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Reichweite rules!

Gibt es bald Corporate Influencer für alle Branchen?



Bestimmt haben Sie schon einmal etwas von Influencern gehört. Von Personen mit einer hohen Reichweite in den sozialen Medien und “ so wird vermutet “ einem gewissen Einfluss auf andere. Manche davon gehören auf ihrem Gebiet zu den Meinungsführern, andere wiederum haben zwar jede Menge sogenannter Follower, aber nichts Substanzielles zu sagen. Dennoch bezahlen Firmen auch Letztere dafür, sich mit ihren Produkten fotografieren oder filmen lassen. Influencer gelten als Multiplikatoren für Zielgruppen, die sich über herkömmliche Werbekanäle wie Presse oder TV kaum mehr erreichen lassen. Wie jemand Influencer wird“ Tja, so ganz eindeutig ist das nicht. Menschen folgen in den sozialen Medien vor allem Personen, die attraktiv und/oder unterhaltsam sind oder Informationen teilen. Ein großes Versandhaus will nun das Potenzial seiner Angestellten in den sozialen Medien gezielt nutzen und bildet seit Oktober eigene Influencer aus.
Die Beschäftigten des Versandhauses, die eine Ausbildung zum Influencer durchlaufen, sollen jedoch keine Produkte anpreisen, sondern das Unternehmen selbst. Als Arbeitgeber. Als großartigen Arbeitgeber “ versteht sich. Sie sollen dringend benötigte Fachkräfte anwerben, indem sie in den sozialen Medien, aber auch auf Messen und in ihrer Freizeit anderen mitteilen, wie abwechslungsreich ihr Arbeitsalltag ist und wie viel Spaß ihnen ihre Arbeit macht. Als Beispiel führt das Unternehmen an, reichweitenstarke “Corporate Influencer“ könnten beim Online-Dienst Instagram Fotos aus ihrem Arbeitsleben hochladen. Vermutlich nicht gerade Fotos von ermüdender Schreibtischarbeit. Eher solche vom Training am firmeneigenen Kicker, vom Zubereiten einer schmackhaften Blaubeer-Spinat-Quinoa-Bowl in der stylishen Teeküche oder vom Meeting mit weiteren Strahlefrauen und -männern.
Wenn man es recht überlegt, könnte die Sache mit den Corporate Influencern Vorbildfunktion haben. Denn schließlich herrscht fast überall Fachkräftemangel. Also warum nicht auch in anderen Branchen Arbeitnehmer dazu ermutigen, durch spannende Berichte vom Arbeitsplatz neue Beschäftigte fürs Unternehmen zu werben“ So könnten Influencer in der Autoindustrie Fotos online stellen, auf denen sie mit ihren Roboterkollegen herumalbern. Beschäftigte aus der Versicherungsbranche könnten sich in Gummistiefeln und Wathose bei Besuchen in hochwasserüberschwemmten Häusern filmen lassen “ ähnliche Bilder beim Elbe-Hochwasser 2002 haben schließlich schon die Wiederwahl des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder gepusht. Bei der Arbeit am Hochofen könnten Corporate Influencer davon berichten, dass sie nicht in den Süden fahren müssen, weil es an ihrem Arbeitsplatz ohnehin immer schön warm ist. Mitarbeiter im Tischlerhandwerk lassen sich dabei ablichten, wie sie freudestrahlend Fenster einbauen, Berufskraftfahrerinnen und -fahrer berichten in firmeneigenen Blogs darüber, wie gemütlich ihre Schlafkabinen im Lkw sind, Corporate Influencer im Lebensmittel-Einzelhandel jubeln live auf Facebook über das Eintreffen frischer Ware im Markt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Doch was machen die Betriebe, wenn die so Angeworbenen feststellen, dass der Arbeitsalltag weniger glamourös ist als erwartet“ Dann dürfen die neuen Mitarbeiter nach einigen Monaten im Unternehmen auch Influencer werden. Einen Jobtitel, der einen in eine Reihe mit Internet-Berühmtheiten stellt, lässt sich in der heutigen Zeit doch niemand entgehen.

Simone Harland | redaktion@regio-manager.de

Ausgabe 01/2017