Gute Führung im Mittelstand: Gute Führung & hohe Rendite

Im Interview mit dem RHEIN-WUPPER MANAGER erläutert Norbert Weck, Business-Coach aus Solingen, den unmittelbaren Zusammenhang zwischen guter Führung und hoher Rendite.
Foto: ©Olivier Le Moal – stock.adobe.com
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RWM: Herr Weck, wie hängen gute Führung und hohe Rendite konkret miteinander zusammen? Norbert Weck: Kurz gesagt: direkt und unmittelbar. Alles, was Führung macht, aber auch alles, was Führung nicht macht, hat Einfluss auf die Rendite. Dies umso mehr, je größer der Verantwortungsbereich, je größer die Anzahl der Mitarbeiter der Führungskraft ist. Wir erleben Unternehmensleiter, wie sie nicht müde werden, von Ihren Mitarbeitern mehr Umsatz und Rendite zu fordern. Von vielen Mitarbeitern wird dieser Ruf nach Umsatz und Rendite oft falsch übersetzt mit dem Unternehmenszweck. Dabei sind diese nicht der Zweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck von Unternehmungen. Der primäre Zweck von Unternehmen ist die Lösung von Kundenproblemen. Je besser es Führung vermag, Mitarbeitern den tatsächlichen Firmenzweck zu vermitteln, desto besser richten sich die Blicke der Mitarbeiter und damit die Prozesse im Unternehmen darauf aus. Gute Führungskräfte verstehen es, den Ruf der Unternehmensleitung nach mehr Rendite für die breite Masse der Mitarbeiter so zu übersetzen, dass der Blick sich nicht nach innen ins Unternehmen zentriert, sondern nach außen auf die Kunden richtet. Was dann folgt, sind besserer Umsatz und höhere Rendite. RWM: Was zeichnet gute Führungs- kräfte aus? Norbert Weck: Die Bewertung guter Führung ist hier schon die erste Hürde. Weit über 90 Prozent der Führungskräfte bewerten die eigene Führung als gut und angemessen, das sehen aber 80 Prozent der Mitarbeiter ganz anders. Betrachten wir die Herausforderungen. Produktzyklen werden immer kürzer, Kundenerwartungen komplexer. Geübte Problemlösungsstrategien altern und werden unbrauchbar. Führungskräfte, die es verstehen, die Ideen der Mitarbeiter erfolgreich einzubeziehen, gewinnen die entscheidenden Innovationsvorteile in Abgrenzung zum Wettbewerb. Anpassungen an den Markt und andere Veränderungsprozesse lassen sich mit den Mitarbeitern deutlich schneller und nachhaltiger umsetzen. Führung, die alles im Griff behalten will, ist auf eindimensionale Impulse zur Umsetzung von „Neuem“ beengt. Führung vergeudet so täglich wertvolle Potentiale und Ressourcen. Gute Führungskräfte verstehen es, Verantwortung zu delegieren und Mitarbeiter zur Eigenmotivation anzuregen. Der Umgang mit Fehlern ist ein mächtiges Wirkungsfeld, bei der die Führung Transaktionskosten einsparen kann. Jeder Konflikt ist Chefsache und wird sofort bearbeitet, bevor er eskaliert. Zeit, die hier ungenutzt verstreicht, kostet später viel Zeit und Geld. Das Verhalten der wertsetzenden Person im Konfliktfall bestimmt die Kultur im Unternehmen und ist mitentscheidend für die Motivation der Mitarbeiter. Nicht umsonst heißt es: „Menschen kommen zu Unternehmen und verlassen Führungskräfte.“ RWM: Was raten Sie Ihren Klienten? Norbert Weck: Meine Klienten sind Fach- und Führungskräfte. Es zahlt sich unmittelbar aus, wenn die Führung signifikant verbessert werden kann. Schulungen alleine reichen da nicht aus. Ein Raucher hat schnell gelernt, dass Rauchen schädlich ist. Wahrhaftig aufzuhören ist ein anderer Prozess und beginnt im Anschluss der Methodenkompetenz. Komplex wie die heutigen Herausforderungen sind die individuellen Optionen für bessere Führung. Jeder Fall, jedes System, jedes Unternehmen ist anders und bedarf einer individuellen Vorgehensweise. Innovative Unternehmer verbessern heute zunehmend erfolgreicher die Führung im Unternehmen. Externe Unterstützung beschleunigt diesen Prozess signifikant. Es zahlt sich aus, einen Tag im Monat über sein Unternehmen nachzudenken und die restliche Zeit in ihm zu arbeiten. Fehlende Zeit ist ein häufiges Argument, weshalb es nur bei guten Vorsätzen bleibt. Gute Führung und gute externe Unterstützung fokussieren den Blick aufs Wesentliche. Business-Coaching ist heute zunehmend ein strategischer Erfolgsfaktor für Führungskräfte und Unternehmen.
Ausgabe 08/2018