„Ein sinnliches Wärmeerlebnis“

Die Kamin- und Ofenbranche sieht sich gut aufgestellt. Doch es gibt diverse Herausforderungen, etwa in Sachen Klima- und Emissionsschutz.
Ob mit Sitzbank oder ohne - eine Feuerstelle gehört für viele Menschen zu einem gemütlichen Heim einfach dazu Foto: Adk/www.kachelofenwelt.de/Gutbrod
Ob mit Sitzbank oder ohne - eine Feuerstelle gehört für viele Menschen zu einem gemütlichen Heim einfach dazu Foto: Adk/www.kachelofenwelt.de/Gutbrod

Für Ofen- und Kaminfans ist jetzt die beste Zeit des Jahres: Für sie gibt es nichts Schöneres, als sich in den eigenen vier Wänden an einem Feuerchen zu wärmen und dem lustigen Knistern zu lauschen. Hinzu kommt der Heizaspekt. Aktuell werden nach offiziellen Zahlen der Branche hierzulande rund elf Millionen „Einzelraumfeuerstätten und Zentralheizungsanlagen für feste Brennstoffe“ betrieben. „Generell sind die Branche und das Handwerk der Ofen- und Luftheizungsbauer gut aufgestellt“, sagt Michael Hieckmann aus Kevelaer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kachelofenwirtschaft (AdK), ein Zusammenschluss von Branchenunternehmen aus Handwerk, Industrie und Handel. Bei allen positiven Zahlen: „Herausforderungen im Hinblick auf die Zukunft gibt es genug“, so Hieckmann. Die Bandbreite reiche vom Klima- und Emissionsschutz über Effizienzsteigerungen, innovative Technologien, veränderte gesetzliche Anforderungen bis hin zu Altanlagen-Modernisierung oder -Austausch sowie internen Herausforderungen wie Nachwuchsförderung und Ausbildung, um die Zukunftsfähigkeit der Betriebe sicherzustellen. „Außerdem ist eine der großen Herausforderungen die Digitalisierung – sowohl in der Kundengewinnung und -Betreuung als auch im Betriebsablauf, bei der Planung der Ofensysteme und in der zunehmenden Digitalisierung der Produkte selbst, wie zum Beispiel über Apps
steuerbare Ofensysteme.“

Beitrag zur Energiewende

Nach Angaben des Verbandsvorsitzenden sind es aber vor allem die Zukunftsthemen des Wärme- und Energiemarktes in Verbindung mit Umwelt- und Klimaschutz, die den Vertretern der Branche derzeit auf den Nägeln brennen. „Und die gesellschaftliche und politische Diskussion darüber, wo die Reise hingehen soll und wie wir die hochgesteckten Ziele – Stichwort Klimaschutzplan 2050 – ganz konkret erreichen können.“ Beim Thema Feinstaub sei die Holzfeuerung zu Unrecht in die Diskussion geraten. Da sei sachliche Aufklärung gefragt, um Verbrauchern Sicherheit für ihre Entscheidungen zu geben. Moderne Kamin-, Pellet- und Kachelöfen böten Lösungen, um den CO2-Problemen und Effizienzanforderungen des Wärmemarktes gerecht zu werden, betont Michael Hieckmann. „In Kombination mit Zentralheizungssystemen, in Verbindung mit Solaranlagen oder Wärmepumpen können diese hocheffizienten, emissionsarmen Geräte heutigen Standards ohne erhebliche Investitionskosten und Förderbeiträge einen wertvollen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten.“ Zahlen des Umweltbundesamtes zeigten, dass die Feinstaubemissionen der Holzfeuerung bei der Gesamtbetrachtung eine eher untergeordnete Rolle spielten. Demnach seien private Haushalte an der sogenannten PM10-Belastung zu neun Prozent beteiligt. PM10 steht für eine in diesem Zusammenhang relevante Partikelgröße. „Nach Angabe des Umweltbundesamtes ist die gesamte PM10-Belastung der Luft seit 1995 bis 2015 um rund 30 Prozent zurückgegangen“, so Michael Hieckmann.

