Bauelemente: Smart, effizient und sicher

Hausbau und Renovierungen kommen ja eigentlich nie aus der Mode. Das freut die Branche der Bauelemente-Bauer. Die aktuellen Trends im Überblick.
Foto: ©KB3- – stock.adobe.com
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Es gibt wohl kaum Leute, die nicht jemanden kennen, der gerade ein Haus beziehungsweise eine Wohnung kaufen oder neu bauen möchte. In neuen Wohngebäuden wurden im Jahr 2018 rund 302.800 Wohnungen genehmigt. Diese Zahl meldet das Statistische Bundesamt. Fenster sind dabei ein wichtiger Kostenblock. „Bei einer Gesamtgebäudesumme von beispielsweise 200.000 Euro bezahlen Hausbauer grob geschätzt zwischen 20.000 und 40.000 Euro für Fenster“, sagt Frank Lange, Geschäftsführer des Verbandes Fenster und Fassade (VFF) sowie der Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren e.V. „In der Fenster- und Fassadenbranche gibt es aktuell drei Haupttrends: immer größere Fensterflächen, mehr Sicherheit und ein wachsender Anteil automatischer Steuerungsfunktionen“, so Lange weiter. Auffällig sei weiterhin der Trend zu Hebe- und Schiebetüren für mehr Tageslicht in Innenräumen.

Schall- und Einbruchschutz bei Türen

Bei Türen achten private und industrielle Bauherren unter anderem auf einen guten Schall- und Einbruchschutz sowie Wärmedurchgang. „Gerade im privaten Bereich wird insbesondere Wert auf modernes, integriertes Design gelegt“, sagt Olaf Heptner, Geschäftsführer des Industrieverbands Tore, Türen, Zargen e.V. (ttz). „Das Thema Feuer und Rauch, also der Feuer- und Rauchwiderstand von Abschlüssen, spielt im Bereich Toren und Türen speziell auch in Verbindung mit Zargen eine große Rolle“, so Heptner weiter. Entsprechende Türsysteme mit Feuerwiderstandszeit beziehungsweise Rauchdichte sind mittlerweile auf europäische Normen ausgelegt. Gerade im Bereich von Feuer- und Rauchschutzabschlüssen besteht Heptner zufolge aber aktuell eine Unsicherheit, inwieweit und wann die europäischen Normen für diese Produkte greifen. „Nichtsdestotrotz sind die Hersteller im ttz durch die weiterhin bestehenden nationalen Zulassungen und bauaufsichtlich zugelassenen Produkte so aufgestellt, dass sie denAnforderungen zu Feuer und Rauch auch bei einer möglichen weiteren Verzögerung der europäischen Produktnormen gut entsprechen“, so Heptner weiter.

RC2-Norm ist mittlerweile Standard

Generell hat sich das Sicherheitsbedürfnis der Eigenheimbesitzer laut Lange in den vergangenen Jahren erhöht. Daher sei die europäische Norm „RC2“ bei Fenstern im Erdgeschoss bei gehobenen Einfamilienhäusern mittlerweile Standard. Die Norm besagt, dass Einbrecher diese Fenster mit einfachem Werkzeug nicht innerhalb von drei Minuten öffnen könne. Heptner: „Der Komfortgedanke bei Türen rückt immer mehr in den Vordergrund.“ Der Komfortgedanke rückt speziell bei automatisierten Türsystemen immer mehr in den Vordergrund. Dies habe nicht nur damit zu tun, dass die Gesellschaft zunehmend altert. Durch ihren Komfort und die einfache Benutzung sind automatische Türsysteme Hepter zufolge auch für jeglichen Personenverkehr geeignet. Die Möglichkeit, Tür- und Torsysteme unter anderem über das Smartphone oder Smart- Home-Anwendungen automatisch zu bedienen, wird in der Zukunft noch bedeutender werden. Daneben spielt Heptner zufolge „natürlich auch das Thema Energieeinsparung und Ressourceneffizienz eine immer bedeutendere Rolle.“

Klimaziele erreichen über höhere Sanierungsquote

Rund 35 Prozent unserer gesamten Endenergie verbrauchen Personen in den eigenen vier Wänden, vor allem für Heizung und Warmwasser“, berechnet beispielsweise das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. „Die Klimaziele 2030 sind allein über die Umstellung der Energieproduktion auf erneuerbare Energien nicht erreichbar“, erklärt Lange. Gerade im Gebäudebereich würden große Energiesparpotenziale stecken, die durch energetische Sanierung realisiert werden können. „Dazu ist es aber nötig, die Sanierungsquote deutlich zu erhöhen. Diese liegt derzeit bei nur 1 Prozent des Gebäudebestands im Jahr“, so Lange weiter. Die bestehenden Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) müssen aus Langes Sicht „unbedingt um eine steuerliche Abschreibungsmöglichkeit der Sanierungskosten ergänzt werden“, damit sich diese Quote erhöht. Das stehe auch so im Koalitionsvertrag, wäre aber bisher nicht angegangen worden. Lange setzt sich als Verbandschef auch dafür ein, dass Bauvorhaben entbürokratisiert werden. „Energieeffizient zu bauen darf nicht noch komplizierter und damit teurer werden“, so Lange. Bei dem künftigen Gebäudeenergiegesetz (GEG) dürfe es im Hinblick auf Fenster nicht nur darum gehen, wie viel Wärme gespart werden könne, sondern auch, wie viel Kunstlicht durch Tageslicht ersetzt werden könne und welche Kostenersparnis mit intelligenter Lüftung ermöglicht würde Bei den Anforderungen, die durch Unternehmen wie die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen vorgegeben werden, muss laut Heptner unter anderem beachtet werden, dass nicht nur der mögliche Energieeinsparwert wichtig ist, sondern auch die gesamte Einbausituation. Gerade hier komme es unter anderem darauf an, wie die speziellen Materialien eingebaut werden. Auch das Zusammenspiel von einzelnen Komponenten für Türen wie Zarge, Dichtungen und Türblatt spiele eine große Rolle. „Ein Hilfsmittel, um unter anderem diese komplexen Anforderungen zu erfassen, sind sicherlich die bedeutender werdenden Datenerfassungen für Tür- und Torelemente (Stichwort BIM, kurz für „Building Information Modeling“).“ Mit ihnen soll es Heptner zufolge künftig möglich sein, eine Vielzahl von Türdaten schon frühzeitig bereitzustellen, um das Gesamtgebäude zu beurteilen. Lange: „Fenster werden immer mehr zum Industrieprodukt.“ Auch die Fensterbranche steckt derzeit in einem Strukturwandel. Fenster werden immer mehr zu einem Industrieprodukt und damit verlieren Fensterbauer vor Ort mitunter ihre traditionelle Bedeutung. Diese Entwicklung ist Lange zufolge in Deutschland mit einem wachsenden Preisdruck verbunden. Insbesondere Standardfenster werden mittlerweile zu 25 Prozent aus dem übrigen Europa importiert.

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Ausgabe 04/2019