Franchise-Systeme: Hop oder top?

Es sind bekannte Marken wie McDonald’s, Apollo-Optik oder OBI, aber auch viele Niederlassungen Mercedes-Benz oder Volkswagen. Sie alle arbeiten als Franchisesystem.
Foto: ©natali_mis – stock.adobe.com
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Allein in Deutschland gibt es fast 1.000 Franchisesysteme, hinter denen fast ebenso viele Franchisekonzepte stecken. Diese Vielfalt erscheint auch in den vertretenen Branchen. Am häufigsten kommt Franchising im Dienstleistungssektor vor, gefolgt von Gastronomie, Handel und Handwerk. Die Franchisewirtschaft ist sehr agil und dynamisch, das zeigt sich auch in neuen Bereichen wie Social Franchising (siehe Kasten) oder im Start-up-Bereich. Hauptunterscheidungsmerkmal innerhalb der verschiedenen Franchisekonzepte ist der Vertragsinhalt. Beim Waren- und Produktionsfranchising sind Produktion und Absatz von Waren oder Warengruppen Inhalt der Vereinbarung. Bei dieser Art des Franchisings kann der Franchisegeber als Produzent auftreten, der mit einem Abfüller (wie bei Coca-Cola) zusammenarbeitet. Es gibt auch Formen des Zusammenarbeitens zwischen Großhändlern und Einzelhändlern. Diese Form von Franchising ist in den Vereinigten Staaten weiter verbreitet als in Deutschland.
Deutscher Franchiseverband
Der Deutsche Franchiseverband hilft auf der Suche nach geeigneten Konzepten. Auf der Website des Verbandes können sich Interessierte nach passenden Franchisegebern im In- und Ausland umsehen. Der Verband hat ein Qualitätssiegel erarbeitet, an dem qualifizierte Partner zu erkennen sind. Im Systemfinder des Deutschen Franchiseverbandes können Interessenten nach Branchen filtern, ihr Eigenkapital eingrenzen und sich Franchiseunternehmen, die den Systemcheck erfolgreich absolviert und das Qualitätssiegel erhalten haben, anzeigen lassen.
Die Branche wächst weiter
Die aktuelle Franchisestatistik des Verbandes zeigt eine erneut positive Entwicklung der Franchisewirtschaft. Die bundesweit rund 960 Franchisesysteme hatten im vergangenen Jahr 133.424 Franchisepartner, das sind 4,2 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Insgesamt beschäftigen die knapp 171.824 (+2,3 %) Franchisebetriebe rund 717.000 Mitarbeiter, was einer leichten Steigerung von 0,2 Prozent entspricht. Mit 129 Milliarden Euro ist der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 5,1 Prozent gestiegen. Die Partnerentwicklung konnten die Franchisesysteme ein weiteres Mal deutlich steigern. Die Anzahl der Franchisenehmer lag in 2018 bei 128.000 und wuchs im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf über 133.000 an. Hochgerechnet auf die Gesamtfranchisewirtschaft machten sich damit etwa 5.500 Personen mehr als 2018 unter einem bestehenden Markendach selbstständig. Der Gesamtsystemumsatz konnte sich in 2019 nochmals um 5,1 Prozent auf 129 Milliarden Euro steigern. „Die aktuelle Auswertung des vergangenen Jahres zeigt uns eine solide Weiterentwicklung unseres Wirtschaftszweiges und damit ein dynamisches Wachstum auf“, fasst Torben Leif Brodersen, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Franchiseverbandes, zusammen. „Dass diese Zahlen Strahlkraft haben, dafür spricht auch das große Interesse ausländischer Marken, Teil unseres agilen Franchisemarktes zu werden.“ Auf welche Zielgruppen setzen Franchisegeber, um ihre Geschäftsidee erfolgreich zu multiplizieren? Mit 25 Prozent stehen angestellte Fach- und Führungskräfte weiterhin auf dem ersten Platz, gefolgt von freien Unternehmen (23 %), bestehenden Franchisenehmern (22 %) und eigenen Mitarbeitern (13 %).  

