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Viel mehr als kreative Köpfe und Küchen:

Der Kreis Herford im Porträt.
(Foto: © modernmovie – stock.adobe.com)
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Es herrscht ganz offenbar ein besonders inspirierendes Klima im Kreis Herford. Betrachtet man den aktuellen Strukturbericht der Wirtschaftsförderer, fällt eine Zahl darin besonders auf: Mit 64 angemeldeten Patenten pro 100.000 Einwohner hat der Kreis eine Patentdichte, die deutlich über dem Landes- bzw. Bundesdurchschnitt liegt (NRW: 42, Bund: 56). Doch warum fällt den Herfordern so viel mehr Innovatives ein als den Menschen anderswo? Ist es die enge Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft? Oder entwickelt sich ein Erfindertalent besser, wenn es schon in sehr jungen Jahren mit einem ambitionierten Projekt konfrontiert wird? Tatsächlich begann Mitte Juni 2020 für zunächst einmal sieben Kindertagesstätten im Kreis Herford die Qualifizierung „Medienbildung in der Kita und im Übergang“. Mit anderen Worten: Hier werden Kindergärten digitalisiert. Was beim ersten Hören vielleicht irritierend wirken mag, ist ein sehr vielversprechender Ansatz, um langfristig die nächste Generation dabei zu unterstützen, echte Medienkompetenz zu entwickeln. Nahezu alle Lebensbereiche sind mittlerweile von der Mediatisierung und der Digitalisierung betroffen, so werden auch pädagogische Fachkräfte heute auf eine neue Weise gefordert. Wenn im Kreis Herford künftig praktische Medienarbeit im Kita-Alltag erprobt wird, ist das schon ein erster Schritt, die Medienbildung als festen Bestandteil in den Einrichtungen zu implementieren.

Wichtiger Schritt für den Breitbandausbau – Vertragsabschluss bewilligt

Ende dieses Jahres wird das ohnehin schon vergleichsweise gut ausgebaute Breitbandnetz im Landkreis noch erweitert. Nach Ausschreibung und Prüfung mehrerer Angebote hatte der Kreisausschuss im Juni schließlich den erheblichen Ausbau bewilligt. Genau genommen: dass der Vertrag mit einem bestimmten Unternehmen unterschrieben wird, ist beschlossen. Bevor man tatsächlich unterzeichnet, wird allerdings abgewartet, ob Bund und Land die dafür beantragten Fördergelder tatsächlich bewilligen. Hier waltet eine Umsicht, die man sich auch von unserem Verkehrsminister bei den Mautverträgen gewünscht hätte … Werden alle Gelder wie erhofft zugesagt, wird Ende des Jahres mit den Arbeiten begonnen, 6.519 Haushalte, 937 Gewerbeeinheiten und 68 Schulen bekommen zügig einen Glasfaseranschluss. Doch auch ohne die flächendeckend schnelle Anbindung ans Internet war der Landkreis schon allein aufgrund seiner glücklichen geografischen Lage immer bestens vernetzt.

Wirtschaftsstandort in bester Lage – „Widukindsland“

Die internationalen Hauptverkehrswege von Berlin/Hannover in Richtung Rhein/Ruhr und die Niederlande verlaufen durch den Kreis Herford. Dementsprechend ist die Region stark industriell geprägt. Zwischen dem Wiehengebirge im Norden, der Weser und dem Weserbergland im Osten sowie dem Teutoburger Wald im Südwesten liegt der Kreis, der im bundesweiten Vergleich besonders dicht besiedelt ist. Im Ravensburger Hügelland lässt es sich offenbar besonders gut leben. Auf neun Städte und Gemeinden verteilen sich die rund 253.000 Einwohner des Kreises. Die Städte Bünde, Enger, Herford, Löhne, Spenge und Vlotho sowie die Gemeinden Hiddenhausen, Kirchlengern und Rödinghausen treten gemeinsam auch als „Widukindskreis“ auf bzw. Wittekindskreis oder Wittekindsland. In der Stiftskirche zu Enger ruhen die Gebeine des sogenannten Sachsenherzogs bis heute. Geboren wurde er, als das Gebiet der Sachsen am Rhein an das Reich der Franken grenzte. Zwischen beiden Regionen hatte es immer blutige Grenzkriege gegeben, die verschiedenen Religionen vertieften die Feindschaft noch. Als dann 771 Frankenkönig Karl sein Reich nach Osten ausdehnen und die Sachsen endlich zum Christentum bekehren wollte, rief das Widukind auf den Plan. Der Legende nach war sein Kampfgeist dann gut 14 Jahre später gebrochen. Ende 785 war er bereit, dem Frankenkönig die Treue zu schwören und ließ sich – zusammen mit anderen Mitstreitern – taufen. Bis dahin hatte Widukind immer ein schwarzes Pferd geritten, zur Taufe schenkte ihm Karl der Große der Legende nach einen Schimmel, der seitdem als Wappentier von Westfalen gedeutet wird. Und auch im Wappen des Kreises Herford ist dieses weiße Pferd vertreten. Darüber, wo genau Widukind getauft wurde, gehen die Erzählungen auseinander – im Widukind-Museum in Enger gibt es dazu viele, einander zum Teil auch widersprechende Legenden. In einer Region, die das Wissen um die eigene Geschichte so lebendig hält, gibt es besonders viele familiengeführte Unternehmen, die schon über mehrere Generationen hinweg bestehen.

