Herausforderung Energiekrise

Intelligente Gebäudetechnik jetzt gefragter denn je.

(©  Hurca! – stock.adobe.com)
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Wenn die Branche der Haus- und Gebäudetechnik gerade Mitte Juni 2022 eine äußerst positive Bilanz für das Jahr 2021 ziehen konnte, dann ist da doch immer noch viel Luft nach oben. Trotz Corona-Pandemie mit all ihren negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft konnte dieser Bereich sich um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Mit 66,4 Milliarden Euro Umsatz allein in Deutschland fielen gut 18,7 Prozent der gesamten Bauinvestitionen im Hochbau auf die Haus- und Gebäudetechnik. Schon vor dem Ukraine-Krieg war die Nachfrage nach energetischer Sanierung und komplexer Technik in der Immobilie groß, durch die gerade beginnende Energiekrise wird sich das noch steigern. Hält man sich vor Augen, dass die insgesamt 21 Millionen Gebäude in Deutschland rund 35 Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs ausmachen, wird deutlich, welche zentrale Rolle der Branche gerade im Hinblick auf die von der Bundesregierung gesetzten Energieeffizienzziele zukommt. Bis 2020 sollte der Wärmebedarf von Gebäuden um 20 Prozent gesenkt werden, bis zum Jahr 2050 sollen alle Gebäude unseres Landes nahezu klimaneutral sein. Das betrifft natürlich in erster Linie Neubauten. Hier geht es vor allem um die Frage, wie Energieversorgung und Antriebsmöglichkeiten der Zukunft aussehen könnten. Technologien rund um Wasserstoff, Brennstoffzellen, Batterien, Wärmepumpen, Solarthermie, Photovoltaikanlagen und moderne Mini-Blockheizkraftwerke stehen im Fokus. BIM-Modelle machen transparent, welche Stoffe an welchen Stellen im Gebäude verbaut wurden, und dienen damit als digitales Gedächtnis der nachhaltigen Immobilie der Zukunft.

Lösungsansätze:
TGA-Module und durchdachte Materialkreislaufplanung

Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und optimales Recycling stehen nebeneinander, wenn es um zeitgemäße Bauweise geht. Insbesondere TGA-Module kommen immer häufiger zum Einsatz. Im Gegensatz zur klassischen Bauweise haben sie viele Vorteile: Einfach und schnell auf die Baustelle transportiert, sind sie innerhalb von weniger als einer halben Stunde montiert und eingebaut. Weil sie im Werk gefertigt werden, keine kleinteiligen Arbeiten vor Ort mehr notwendig sind, ist man unabhängiger von Witterungsbedingungen auf der Baustelle. Die kostbare Arbeitszeit von Fachkräften findet allein in der Fabrik statt, hier wird millimetergenau produziert und sämtliche Daten werden sofort in die BIM-Modelle eingepflegt. Damit ist gleichzeitig sichergestellt, dass der Lebenszyklus der TGA-Module nicht nach dem Einsatz in einem Gebäude endet. Mittlerweile gibt es sogar die Möglichkeit, diese Module zu leasen. Nach Ablauf der Nutzung wandern sie entweder in die nächste Immobilie oder dienen als Rohstofflager für die Einzelteile.

Grünfassaden für Klima und Energieeffizienz

Immer mehr Vorzeigeprojekte unterstreichen die Bedeutung von Gebäudehüllen, die explizit nach den Prinzipien der Materialkreislaufplanung konzipiert sind. Der Energieverbrauch wird auf ein Minimum reduziert, teilweise lässt sich sogar Energie erzeugen und gleichzeitig trägt man den hohen Anforderungen an Schallschutz und Wärmedämmung Rechnung. Nachhaltige Dämmstoffe mit einer thermischen Hülle von nur 90 Millimetern erzielen bereits ganz ausgezeichnete Wärme- und Schalldämmwerte. Bei den bewachsenen Fassaden kommen Substrate zum Einsatz, die direkt an der Fassade fixiert sind, und mit einem speziellen, nicht brennbaren Vlies gebunden werden. Ein System aus Zisternen auf dem Gebäudedach sichert die Bewässerung durch den Regen. Solche Projekte gelten heute noch als zukunftsweisend, bald werden sie aber ganz normal sein. Neben dem Erreichen der vorgeschriebenen Klimaziele hat der Ukraine-Krieg beim Thema „Energieversorgung“ für eine besondere Brisanz gesorgt. Wie sich ein höheres Maß an Unabhängigkeit von Russland erreichen lässt, ist eine wichtige Frage geworden.

Aktuelle ISOE-Studie zur Machbarkeit der Wärmewende

Rund fünf Millionen Wärmepumpen sollen deutschlandweit bis 2030 installiert werden, um damit weniger abhängig von fossilen Energieimporten zu sein und die Klimaziele zu erreichen. Das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) hat jetzt untersucht, was die Umrüstung hemmt und wie bestehende Hindernisse sich überwinden lassen. Fest steht: Gerade als Teil von Trigenerationssystemen, die Wärme-, Kälte- und Stromerzeugung miteinander kombinieren, verbessern Wärmepumpen die Ökobilanz in signifikanter Weise. Gleichzeitig werden die Strom- und Heizkosten deutlich gesenkt, insbesondere wenn ein Großteil des Betriebs der Systeme vor Ort durch eine Photovoltaikanlage gewonnen wird. Die innovativen Wärmepumpensysteme kommen ohne synthetische Kältemittel aus und nutzen stattdessen natürliche Kühlmittel wie Propan oder CO2, was sie im Betrieb besonders umwelt- und klimafreundlich macht. Im Dialog mit Architekten, Investoren, Installateuren und Eigentümern von Immobilien in vier europäischen Ländern fahndete das ISOE nach Hemmnissen. Ergebnis: Die größte Herausforderung für den Einbau von Wärmepumpensystemen liegt immer noch im Gebäudebestand. Betrachtet man allerdings die Pläne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, wonach ab 2025 jede neu eingebaute Heizung auf der Basis von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien betrieben werden muss, gibt es bei Neubauten keine Alternative. Für die Nachrüstung bestehender Immobilien fordern die ISOE-Experten, dass die Wärmepumpensysteme stärker standardisiert und damit leichter installierbar werden.
Daniela Prüter | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 02/2022