Die wichtigsten Vorteile
· Schneller Markteintritt durch etablierte Franchisekonzepte. Der Franchisegeber unterstützt aktiv auch bei der Standortanalyse und der konkreten Immobilienwahl.
· Geringes Gründungsrisiko: Der Franchisenehmer profitiert von Anfang an vom Know-how des Franchisegebers.
· Ausgereifte Marketingstrategie: Der Franchisenehmer kann sich auf die Professionalität der Systemzentrale verlassen.
· Einkaufsvorteile: Jeder Franchisenehmer profitiert von besonderen Konditionen und Einkaufsvorteilen. 
· Gemeinsam stark: Teil eines etablierten Systems zu sein erhöht auch die Verhandlungsposition bei der Beschaffung von Fremdkapital.
· Das Wesentliche im Fokus: Der Franchisenehmer kann sich vor Ort auf seine Kernkompetenzen, den Kundenkontakt, konzentrieren. Weiterentwicklung, Vermarktung oder auch Controlling liegen meist komplett in den Händen des Franchisegebers.

Die wichtigsten Nachteile
· Kosten: Zahlung einer laufenden Franchisegebühr von bis zu 33 Prozent des eigenen Umsatzes (je nach System existieren hier verschiedene Gebührenmodelle).
· Feste Spielregeln: Franchisenehmer sind zwar selbstständig, aber doch Teil eines bestehenden Konzeptes. Das bedeutet begrenzte unternehmerische Freiheiten und das Einhalten der im Franchisehandbuch definierten Spielregeln.
· Alle für einen, einer für alle: Das gilt im Positiven wie im Negativen. Wenn der Ruf der Marke beschädigt wird, betrifft dies zwangsläufig alle Franchisepartner.

Fazit: Nicht jeder, der eine Selbstständigkeit anstrebt, muss auch ein guter Franchisepartner sein. Wer auf Unabhängigkeit und Eigenständigkeit setzt, sollte den individuellen Gründungsweg wählen. Für alle anderen ist es wichtig, vor der Entscheidung einen kompletten Check-up zu machen. Stimmen die Zahlen und Fakten? Ist das Konzept überzeugend? Wie transparent agiert das Franchisesystem? Ist die Partnerschaft auf Nachhaltigkeit angelegt? Wer besonders sichergehen will, sieht nach, ob das Franchisesystem im Deutschen Franchiseverband gelistet ist.

Info
Franchising und Social Franchising Franchising ist eine Partnerschaft, über die ein Geschäftsmodell, meist ein Vertriebssystem, multipliziert wird. Dabei stellt der Franchisegeber seine bereits entwickelte und erprobte Unternehmensidee einem Franchisenehmer zur Verfügung. Gegen eine Gebühr darf der Franchisenehmer dann das Konzept, den Markennamen und die gesamte Corporate Identity – auch Ladengestaltung, Arbeitskleidung und Branding – für sein eigenes Unternehmen nutzen. Der Franchisegeber bleibt für die gesamte Vertragslaufzeit für die Aus- und Weiterbildung des Franchisenehmers und seines Teams sowie für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells zuständig. Als Ausgleich muss der Franchisenehmer den Franchisegeber an seinen erwirtschafteten Gewinnen beteiligen. Beim Social Franchising wird dieses wirtschaftlich ausgerichtete System auf die Umsetzung und Verbreitung sozialer Vorhaben übertragen. Wird ein als erfolgreich identifiziertes soziales Pilotprojekt aus dem Non-Profit-Bereich weiteren sozialen Trägern zur Verfügung gestellt, entsteht ein Social-Franchising-System. Die sozial ausgerichteten Franchisenehmer können vom erarbeiteten Konzept profitieren und einen guten Zweck verfolgen. Der Franchisegeber – oft Stiftungen oder gemeinnützige Vereine – fördert damit gleichzeitig die Verbreitung seiner Idee und multipliziert seinen Erfolg an neuen Standorten.
Birgit Marx | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 01/2020