E-Mobilität: Bahn frei für Entschleunigung

E-Mobility sorgt für Wachstum und mehr Lebensqualität
(Foto: ©h368k742-stock.adobe.com)
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Elektro-Autos werden in Ostwestfalen-Lippe vor allem von Unternehmern nachgefragt. Sie setzen auf ein umweltfreundliches Image. Denn mit der neuen Elektro-Mobilität ergeben sich neue, umweltbewusstere Möglichkeiten ebenso wie neue Geschäftsfelder.

Alltagstaugliche Reichweite

Elektroautos sind der Beginn einer anderen Logik von Energie und Mobilität. In Ostwestfalen fährt der durchschnittliche Bürger ungefähr 60 Kilometer pro Tag. Einige E-Autos schaffen bereits 300 bis 400 Kilometer. Eine alltagstaugliche Reichweite also, die durch Energierückgewinnung möglich ist. Regenerativ gespeist, wird E-Mobility Bestandteil eines ressourcenschonenden Lebensstils sein. Daraus ergibt sich gleichzeitig ein lukrativer Wachstumsmarkt, an dem immer öfter Unternehmen jenseits der Automobilindustrie partizipieren. Autos werden zu Energiespeichern, „Vehice-to-Grid“ nennt sich das. Dadurch weichen sie Strukturen auf und werden interessant für Branchen, die normalerweise nichts mit dem Thema Automobil zu tun haben. Telekommunikations- und IT-Unternehmen, Software- und Content-Provider, Energieunternehmen und auf E-Mobility spezialisierte Startups.

Grüne Innovationskraft

Immer mehr Unternehmen profitieren von der grünen Innovationskraft und den Wachstumsimpulsen, die von der Elektromobilität ausgehen, denn die Automobilhersteller sind nicht zuletzt auch auf sie angewiesen. Ihr Wissen beschränkt sich im Wesentlichen auf Verbrennungsmotoren, mit Batterietechnologien mussten sie sich zuvor nie beschäftigen. Da ist ihnen die Elektronik- und Chemiebranche in der Entwicklung zwei Jahrzehnte voraus. Um Kosten zu sparen, ist es daher sinnvoll, sich das Wissen in puncto Batterietechnologie und Leichtbau einzukaufen. So kommt es, dass Daimler beispielsweise mit dem Batteriehersteller BYD kooperiert und im Leichtbau mit BASF, BMW setzt auf Samsung und SGL Carbon. Bei der Schaffung einer Ladeinfrastruktur zum Stromtanken mischen nun auch Energieunternehmen und Telekommunikationsprovider mit und entwickeln zusätzlich ihre eigenen Abrechnungsmodelle. Denn Stand Sommer 2019 ist unser Stromnetz für die massenhafte E-Mobilität nicht geeignet. Es bedarf einer erheblichen Investition in die Verteilernetze, die in Zukunft auch von anderen Anforderungen, wie z.B. Smart Grid, gefordert werden.

Umweltbewusstes Image

Eine gute Ergänzung für die Mobilität bei Null-Emission bieten Unternehmen wie Global Thermostat, Climeworks oder Carbon Engineering. Diese Pioniere gewinne Kraftstoffe aus CO2. Hierzu wird das Treibhausgas aus der Luft abgetrennt und innerhalb eines geschlossenen Kreislaufes dafür verwendet, um Strom oder hochwertige Kraftstoffe zu erzeugen. Mit einer großen Pilot-Anlage in British Columbia wurde die Praxistauglichkeit dieser Technologie bereits bewiesen. Da die Anlagen zudem im Vergleich zu großen Raffinerien sehr wenig Platz benötigen und geringere Investitionssummen verschlingen, können sie dezentralisiert gebaut und genutzt werden. Auch kann dieser Null-Emissionskraftstoff über bereits bestehende Infrastrukturen, wie Verteilerzentren und Tankstellen an den Endverbraucher vertrieben werden. Null-Emissionskraftstoffe sollten dabei weniger als Alternative, sondern mehr als Ergänzung zur E-Mobilität gesehen werden. Nicht vergessen sollte man zudem die Brennzellentechnologie. Auch diese birgt ein deutliches Entwicklungspotenzial. Ladesäulen zum Stromtanken sind natürlich auch für Unternehmen interessant, die auf ein umweltbewusstes Image setzen möchten, da kommen jetzt also auch Supermarktketten ins Spiel, Fast-Food-Restaurants oder auch Hotels, die auf ihren Parkflächen dafür Platz schaffen.