Bei Bauherren gefragt

Alle Welt redet vom Bauboom – inwiefern profitieren die Kaminbauer? „Die Ofenbauer profitieren vom steigenden Umweltbewusstsein der Bauherren, von den gesetzlichen Umweltanforderungen, die einen gewissen Anteil an regenerativen Energieträgern für moderne Gebäude vorschreiben und auch von den Förderprogrammen, die es für bestimmte Ofensysteme gibt“, erklärt der AdK-Chef. „Zudem bieten moderne Holzfeuerstätten ein einzigartiges, sinnliches Wärmeerlebnis, sind hochwertige Design-Objekte und werten die Immobilie nachhaltig auf.“ Den Wunsch vieler Bauherren nach Zukunftssicherheit und Unabhängigkeit ihres Heizsystems erfüllten Holzfeuerungen seiner Ansicht nach „par excellence“. Moderne Einzelraumfeuerstätten stellten eine für den Bürger günstige und unabhängige Möglichkeit zur Nutzung regenerativer Energien dar. „Sie sind Lösungen, die hocheffizient und emissionsarm, unabhängig von Strom und Wärmenetzen sowie fossilen Brennstoffen und nahezu verlustfrei Wärme für den Aufstellungsraum liefern.“ Voraussetzung sei jedoch, dass für Bauherren und Hausbesitzer die Wahlfreiheit für ein ökologisch und ökonomisch individuell vorteilhaftes Heizsystem nicht durch „Anschluss- und Benutzungszwänge“ an bzw. von Nah- oder Fernwärmenetze(n) sowie durch Verbrennungsverbote für bestimmte Brennstoffe eingeschränkt werde. „Dies geschieht jedoch leider in einigen Fällen“, kritisiert
Michael Hieckmann.

Modernes Design

Gefragt nach den aktuellen Trends verweist der Verband auf innovative, effiziente und vernetzbare Systeme, „die mit anderen regenerativen Energieerzeugern oder mit herkömmlichen Öl- und Gasfeuerungen zusammenspielen können und Kunden umweltfreundlich Wärme, Behaglichkeit und ein besonderes Lebensgefühl mit echtem Feuererlebnis bieten“. Im Design ständen Vielfalt und Individualität in jeder Hinsicht im Vordergrund. „Traditionelles Ofendesign wird immer mehr abgelöst durch moderne, einzigartige Lösungen mit individuellen Formen, Farben und ausgefallenen Materialien oder Materialkombinationen“, berichtet Hieckmann. „Dabei spielt auch Ofenkeramik wieder eine wichtige Rolle. Purismus und Reduktion auf klares, ausdrucksstarkes Design ist hier ebenso möglich wie Retro-Design.“ Auch das Thema spielt eine Rolle. Gas-Kachelöfen, -Kamine und -Kaminöfen werden laut AdK „als Lifestyle-Geräte mit Hightech-Komfort“ immer beliebter. „Sie passen in moderne Architektur- und Lebenskonzepte, besonders im städtischen Raum. Wer wenig Zeit hat, nicht mit Holz heizen möchte oder durch Vorschriften der Gemeinde oder Stadt nicht darf, für den sind Gasfeuerstätten die Alternative.“

Grundsätzlich wirbt der AdK-Vorsitzende für den Gang zum Experten: „Wer eine moderne Holzfeuerstätte im Neubau oder im Rahmen der energetischen Sanierung seiner Bestandsimmobilie einsetzen möchte, sollte stets einen Fachmann, sprich den Ofen- und Luftheizungsbauer, hinzuziehen.“ Nur so sei sichergestellt, dass alle technischen, bautechnischen, Umweltschutz- und Sicherheitsaspekte und die damit verbundenen Anforderungen erfüllt würden. „Von Öfen aus Baumärkten oder Selbstbau-Öfen sollte man besser die Finger lassen.“ Zudem berate der Fachmann in allen Design- und Gestaltungsfragen, bei der Materialauswahl, bei der Ofenkeramik und der Integration von Sitzbänken und anderen Zusatzeinrichtungen. „Er ist auch Ansprechpartner in allen Service- und Instandhaltungsfragen.“ Daniel Boss | redaktion@regio-manager.de

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Ausgabe 09/2017