INTERBODEN Gruppe: Ein Holzhybrid als Zukunftsprojekt

Mit dem Holzhybridbau „The Cradle“ im Düsseldorfer Medienhafen ebnen Carsten Boell, Geschäftsführer der INTERBODEN Innovative Gewerbewelten, und sein Projektteam neue Wege Richtung nachhaltiges Bauen.
Carsten Boell ist Geschäftsführer der INTERBODEN Innovative Gewerbewelten mit Sitz in Ratingen (Foto: INTERBODEN Gruppe)
Carsten Boell ist Geschäftsführer der INTERBODEN Innovative Gewerbewelten mit Sitz in Ratingen (Foto: INTERBODEN Gruppe)
RWM: Herr Boell, „The Cradle“ ist ein Holzhybridbau. Was genau heißt das?

Carsten Boell: Beim Holzhybridbau geht es um die Vermischung von Holz mit anderen Materialien – in diesem Fall Beton und Stahl. Gelungene Hybridformen mischen da, wo es Sinn macht. Zu Stabilisierung, Statik und Brandschutzthemen arbeiten wir mit Beton und Stahl, für alles andere nutzen wir Holz.

RWM: Stilprägend ist die wabenförmige Holzfassade. Welches Holz eignet sich für diese Bauweise und warum?  

Carsten Boell: Generell sind Nadelhölzer gut für den Außenbereich geeignet, da sie einen geraden Wuchs und eine geringe Dichte aufweisen. Wir nutzen konkret Lärchenholz. Die Lärche gehört zu den härtesten Hölzern und überzeugt durch Dauerhaftigkeit und Beständigkeit.

RWM: Welche Holzsorten können bei der Erstellung von Immobilien verwendet werden?

Carsten Boell: Grundsätzlich eignen sich langsam wachsende Holzsorten aus nachhaltiger Forstwirtschaft besser. Da wir unser Holz gemäß der Cradle-to-Cradle-Vorgaben beziehen, verwenden wir natürlich kein Tropenholz. RWM: Wo liegen die Vor- und Nachteile zwischen den Holzsorten hinsichtlich der Materialeigenschaften?  

Carsten Boell: Die passenden Holzsorten werden entsprechend des Verwendungszwecks ausgesucht. Für die Stützen nehmen wir gepresste Buche, da diese eine hohe Festigkeit aufweist. Darüber hinaus sorgt das Holz für eine gute Feuchtigkeitsregulierung. Die Haltbarkeit von Holz ist ewig, wie man bei Fachwerkhäusern sehen kann. Wichtig ist, dass außen ein konstruktiver Holzschutz verwendet wird, der zum einen im Sinne von Cradle-to-Cradle ist und zum anderen vor Witterung schützt.

RWM: Welche Bauteile können noch durch Holz ersetzt werden?

Carsten Boell: Den höchsten Grad an „Betoneinsparung“ im Gebäude erreichen wir in den Decken. Hinzu kommen viele Innenstützen aus Holz und die Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Holzelementen im Erdgeschoss.

RWM: Ändern sich die Brandschutzanforderungen, wenn ein Gebäude zu großen Teilen aus Holz besteht?

Carsten Boell: Die Anforderungen bleiben die gleichen, egal welches Material. Natürlich müssen wir bei einem Holzhybrid bestimmte Gebäudeteile entsprechend des Brandschutzes berücksichtigen. So verwenden wir beispielsweise größere Stützen als normal , um die Statik des gesamten Gebäudes zu verbessern.

RWM: Wie wirkt sich Holz auf das Klima im Gebäude aus?

Carsten Boell: Holz reguliert die Feuchtigkeit, kann Schadstoffe binden und dämmt Geräusche. Darüber hinaus ist Holz für Allergiker und Asthmatiker gesundheitsfördernd, beruhigt das Herzkreislauf- und Nervensystem. Ferner hat Holz hervorragende energetische Qualitäten: Im Winter strahlt es Wärme und im Sommer Kühle aus, was sich auch auf die Nebenkosten auswirkt.

RWM: Wie sieht es mit der Wartung von Holzgebäudeteilen aus?

Carsten Boell: Im Innenbereich messen Feuchtigkeitssensoren stetig die Raumfeuchte und ersparen eine Wartung. Im Außenbereich greifen Licht, Regen und andere Einflüsse das Holz an und führen zur Vergrauung. Um diesem „Used Look“ vorzubeugen, wird alle paar Jahre ein UV-Anstrich aufgetragen – ganz wie bei der regelmäßigen Pflege einer konventionellen Fassade.

RWM: Ist Holz teurer als andere Baustoffe?

Carsten Boell: Im Vergleich zu einem klassischen Betongebäude ist Holz auf kurze Sicht teurer. Allerdings lässt sich Holz in den Materialkreislauf zurückspielen, was es auf lange Sicht günstiger macht. Verglichen mit einer Klinkerfassade oder anderen Details im Innenraum, ist die Holzalternative nicht teurer.

RWM: Wo kommt das Holz für The Cradle her?

Carsten Boell: Die unterschiedlichen Holzsorten kommen aus verschiedenen Regionen Europas, aber immer aus nachhaltiger Forstwirtschaft. „Regional“ bedeutet nicht gleich nachhaltig, da die Verarbeitung nicht vor Ort geschieht. Es wird für jede Verwendung die intelligenteste und effizienteste Logistik ermittelt. So sparen wir bei der Gebäudeerstellung bereits einen Großteil CO2 ein.

RWM: Verringert Holz den Carbon-Footprint des Gebäudes? Wie stark?

Carsten Boell: Ja, auf jeden Fall. Berechnungen zufolge gut ein Drittel im Vergleich zu herkömmlichen Gebäuden. Umgerechnet sind das 83 Millionen gefahrene Pkw-Kilometer.
Ausgabe 03/2020