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Personalbedarf von Start-ups: Start-ups müssen einfach völlig flexibel agieren

Interview mit Axel Kayko und Enrico Thör, Geschäftsführer des Personalhauses Bielefeld, über die Suche von Start-ups nach hoch qualifiziertem Personal.
 Die Geschäftsführer Enrico Thör und Axel Kayko (v.l.)
Die Geschäftsführer Enrico Thör und Axel Kayko (v.l.)
OWLM: Gibt es Unterschiede in der Nachfrage von Start-ups nach Personal im Vergleich zu den Unternehmen, die traditionelle Berufsgruppen aus dem kaufmännischen oder handwerklichen Bereich nachfragen?

Axel Kayko: Ja, es gibt grundsätzlich Unterschiede. Viele Start-ups gründen sich sozusagen selbst, weil sie in ihrem Bereich selbst Spezialisten sind. Und vielen ist die Personalvermittlung, Arbeitnehmerüberlassung oder Zeitarbeit fremd. Hier müssen wir oft noch Aufklärungsarbeit leisten. Bei etablierten Unternehmen dagegen ist diese Aufklärungsarbeit meistens nicht notwendig, weil sie mit der Materie vertraut sind und die Dienstleistung bereits nutzen. Die Anforderungen an Personal sind seitens der Start-ups in der Regel sehr hoch, weil in diesen kleinen Unternehmen meistens mehrere Spezifikationen zugleich vom zukünftigen Mitarbeiter verlangt werden, da er sehr flexibel im kleinen Unternehmen eingesetzt werden soll, während ja bei den Großunternehmen oft ein Mitarbeiter eine speziellere Aufgabe zu erledigen hat. Start-ups möchten Mitarbeiter rekrutieren, die etwas mit aufbauen und recht zügig qualifizierte und gleichzeitig sehr vielseitige Aufgaben in dem Unternehmen übernehmen können.

OWLM: Welche Berufsgruppen werden von Start-ups besonders nachgefragt?

Enrico Thör: Es gibt nicht nur Start-ups in der digitalen Welt, doch spürt das Personalhaus Expert hier den meisten Bedarf. Wir haben Anfragen aus dem Bereich der IT und der digitalen Medien. Überhaupt alles, was mit sozialen Medien, Marketing und Webdesign zu tun hat. Gerade Online-Marketing-Manager und Social-Media-Manager sind derzeit sehr gefragt. Experten fürs Internet – egal, ob es sich da um Webshop-Manager oder andere Internetaktivitäten handelt – und Fachkräfte sind in den Start-ups willkommen! Und wir unterstützen sie sehr gerne!

OWLM: Wie hoch schätzen Sie den Personalbedarf von Start-ups in Deutschland ein?

Axel Kayko: Es handelt sich hier tatsächlich um einen stark wachsenden Kundenkreis. Denn Start-ups sind oft mit sich und mit dem, was sie machen, stark beschäftigt. Da kommen dann Personaldienstleister wie wir diesen Firmen natürlich sehr entgegen, die ihnen Bewerbungsgespräche, Recruiting, Sichtung von Bewerbungsunterlagen und vieles mehr abnehmen, weil das mit viel Zeitaufwand verbunden ist. Gerade aber Zeit ist bei Start-ups eine knappe Ressource, weil sie einfach sehr in ihrem Tagesgeschäft eingebunden sind. Unterm Strich kann hier der Personaldienstleister den entscheidenden Filter bilden, der diesen Unternehmen passgenaue Mitarbeiter zuführt, weil er sich für diese Auswahl Zeit nimmt und er auf einen großen Pool an geeigneten Kandidaten zugreifen kann.

OWLM: Haben Start-ups angesichts des Fachkräftemangels am Markt bei vielen Berufen das Nachsehen bei der Besetzung von Stellen gegenüber etablierten Unternehmen?

Axel Kayko: Also für uns als Personaldienstleister stellt sich dieses Problem bzw. diese Frage gar nicht. Denn wir spüren diese Personalknappheit überhaupt nicht; in der Folge entsteht also auch keine Konkurrenz auf Nachfrageseite bei der Rekrutierung von Fachkräften. Im Handwerk gab es in der Vergangenheit immer wieder saisonale Schwankungen, weshalb es dann Überhänge bei der Personalmenge gegeben hat. Das betrifft aber nicht die Start-ups. Grundsätzlich gilt: Ein guter Personaldienstleister achtet in jedem Fall darauf, dass Kunden absolut gleichrangig behandelt werden. Also eine Bevorzugung des einen Unternehmens gegenüber einem anderen darf es in Bezug auf die Befriedigung von Personalbedarfen auf keinen Fall geben.

OWLM: Was würden Sie schnell wachsenden Start-ups, die es ja auch am Markt gibt, raten, um den eigenen Personalbedarf gezielt decken zu können?

Axel Kayko: Ich würde mich beispielsweise nicht an die Website unseres Unternehmens setzen. Das gehört einfach in Profi-Hände. So wie ich dies sehe, sollte auch ein Start-up die Findung von neuem Personal in Profi-Hände geben. Gerade bei Start-ups gilt die Devise „Zeit ist Geld“.