Ein guter Platz zum Arbeiten – Global Player und solider Mittelstand

Einige Weltmarktführer in ihrer Branche sind im Kreis Herford angesiedelt. Jede dritte Einbauküche in Europa stammt aus dem Kreis Herford. Hält man sich vor Augen, dass die Region eine der waldärmsten in Westfalen ist, mag es überraschen, dass sich hier die Möbelindustrie so erfolgreich etabliert hat. Doch schon in den Anfängen der Branche gereichte Herford hier wieder die gute Lage zum Vorteil: Holz besorgte man im Sauerland, der Egge oder dem Teutoburger Wald, mit dem Ruhrgebiet hatte man dann einen großen Absatzmarkt in Reichweite. Heute gibt es zwischen Spenge und Vlotho so viele Küchenhersteller wie sonst nirgendwo. Die Möbelindustrie zog Zuliefererbetriebe an, besonders aus dem Bereich Maschinenbau. Viele mittelständische Unternehmen sind hier ansässig, viele davon in Familienbesitz. Solide Unternehmen sind als Arbeitgeber begehrt. Dementsprechend positiv ist auch die aktuelle Bilanz der Wirtschaftsförderer. Mit 41,6 Prozent im Jahr 2019 lag der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im produzierenden Gewerbe deutlich über den Werten von OWL (35,4 Prozent), NRW (26,7 Prozent) und Deutschland (28,3 Prozent). Auch was den Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen angeht, hat der Kreis eine Spitzenposition. Das Durchschnittseinkommen der Menschen im Kreis Herford liegt über dem von NRW und dem bundesweiten Durchschnitt. Löhne wird die „Weltstadt der Küchen“ genannt, die allererste Einbauküche entstand aber 1968 in Herford.

Kreisstadt Herford – hier werden Männer gut angezogen

In Herford, was seit 2013 ganz offiziell den Beinamen „Hansestadt“ tragen darf, sind drei der fünf größten europäischen Herrenbekleidungsunternehmen beheimatet. Neben der Textilindustrie sind die Kunststoff- und Holzverarbeitung sowie die Nahrungsmittelproduktion wichtige Wirtschaftszweige in der Stadt. Adaptierte Säuglingsnahrung, die der Muttermilch weitgehend angeglichen ist, wurde in Herford entwickelt und später in einer Herforder Molkerei hergestellt. Bis heute wird hier Babynahrung produziert. In den 1920er-Jahren hatte sich Herford zum Zentrum der Süßwarenindustrie entwickelt, heute sind von den etwa 20 Herforder Schokoladenfabriken noch zwei übrig geblieben, eine davon ist heute der größte Hersteller von Fairtrade-Schokolade in ganz Europa, zehn Millionen Tafeln werden hier täglich produziert. Einer der über 30 deutschen Jakobswege führt mitten durch die Stadt. Nachdem sich derzeit andeutet, dass Urlaub in Deutschland coronabedingt noch länger die beste Option sein wird, dürfte sich das auch beim Tourismus in der Region auswirken.

Wandern und Fahrrad fahren im Einklang mit der Natur

Rödinghausen am Wiehengebirge ist ein Luftkurort, Vlotho ebenfalls und in der Stadt Spenge lädt das Erholungsgebiet Hücker-Moor zum Wandern und Radfahren ein. Auch die Ausläufer des Wiehengebirges oder die Else- und Werreauen locken mit Ruhe und Abgeschiedenheit; vorgezeichnete Wege wie die Radkulturoute Rödinghausen führen an den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde vorbei. Die Bauernbad-Radelroute oder die Tabak-Radelroute versprechen viel Abwechslung neben der Strecke. Auf den Spuren des Sachsenherzogs Widukind kann man wandeln und dabei immer wieder seltene Vogelarten beobachten. Zum Wandern ist der Hansaweg ideal, am Ende hat man vom 22 Meter hohen Bismarckturm am Stuckenberg einen schönen Blick über den Kreis. Ganze vier Golfplätze gibt es, mehrere attraktive Frei- und Hallenbäder und ein großes Erlebnisbad in Herford. Wenn alljährlich der „Große Herforder Springpreis“ ausgetragen wird, treffen sich Weltmeister und Olympiasieger im Reiten hier, mehrere Bauernhof-Pensionen in der Region bieten Ponyreiten für ihre kleinen Gäste an. Familienurlaub im eigenen Land – der Kreis Herford ist da eine gute Adresse. Wie alle Regionen, in denen man jetzt noch Urlaub machen kann, hat Herford touristisch von der Pandemie profitiert. Auf der anderen Seite – und das liegt an der Struktur der hiesigen Wirtschaft – wurde der Kreis von den Beschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie nicht so heftig getroffen wie manch andere Gebiete in Deutschland.

Trotz Corona optimistisch und zufrieden

Was sich im aktuellen Strukturbericht der Wirtschaftsförderer um Michael Seggewiß schon andeutete, wird durch die herbstliche Konjunktur-Umfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen bestätigt. IHK-Vizepräsident Dr. Klaus Bockermann äußerte sich gegenüber Radio Herford durchaus positiv zur aktuellen Konjunktur-Umfrage im Herbst 2020: „Wir sehen im Kreis Herford etwas bessere Zahlen als in OWL und in Deutschland insgesamt. Das liegt an unserer starken Industriestruktur; wir haben 40 Prozent der Beschäftigten im Bereich der Industrie, die sich in dieser Krise etwas robuster gezeigt hat als Handel und Dienstleister.“ Sollte es noch einmal zu einem Lockdown kommen, muss man sich um den Kreis Herford also weniger Gedanken machen. Im Gegenteil: Wahrscheinlich nutzen die hier lebenden Menschen so eine Zwangspause dazu, neue Dinge zu erfinden, und stellen in Bezug auf Patent-Anmeldungen noch ganz neue Rekorde auf. Daniela Prüter | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 04/2020