Die passenden Freelancer finden

Gerade für temporäre Projekte können Freelancer wegen ihrer Qualifikationen eine sinnvolle Ergänzung sein. Was Mittelständler bei der Suche beachten sollten.
Foto: ©alotofpeople_stock.adobe.com
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Die Nachfrage nach Fachkräften ist 2017 in Deutschland weiter angestiegen und das wird wohl in den kommenden Monaten auch so weitergehen. Vor allem in der Automobilbranche, der ITK-Industrie sowie im Bankenumfeld werden derzeit viele Fachkräfte gesucht. Das geht aus dem branchenübergreifenden „Hays-Fachkräfte-Index“ für das erste Quartal 2017 hervor. Für den Index wertet der Personaldienstleister viermal jährlich Stellenanzeigen in regionalen und überregionalen Tageszeitungen sowie von Online-Jobbörsen aus. Am begehrtesten sind derzeit laut des Indexes u.a. Netzwerkadministratoren sowie Bilanz- und Finanzbuchhalter. Auch Ingenieure wurden Hays zufolge als Projektleiter für digitale Projekte Anfang dieses Jahres „deutlich stärker nachgefragt“.
Manche Unternehmen benötigen diese Fachkräfte lediglich für bestimmte Projekte, sodass sich der Einsatz von Freelancern lohnen kann. Bevor sich Unternehmer allerdings auf die Suche nach Freelancern machen, sollten sie sich laut Franziska Urbatschek, Account Management bei dem Personaldienstleister Gulp, als Erstes überlegen, welches Know-how sie von einem Freelancer erwarten. Beispielsweise sollten sie sich u.a. Gedanken darüber machen, welche Skills der Freelancer genau beherrschen soll, was die Rahmenbedingungen in Bezug auf Einsatzort, Start und Laufzeit des Projektes sind und welches Problem der Freelancer für das Unternehmen lösen soll. „Je präziser die Angaben sind, desto leichter ist es, die Passgenauigkeit eines Freelancers festzustellen und einen Freelancer für das Projekt zu gewinnen“, sagt Urbatschek. „Für Mittelständler in ländlichen Gebieten ist es teilweise eine Herausforderung, qualifizierte Freelancer zu finden, die bereit sind, Reiseaufwände in Kauf zu nehmen“, ergänzt Christian Buttgereit, Berater im Bereich Marketing Strategy und Digitale Transformation sowie Experte zum Thema Einsatz von Freelancern im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e.V. Oftmals sei es einfacher, Freelancern anzubieten, auch einen Teil der Tätigkeiten aus dem Homeoffice zu erledigen. Das steigere die Attraktivität des Mandats und erhöhe die Chance auf die Besetzung durch einen hoch qualifizierten Freelancer. Unternehmer können Freelancer im Internet über deren Homepages finden sowie in speziellen Freelancer-Gruppen oder direkt über deren Profile in beruflichen Netzwerken wie XING oder LinkedIn. Auch im Bekanntenkreis können sich Unternehmer nach passenden Empfehlungen umhören.

Online-Plattformen für die Suche nach Freelancern


Hilft all dies nichts, gibt es auch zahlreiche Online-Plattformen, auf denen Unternehmer bei der Suche nach Freelancern fündig werden. Eine davon wird von dem Personaldienstleister Gulp betrieben. Hier können Unternehmen laut Urbatschek auf einen Freelancerpool von knapp 90.000 Kandidaten zurückgreifen. „Das Angebot Gulp Direkt wurde dabei speziell für den Mittelstand entwickelt“, so Urbatschek. Eine weitere Online-Plattform für die Suche nach Freelancern ist „freelance.de“. Die Plattform ist laut Angaben des Betreibers speziell als Marktplatz für den Mittelstand ausgelegt. Mittelständler können über die Plattform kostenlos Projekte ausschreiben und Bewerbungen von Freelancern erhalten. Und als kostenpflichtiges Premium-Mitglied können Mittelständler über die Plattform laut Angaben des Anbieters Experten u.a. nach Stundensatz, Standort, Skills und Referenzen identifizieren und kontaktieren; „freelancermap.de“ ist eine weitere Projektbörse und Personalplattform für Freelancer und Unternehmen, die mit derzeit 21.448 Freelancer-Profilen (Stand: 4. Mai) auf den Bereich IT & Technik spezialisiert ist. In der Projektdatenbank gibt es laut Angaben des Unternehmens „täglich mehr als 300 neue Ausschreibungen“.
Bei mittelständischen Unternehmen wird im Gegensatz zu Großkonzernen die Familie in die Entscheidung mit einbezogen, daher spielt laut Buttgereit die persönliche Chemie eine noch größere Rolle bei der Entscheidung. Außerdem tragen Freelancer tendenziell eine größere Verantwortung in kleineren Firmen und fallen im Vergleich zu Großkonzernen und deren Budgets stärker ins Gewicht und belasten das Projektbudget in Relation also mehr. Daher sollten sich Mittelständler Buttgereit zufolge für die Suche Zeit lassen und auf qualitativ hochwertige und geprüfte Vermittler zurückgreifen, die durch intensivere Screening-Prozesse eher die passenden Kandidaten bereithalten. Verbände wie der BDU könnten Mittelständler bei der Suche nach Freelancern aus ihrer Datenbank oder auch beim Briefing unterstützen, so Buttgereit weiter.
Die Stundensätze, die auf Unternehmer für den Einsatz von Freelancern zukommen, unterscheiden sich stark nach dem Aufgabenbereich. Laut einer Umfrage der Vermittlungsplattform „freelance.de“ im September 2016 verlangt mehr als jeder vierte Freelancer (26,7 Prozent) aus dem Bereich „Finanzen, Recht und Versicherung“ einen Stundenlohn über 100 Euro und knapp jeder dritte Befragte aus diesem Segment einen Stundensatz zwischen 76 und 100 Euro. Im Durchschnitt verlangt knapp jeder dritte (32,6 Prozent) aller 40.000 befragten aktiven Freelancer einen Lohn zwischen 51 und 75 Euro die Stunde, gefolgt von 24,1 Prozent der Befragten, die zwischen 76 und 100 Euro pro Stunde verlangen, sowie 19,5 Prozent, die einen Stundensatz zwischen 26 und 50 Euro aufrufen.
Ist ein potenziell passender Kandidat gefunden, könnten Unternehmen entweder einen Dienstleistungs- oder einen Werkvertrag mit dem Freelancer abschließen, erklärt Urbatschek weiter. Welche Variante sinnvoll ist, müsse im Einzelfall geklärt werden. Freelancer sind grundsätzlich selbstständig tätig. „Sie sollten generell nicht zu tief in die Unternehmensprozesse eingebunden werden“, sonst könne laut Urbatschek der Verdacht der Scheinselbstständigkeit entstehen. Sie rät Unternehmern daher, das Vertragswerk immer von einem Juristen prüfen zu lassen.
Hilfreich für die Zusammenarbeit mit Freelancern ist laut Urbatschek „auch erst mal mit kleineren Projekten zu starten, um zu testen, ob die Zusammenarbeit von beiden Seiten her
passt“. Barbara Bocks | redaktion@regiomanager.de

Ausgabe 05/2017