OWLM: Nimmt die Firmengruppe der Start-ups bei Ihnen überhaupt eine wichtige Stellung im Geschäft der Personaldienstleistungen ein oder gehört diese eher zu den nachrangigen Nachfragern?

Enrico Thör: Start-ups fragen genauso qualifiziertes Personal an wie alle anderen Unternehmen. Um auf den Bedarf an hoch qualifizierten Fachkräften besser reagieren zu können, haben wir, das Personalhaus, mit der Gründung eines eigenen Geschäftszweiges bzw. eigenen Niederlassungen reagiert – PERSONALHAUS EXPERT ist unsere Antwort. Dadurch ist es möglich, besser und gezielter sowohl auf die nachfragenden Firmen also auch auf die Wünsche der Bewerber einzugehen. Wir stoßen in die Lücke, die für andere Personaldienstleister zu unbequem ist.

OWLM: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Fehler, die Start-ups machen bei der Personalbeschaffung?

Axel Kayko: Viele Start-ups, die mit uns in Kontakt treten, haben im Vorhinein schlechte Erfahrungen mit der Personalsuche gemacht und haben für die Suche auch noch sehr viel Zeit investiert. Bei der Übergabe der Suche an Personaldienstleister wie uns sparen die Start-ups einfach unheimlich viel von dieser kostbaren Zeit ein und der Erfolg ist planbarer. Wichtig dabei ist vor allem eine offene Kommunikation, das heißt, das Start-up muss selbst sehr genau wissen und formulieren, was für Qualifikationen der neue Mitarbeiter genau mitbringen soll. Das ist deshalb äußerst wichtig, damit wir dieses Suchfeld exakt bedienen und entsprechend den passgenauen Mitarbeiter auswählen können. Je mehr wir wissen, desto mehr können wir filtern. Wie immer müssen Start-ups vorab auch wissen, wer sich um die Einarbeitung kümmert und wie die gestaltet werden soll, weil in kleinen Unternehmen immer sehr viel Flexibilität gefordert ist. In großen Unternehmen sind dagegen meistens schon klare Richtlinien und Kompetenzen implementiert. Da sich die Start-ups häufig noch im Aufbau dieser Strukturen befinden, ist dort Flexibilität ganz wichtig für den neuen Mitarbeiter.

OWLM: Haben Sie sich 2014 selbst als Start-up gefühlt, als Sie mit der Personaldienstleistung begannen?

Axel Kayko: Wir sind eigentlich mehr vom Umfeld als Start-up deklariert worden. Das haben Enrico Thör und ich damals natürlich nicht so gesehen, weil wir uns fast täglich sozusagen selbst neu erfinden und unser tägliches Handeln auch bis heute fortwährend hinterfragen. Wir haben uns damals 2014 erst mal vertrieblich stark aufgebaut und sofort mit Dienstleistern zusammengearbeitet, die uns bestimmte Arbeiten abgenommen haben. Zum Beispiel haben wir mit einem IT-Dienstleister zusammengearbeitet, der für uns die erste Internetseite produziert hat. Allerdings haben uns damals unsere Vorerfahrungen in der Branche ein großes Stück Sicherheit gegeben. Als Start-up brauchen Sie einfach den Mut, Ideen tatsächlich in die Tat umzusetzen. Man muss die Dinge einfach anpacken und tun. Etwas in die Tat umsetzen ist das Entscheidende dabei. Wir haben 2014 vom Wissen her natürlich nicht bei null angefangen. Sowohl Enrico Thör als auch ich haben schon früh mit dem Berufsfeld der Personaldienstleistungen zu tun gehabt und über Jahre in Zeitarbeitsfirmen viele Erfahrungen gesammelt. Wir denken auch, dass das wichtig ist, weil als Geschäftsführer eines entsprechenden Unternehmens es gerade in diesem Bereich wichtig ist, dass man über ein hohes Maß an Kompetenz verfügen sollte, um zu wissen, wie man die Dienstleistung vor allem auch strategisch und hochgradig kundenorientiert angehen sollte. Hierbei ist es auch wichtig, die Fehler, die man selbst in früheren Positionen gemacht hat, dann auf jeden Fall zu vermeiden.

OWLM: Wird die Gruppe der Personen ab 50 heute stärker nachgefragt als vor zehn Jahren?

Enrico Thör: Für uns, das Personalhaus, ist das kein Problem; wer sagt überhaupt, dass die Gruppe der Personen ab 50 nicht nachgefragt ist? Wir haben derzeit so starke Nachfragen am Markt, und zwar in allen Bereichen, dass gute Mitarbeiter überall gesucht werden. Selbst in Betrieben, wo Umstrukturierungen stattfinden, werden oft an anderer Stelle des gleichen Betriebes wieder Mitarbeiter gebraucht. Der Arbeitsmarkt zeigt sich robust und sehr aufnahmefähig. Ich bin davon überzeugt, dass gerade jetzt über 50-Jährige gute Chancen in nahezu allen Bereichen haben und auf eine Vermittlung in eine passgenaue Stelle setzen können!
Ausgabe 07/2018