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Wer Arbeit und Freizeit nicht im Ausgleich sieht, dem droht langfristig ein Burn-out Foto: © Kzenon – stock.adobe.com

Der Freizeit Raum geben (Ausgabe 01/18)

Auch für Chefs ist eine Work-Life-Balance möglich. Wichtig ist, auf sich selbst zu hören und auch mal Nein zu sagen.



Der Begriff Work-Life-Balance ist derzeit in aller Munde – ein Modethema also. Und so schön und wichtig das Wort auch klingen mag, gerade in Führungspositionen scheint es unmöglich umzusetzen. Schließlich ist die 40-Stunden-Woche für Chefs wenn überhaupt, dann nur auf dem Papier vorhanden. Doch auch für Manager gibt es die Chance, eine Ausgeglichenheit zwischen Beruf und Freizeit zumindest temporär zu erreichen.

Zuerst einmal ist wichtig, für sich selbst klarzumachen, was für einen persönlich die perfekte Mischung aus Arbeit und Privatleben ist. Um das herauszufinden, rät die Unternehmensberatung für Betriebliches Gesundheitsmanagement auf ihrer Seite zu einer einfachen Übung. Sie besteht darin, sich selbst zum 80. Geburtstag eine Rede zu schreiben. Leitend sollte die Frage sein: Was möchte ich, dass meine Freunde und Familienangehörige zu diesem Anlass über mich sagen? Ein zweiter Schritt besteht darin, aus der Rede fünf bis zehn Erkenntnisse zu sammeln – Dinge, die mir offenbar in meinem Leben wichtig sind. In einem nächsten Schritt werden die Stichpunkte nach Priorität sortiert. So erhält man leicht eine Liste mit den eigenen Werten. Eine ähnliche Methode beschreibt Susanne Schwerdtfeger, Mentorin für Führungskräfte, auf ihrer Internetpräsenz. Sie rät, das „Rad der Work-Life-Balance“ mit sechs Bereichen auf dem Papier zu erstellen: soziale Kontakte, emotionale Bindungen, intellektuelle Entwicklung, Gesundheit, Spiritualität sowie Arbeit/Beruf. Zuerst gilt es, den Kuchen wie bei einem Tortendiagramm nach der aktuellen Situation aufzuteilen. Welcher Bereich kriegt wie viele Prozente ab? Wichtig ist dabei: Mehr als 100 Prozent gibt es nicht. In einem zweiten Schritt werden dann den sechs Teilbereichen die Größen zugeteilt, die man ihnen selbst geben möchte.

Digitalisierung sorgt für Stress

So weit so schnöde die Theorie. Doch gerade im digitalen Zeitalter bleibt trotz allem oft nicht die Zeit für die Dinge, die einem wichtig sind. Dass das nicht immer so sein muss, zeigen beispielsweise die beiden Konzerne VW und Daimler. Bei VW wird in manchen Bereichen 30 Minuten nach Arbeitsende die E-Mail-Weiterleitung aufs Handy abgeschaltet – die Angestellten können gar nicht von zu Hause aus E-Mails kontrollieren. Noch gilt hier die Regelung allerdings nicht für Manager. Anders sieht es bei Daimler aus. Hier können auch Manager zu einer Regelung greifen, dass E-Mails, die sie im Urlaub bekommen, einfach gelöscht werden. Der Absender bekommt dann eine Nachricht, an welchen Kollegen er sich wenden kann. So kann jeder Mitarbeiter im Urlaub abschalten und kommt gar nicht in die Versuchung, ins Mailprogramm zu schauen.

Doch auch in der Freizeit hört das Thema Work-Life-Balance nicht auf. Wer sich auch in der Freizeit mit Kollegen aus ähnlichen Positionen abgibt oder sich Hobbys sucht, die in starker Nähe zum Beruf stehen, schaltet selbst in der Entspannungszeit nicht richtig
ab. Nathanael Ullmann | redaktion@regio-manager.de

INFO

Fünf praktische Tipps
zum Entspannen

  • Tragen Sie zuerst die Familientermine in den Kalender ein, dann die beruflichen. So gehen Sie sicher, dass die Familie nicht zu kurz kommt.
  • Atmen Sie zwischendrin kurz durch. Es gibt viele Internetvideos und Apps, die Sie kostenlos mit Entspannungsübungen versorgen – oft schon innerhalb einer Minute.
  • Üben Sie das Nein-Sagen. Nur so werden Sie nicht immer wieder ausgenutzt und verplanen sich dauerhaft.
  • Wenn Sie Pause haben, gehen Sie nach draußen. Die Natur wirkt regenerierend. Außerdem haben Sie dann auch räumlich Abstand von der Arbeit.
  • Wenn gerade gar keine Zeit für mehr Entspannung bleibt, stellen Sie täglich Ihren Schreibtischstuhl zwei Zentimeter höher oder tiefer ein. Das beugt Schulterverspannungen vor. Platzieren Sie den Bildschirm täglich zwei Zentimeter näher oder weiter weg, schult das die Augen.

Ausgabe 01/2018