Kreisporträt Paderborn: Bahn frei für den vierten Technologiepark

Mit der Entwicklung der Barker Kaserne schreitet die Stadt Paderborn weiter Richtung Zukunft.
(Quelle Luftbild: Gerd Vieler)
(Quelle Luftbild: Gerd Vieler)
Visionen über die Städte der Zukunft gibt es viele: Gesund, smart, umweltfreundlich, dynamisch und sehr gut vernetzt sollen sie sein. In ganz Deutschland entwickeln sich große wie kleine Städte nach und nach weiter auf dem Weg in eine möglichst nachhaltige und lebenswerte Zukunft. In Paderborn kann diese Entwicklung jetzt konkret gelebt und geplant werden. Die Stadt Paderborn hat im Jahre 2016 beschlossen, ihre wirtschaftsräumliche Entwicklung neu zu ordnen. Vor diesem Hintergrund ist ein Entwicklungsprozess in Gang gesetzt worden, der insbesondere die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) einer neuen Ausrichtung zuordnete. Mit dem Kernauftrag, den Technologie- und Innovationsstandort Paderborn durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen, arbeitet die WFG seitdem in enger Kooperation mit Wirtschaft, Wissenschaft und Politik an der Zukunftsfähigkeit des Standorts. Die Wirtschaftsstruktur der Stadt Paderborn ist stark mittelständisch geprägt, traditionelle Industrien sind überschaubar vertreten. Von den rund 70.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind mehr als 10.000 Beschäftigte in Technologieunternehmen tätig. Keimzelle dieser Entwicklungen ist das Unternehmen Nixdorf, das Paderborn beispiellos in eine digitale Zukunft geführt hat. Nixdorf hat die Grundlage für den heute starken IT-Standort Paderborn gebildet und damit auch den Grundstein für drei starke Technologieparks gelegt: die Zukunftsmeile, den Heinz-Nixdorf-Ring und den Technologiepark am Südring. Zusammengerechnet werden dort in den nächsten Jahren mehr als 6.000 Menschen in technologie- und wissenschaftsorientierten Unternehmen arbeiten. Sie alle profitieren von einem gut funktionierenden Netzwerk und der Nähe und Verbundenheit zu wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen. Insbesondere der Technologiepark am Südring profitiert von einer intelligenten Partnerschaft aus Wirtschaftsförderung und der Privatwirtschaft, was ein schnelles Agieren ermöglicht. Zum anderen ist die Standortnähe zur Universität entscheidend. Dies ermöglicht eine räumlich intensive Nähe, die von einem regelmäßigen Austausch durch eine fußläufige Erreichbarkeit gegeben ist. Die Unternehmen profitieren von dieser Nähe zu den Lehrstühlen und den Studierenden. Umgekehrt wird der Wissenschaft ein direkter Zugang zur Wirtschaft ermöglicht. Gleiches gilt für den Nachwuchs, der unmittelbar bereits während der Ausbildung mit Unternehmen zusammenarbeiten kann. Der Park gilt darüber hinaus als Keimzelle und Inkubator für Ausgründungen aus der Universität Paderborn. Aber auch hier und in den weiteren Technologieparks sind die Wachstumsreserven der Stadt Paderborn erschöpft. Restflächen befinden sich in privater Hand und können aktuell nicht aktiviert werden. Die gute Nachricht erreichte die Stadt Paderborn Ende Oktober: Die Barker Kaserne kann durch die Stadt und die Universität zu einem wichtigen Baustein der Stadtentwicklung gemacht werden. Die Bundeswehr verzichtet nach einer ausführlichen Prüfung auf die Nutzung des Geländes. Das 54 Hektar große Areal kann nun zu einem Zukunftsstandort mit einem vierten Technologiepark entwickelt werden. Bereits vor eineinhalb Jahren hat die Stadt Paderborn mit dem Schlaun-Verfahren einen Entwicklungsprozess zur zivilen Nachnutzung der Kasernenfläche angestoßen. In einem weit fortgeschrittenen und intensiven Partizipationsprozess mit der Stadtgesellschaft sind in Workshops Ideen, Visionen und konkrete Ideen diskutiert und in den weiteren Planungsprozess aufgenommen worden. In Bezug auf die wirtschaftsräumliche Entwicklung heißt dies konkret, dass in allen Lebensbereichen ein Smart-City-Ansatz im Kern steht. Es sollen Flächen für die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Einrichtungen bereitgestellt werden, die ganz konkret die Fortsetzung der garage33 ermöglichen. Hierfür wurden der Universität im Rahmen der Exzellenz Start-up-Initiative bereits Mittel von mehr als 20 Millionen Euro zugesagt. Darüber hinaus sind im Rahmen der Regionale 2020 weitere Landesmittel in Höhe von 18 Millionen Euro für die Fortentwicklung des Start-up-Inkubators zum Aufbau eines Akzelerator-Modells zugesichert worden. Die Entwicklung der ehemaligen Barker Barracks unter Berücksichtigung des Smart-City-Ansatzes wird für sehr unterschiedliche Interessengruppen von wesentlicher Bedeutung sein. Neben den Vorteilen für Unternehmen, die von der Nähe zur Universität profitieren, wird auch das lokale Handwerk seinen Vorteil wahrnehmen können, da lokale Investoren in der Lage sind, Betriebe aus Stadt und Region stärker einzubinden.Die positiven Effekte wirken in das gesamte Stadt- und Kreisgebiet durch die Ansiedlung und Entwicklung neuer Unternehmen. Bereits jetzt zeigen die Pendlerzahlen, dass Paderborn der Wirtschaftsmotor der Region ist. Diese Stärke kann jetzt ausgebaut werden und Strahlkraft in die gesamte Region generieren.
Ausgabe 03/2019