Großstädte profitieren

Auch Car-Sharing-Anbieter profitieren von der E-Mobilität. Vor allem für die Menschen in Großstädten eignen sich die leisen, umweltfreundlichen Fahrzeuge, die besonders für kurze Strecken geeignet sind. Zudem ist Carsharing die perfekte Gelegenheit, sich mal mit einem E-Auto vertraut zu machen und festzustellen, wie positiv es sich letztlich auf unser Leben auswirkt. Denn Elektroautos verändern unseren Fahrstil nachhaltig. Solange die Akkus nicht darauf ausgerichtet sind, längere Zeit schnell zu fahren, steht die Energierückgewinnung während der Fahrt im Vordergrund. Dabei wird nicht nur das Auto entschleunigt, sondern auch der Fahrer. Zeit verliert er dabei trotzdem nicht: Während des Ladevorgangs kann beispielsweise bequem am Laptop gearbeitet werden.

E-Bikes immer beliebter

Zudem sollten wir uns auch nicht davor scheuen, neue Ideen von Mobilität, insbesondere im urbanen Raum, mit den Möglichkeiten der E-Mobility zu kombinieren – laut einer Marktanalyse von Bosch könnte nämlich in acht Jahren jedes zweite verkaufte Fahrrad ein E-Bike sein. Hier ist es bis dato so, dass die Produktion des Akkus laut Umweltbundesamt zwischen 55 und 75 kg CO2-Emissionen je Kilowattstunde verursacht. Ersetzt man mit dem Rad jedoch ein Auto oder stammt der Strom gar aus erneuerbaren Energien, so sind die Emissionen schnell beglichen. Das ändert natürlich nichts daran, dass auch bei den E-Bikes eine Lösung gefunden werden muss, die Akkus recyceln zu können. Wenn ein E-Bike aber so genutzt wird, dass es tatsächlich viele Pkw-Wege ersetzt, zum Beispiel indem sich mehrere Personen ein E-Bike teilen, dann leisten auch sie einen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität.

INFO

Smart Grid

Intelligente Stromnetze (Smart-Grids) kombinieren Erzeugung, Speicherung und Verbrauch. Eine zentrale Steuerung stimmt sie optimal aufeinander ab und gleicht somit Leistungsschwankungen – insbesondere durch fluktuierende erneuerbare Energien – im Netz aus. Die Vernetzung erfolgt dabei durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie dezentral organisierter Energiemanagementsysteme zur Koordination der einzelnen Komponenten. Das bedeutet, dass in einem Smart-Grid nicht nur Energie sondern auch Daten transportiert werden, sodass Netzbetreiber in kurzen Abständen Informationen zur Energieproduktion und -verbrauch erhalten. Bisher hatten die Netzbetreiber weder Kontrolle noch Kenntnis, wann und wo eine dezentrale Erzeugungsanlage Strom ins Netz einspeist. Wird der Anteil solcher „unkoordinierten“ Erzeuger zu hoch, steigt das Risiko von instabilen Netzzuständen. Durch intelligente Vernetzung, Lastmanagement und Nachfrageflexibilisierung können somit eine effiziente Nutzung und Integration der erneuerbaren Energien sowie eine Optimierung der Netzauslastung erreicht werden. (Quelle: Umweltbundesamt)

INFO

Vehicle-to-Grid

Konzepte, die Akkus von e-Fahrzeugen als Zwischenspeicher und Puffer für das gesamte Stromnetz einsetzen, nennt man Vehicle to Grid (V2G). Bei Bedarf wird dabei Energie aus den Elektrofahrzeugflotten zurück ins Netz gespeist. Elektromobilität kann so dazu beitragen, den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix zu stärken, etwa indem Schwankungen im Speichermanagement bei den erneuerbaren Energien ausgeglichen werden können. Voraussetzung sind hierfür bidirektionale Ladegeräte, um Strom zurück speisen zu können. Auch die Wandlungsverluste bei der Transformation von Gleichstrom (Akku) in Wechselstrom (Netz) müssten zuvor minimiert werden. (Quelle: VW)
Ausgabe 03/2019