernis, das diesem Ziel entgegensteht, ebenfalls visuell vorstellen. Dann erstellt man einen Plan – als letzter Punkt dieser Methode –, wie man auf das Hindernis reagieren kann. So hat man in der konkreten realen Situation, wenn das Hindernis auftaucht, eine Lösung parat. In diesem Zusammenhang sind Studien interessant, die ergeben haben, dass positives Denken nur bestimmten Charakteren nützt. Andere Menschen kommen weiter, wenn sie pessimistisch und kritisch sind. Ausschlaggebend ist hierbei die eigene Leistungsmotivation. Menschen, die hoch motiviert sind und keine Angst vor Misserfolg haben, profitieren vom positiven Denken. Wer wenig motiviert ist, kommt mit negativen Gedanken besser voran. Die Vorwegnahme des Glücksgefühls, wenn das Ziel erreicht ist, schmälert seine Motivation, das Ziel tatsächlich in die Realität umzusetzen. So hat Oettingen festgestellt, dass Absolventen beim Start ins Berufsleben weniger Bewerbungen schrieben, wenn sie sich vorher idealisierenden Erfolgsträumen hingegeben haben. Dadurch hatten sie weniger Jobangebote und verdienten auch weniger als Studienkollegen, die nicht in Ruhmes-Fantasien geschwelgt sind. Vor allem auch Menschen, die sachlich und problemorientiert denken, haben ein Problem mit dem Credo des positiven Denkens. Ihnen hilft die gedankliche Konfrontation mit möglichen Hindernissen mehr, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.

Eine Frage der Gene?

 

Der junge Wissenschaftszweig Gen-Ökonomie ist auf der Suche nach einer Erfolgs-DNA. Sind Talent oder Erfolg vererbbar? Jan-Emmanuel De Neve, Professor für Economics and Strategy in Oxford, hat einen Genotyp gefunden, der es wahrscheinlicher macht, dass man auf einem Chefsessel landet. Kinder, deren Eltern eine Führungsposition innehaben oder -hatten, nehmen diese Position ebenfalls oftmals ein – so die Beobachtung. Doch der sozioökonomische Status, das Umfeld sowie das Netzwerk können ebenso gut ausschlaggebend sein. Dennoch: Das Erbgut hat Einfluss auf unsere Persönlichkeit. Wie offen, gewissenhaft oder extrovertiert wir sind, hängt zu 30 bis 40 Prozent wohl von unseren Genen ab. Erfolg ist subjektiv. Und es mag einem zu denken geben, dass Sieger dazu neigen, ihrem Kontrahenten gegenüber aggressiv aufzutreten, ja, sogar nachzutreten. Auch das können Studien untermauern. Die eine allgemeingültige Erfolgs-Formel gibt es nicht. Wenn man Karrierebiografien studiert, kommt man zu dem Schluss: Karrierelaufbahnen sind eher nicht geradlinig aufsteigend, sondern wellenförmig mit Niederlagen und Krisen gespickt. Wir wachsen an unseren Fehlern oder an schwierigen Herausforderungen – auch das weiß der Volksmund.

Karin Bünnagel | redaktion@regiomanager.de

Ausgabe 08/2016