Sicherheitstechnik: Sicherheit verkauft sich gut

Der Umsatz für Technik wie Brandmelde-Anlagen oder Einbruchsschutz stieg zuletzt auf rund 4,4 Milliarden Euro.
Sicherheit ist nach wie vor gefragt, wenngleich die Geschäfte mit  privaten und gewerblichen Kunden derzeit leicht rückläufig sind (Foto: ©Tiberius Gracchus – stock.adobe.com)
Sicherheit ist nach wie vor gefragt, wenngleich die Geschäfte mit privaten und gewerblichen Kunden derzeit leicht rückläufig sind (Foto: ©Tiberius Gracchus – stock.adobe.com)
Elektronische Sicherheitstechnik gehört zu den stabilen Wachstumsmärkten in Deutschland. Das zumindest zeigen die zuletzt veröffentlichten Zahlen aus dem vergangenen Jahr. Demnach legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent auf knapp über 4,4 Milliarden Euro zu. Der Umsatz mit Brandmeldetechnik – größtes Segment der Sicherheitstechnik und stark von der Baukonjunktur abhängig – ist im Jahr 2018 sogar um mehr als sechs Prozent auf über zwei Milliarden Euro gestiegen. Auch für die Zukunft geht die Branche von einem Aufwärtstrend aus. Gleichwohl steht man vor Herausforderungen: „Die Auswirkungen des Fachkräftemangels sind enorm. Es dauert oft zwölf bis 15 Monate, bis eine Stelle nachbesetzt wird – das ist doppelt so lang wie noch vor zwei oder drei Jahren“, sagt Norbert Schaaf, Vorstandsvorsitzender des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik. Darüber hinaus werden Vernetzung und Digitalisierung sowie das Thema Cybersicherheit der eingesetzten Produkte, Systeme und Dienstleistungen in den Wertschöpfungsnetzwerken in den kommenden Jahren dringliche Aufgaben sein. „Smart Home und Smart Building werden Realität. Im Dreieck aus Komfort, Energieeffizienz und Sicherheit nimmt Cybersicherheit einen zentralen Platz ein. Digitale Technologien müssen sicher und vertrauenswürdig sein – darauf müssen sich die Nutzer verlassen können. Nur so können neue Dienste und Geschäftsmodelle entstehen, die sich am Markt behaupten“, betont Uwe Bartmann, Vorstandsvorsitzender des ZVEI-Fachverbands Sicherheit. Bei der Rauchwarnmelderpflicht ist eine Konsolidierung spürbar. „Nachdem inzwischen alle Bundesländer die Rauchwarnmelderpflicht in den Landesbauordnungen für Privatwohnungen eingeführt haben, steht in den ersten Ländern nun aber der Austausch alter Melder an“, erklärt Schaaf. Außerdem böte die technologische Weiterentwicklung, wie etwa aus der Ferne inspizierbare Melder, die Daten für das Smart Home liefern können, gute Perspektiven für die Zukunft.
Wichtiges Thema: Videosicherheit
Mit einem Plus von sieben Prozent auf 352 Millionen Euro verzeichnen Zutrittssteuerungssysteme ein hohes Wachstum. Auch Videosicherheit hat unter dem Eindruck der Diskussion um die öffentliche Sicherheit mit einem Plus von 6,5 Prozent auf 575 Millionen Euro erneut spürbar zugelegt. Etwas verhaltener verlief das Wachstum bei Sprachalarmierungstechnologien mit plus 3,8 Prozent auf 110 Millionen Euro und bei Überfall- und Einbruchmeldeanlagen mit 3,6 Prozent auf 860 Millionen Euro. Hier bleibt abzuwarten, ob sich die zuletzt gesunkenen Zahlen im Bereich der Wohnungseinbrüche bemerkbar machen. Deutschlandweit sind die polizeilich erfassten Fälle, wie in diesem Frühjahr von den Behörden bekannt gegeben wurde, erstmals seit etwa 20 Jahren unter die Marke von 100.000 gefallen. In NRW ging die Zahl der Wohnungseinbrüche im Berichtsjahr nach eigenen Angaben von 39.057 Fällen um fast ein Viertel (23,4 Prozent) auf 29.904 Fälle zurück. Weniger Einbrüche habe es zuletzt 1981 gegeben. „Ein Grund für den Rückgang der Einbruchszahlen ist der zunehmende Einsatz von Sicherungstechnik in Deutschland. Besser gesicherte Häuser und Wohnungen erschweren bzw. verhindern die Tatausführung“, betont Dr. Urban Brauer, Geschäftsführer des BHE. Inzwischen würden 45 Prozent aller Einbruchsversuche durch vorhandene Sicherheitstechnik verhindert, diese Investition lohne sich also nachweislich. Dr. Brauer verweist in diesem Zusammenhang auf Fördermöglichkeiten. „Die KfW unterstützt den Einbau von Alarmanlagen sowie einbruchhemmenden Türen und Fenstern schon ab Kosten von 500 Euro. Dies führt bei vielen Bürgern zum dringend notwendigen Umdenken in Sachen Einbruchschutz.“ Hinzu komme die Ankündigung der Deutschen Bahn und der Bundesregierung, die Videosicherheit an Bahnhöfen auszubauen. Auch das werde „in der Branche Auswirkungen haben“. Kurz: Man zeigt sich optimistisch. Und das liegt nicht nur an den nackten Umsatzzahlen. Auch die gefühlte Lage ist offenbar gut. Bei der letzten Konjunktur-Umfrage des BHE beurteilten rund 85 Prozent der befragten Sicherheits-Fachfirmen ihre Geschäftslage mit „sehr gut“ oder „gut“ – die Ergebnisse der Herbstumfrage stehen gleichwohl noch aus. Bei der Beurteilung der aktuellen Marktsituation vergaben die Experten im Frühjahr durchschnittlich einen Wert von 1,81 auf der Schulnotenskala. Das Ergebnis liegt damit leicht unter dem Spitzenwert aus dem Herbst 2018, aber gleichauf mit den erfreulichen Bewertungen der vergangenen drei Jahre. Alle Gewerke schneiden in der Befragung recht gut ab. Deutlich zulegen konnte z.B. die Brandmeldetechnik, die sich auf einen Wert von 1,96 verbesserte. Auch die Einbruchmeldetechnik (2,34), Videosicherheit (2,32) und Zutrittssteuerung (2,23) konnten sich deutlich steigern.
Behörden sind starke Kunden
„Nur die Einschätzung der Situation in den einzelnen Kundengruppen ist etwas weniger zuversichtlich. Demnach sind die Geschäfte mit den privaten und gewerblichen Kunden derzeit leicht rückläufig“, so Dr. Urban Brauer. „Allerdings konnten im Gegenzug die Behörden mit einer Note von 2,46 einen erneuten Bestwert verzeichnen.“ Wenig überraschend: Als weiterhin problematisch wird die angespannte Fachkräftesituation gesehen. Nach wie vor sind mehr als die Hälfte der Firmen auf der Suche nach neuem Personal. Und die vorhandenen Fachkräfte müssen stetig weitergebildet werden. Seit Kurzem hat der BHE sein Weiterbildungsangebot um einen zusätzlichen Baustein erweitert: eine eigene E-Learning-Plattform. Sie bietet „Web-Based-Trainings (WBT)“, aber auch Seminare als Video-Aufzeichnung. Die Themenpalette reicht von „Grundlagen der mechanischen Absicherung von Objekten“ und „Modus Operandi – das Vorgehen der Einbrecher“ bis hin zu „Meldertypen einer Einbruchmeldeanlage“.

Fotostrecke

Ausgabe 06/2019