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Mit starken Wurzeln über den großen Teich gewachsen!

IT-Technik made in OWL begeistert die Amerikaner.

Karsten Koethemann (Mitte) ist CEO der .net IT Systemhaus GmbH mit Sitz in Rietberg
Karsten Koethemann (Mitte) ist CEO der .net IT Systemhaus GmbH mit Sitz in Rietberg
Als die USA in den letzten zwei Jahren pandemiebedingt immer wieder für Europäer unerreichbar waren, konnte Karsten Koethemann sich mit einer Sondergenehmigung trotzdem zwischen den Kontinenten hin und her bewegen. Die von ihm gegründete .net IT Systemhaus GmbH betreut nämlich strukturrelevante Kunden in den Staaten, deswegen hatte er eine Ausnahme-Erlaubnis zum Reisen. Auch jetzt zum Interview am Telefon genießt der Geschäftsführer gerade die kalifornische Sonne bei 25 Grad Celsius.

OWLM: Ihre Unternehmens-Standorte befinden sich in Rietberg, Bielefeld und Miami. Das ist wohl eine sehr ungewöhnliche Kombination … Wie kam es zu dieser Expansion?

Karsten Koethemann: Kunden von uns hatten dorthin expandiert und wir beschlossen, ihnen zu folgen. Viele Unternehmen scheuen den Weg in die USA, denn er ist steinig. Jeder Staat hat sein eigenes Steuersystem, jedes Land eigene Rechte, das ist nicht einfach. Wir haben aber durch Zufall einen großen Steuerberater kennengelernt, der hier und dort zuständig ist und uns jetzt unterstützt. Im Nachhinein war das eine weitreichende Entscheidung, die sich in ganz vielen Aspekten ausgesprochen positiv ausgewirkt hat. Mittlerweile sind wir in fünf Bundesstaaten vertreten, neben Miami ist das Wisconsin, Kalifornien, Tennessee und Kentucky. Am Aufbau eines weiteren Standortes arbeiten wir gerade. Auch deswegen bin ich momentan hier.

OWLM: Inwieweit werden denn die Firmengeschicke vor Ort in OWL vom amerikanischen Engagement beflügelt?

Karsten Koethemann: Da gibt es viele Berührungspunkte. Aktuell sind wir mit einem großen Industrieunternehmen aus der Region im Gespräch, der gerade in die USA gehen will. Natürlich ist es ein immenser Vorteil, wenn sie unsere standardisierten Angebote nahtlos auch drüben nutzen können. Unsere mittelständischen Kunden aus OWL profitieren davon, dass wir z.B. sehr eng mit Microsoft zusammenarbeiten. Wenn es Probleme gibt, neue Entwicklungen, dann sind wir oft früher informiert als unsere Mitbewerber. Und natürlich ist es ein Unterschied, ob man fünf oder 300 virtuelle Server betreut. Das Skill-Level unserer Mitarbeiter ist ein ganz anderes. Von diesem Know-how aus der Arbeit mit den Großkunden und dem amerikanischen Markt haben alle unsere Kunden Vorteile.

OWLM: Das bedeutet, die kleineren Kunden gehen nicht etwa unter, sondern haben im Gegenteil ein besonders gutes Angebot in puncto Service?

Karsten Koethemann: Ganz genau! Unser Servicedesk ist ja auf die Großkunden eingestellt und bietet somit eine Erreichbarkeit, die kleinere Häuser gar nicht leisten könnten. Gleichzeitig arbeiten wir mit dem „Last Agent Routing“. Dabei wird automatisch von unserer EDV allein anhand der Rufnummer der richtige Betreuungs-Agent zugewiesen. Im Idealfall ist das immer derselbe Mitarbeiter, der die Hintergründe und das IT-Problemumfeld dieses Kunden schon genau kennt. Pro Kunden gibt es immer einen Ansprechpartner, der sein zentraler Problem-Löser ist.

OWLM: Wie in vielen anderen Branchen ist ja auch im Bereich der IT der Fachkräftemangel ein großes Problem. Hilft Ihnen hier vielleicht auch die Verbindung zu den USA, weil sie damit als Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb noch attraktiver werden?

Karsten Koethemann: Bestimmt spielt das eine Rolle. Wir tauschen immer mal Kollegen hin und her aus und arbeiten eng mit den amerikanischen Teams zusammen. Wir haben Englisch hier als Zentralsprache. Bewerber müssen nicht mit perfekten Englischkenntnissen kommen, wachsen aber im Laufe der Ausbildung in dieses internationale Umfeld hinein. Das ist natürlich für ihren späteren Werdegang sehr hilfreich. Bei uns lernt man Infrastrukturen von 1.000 Arbeitsplätzen und mehr kennen. Dabei haben wir eine absolut flache Hierarchie, hier bildet der Chef noch selber aus.

OWLM: Sie arbeiten ganz bewusst mit Partnern aus der Region zusammen. Ist das Teil Ihres Erfolgsrezeptes, sozusagen der Dünger für das gesunde Wachstum Ihres Unternehmens in den letzten Jahren?

Karsten Koethemann: Da gibt es verschiedene wichtige Facetten. Zum einen arbeiten wir mit verschiedenen Bildungsträgern aus der Region zusammen, sind auch schon mehrfach zum Top-Arbeitgeber von Focus und der Bewertungsplattform Kununu gekürt worden, zum anderen setzen wir auf starke Partner. Wenn wir Projekte nicht übernehmen können, weil wir ausgelastet sind, steht uns u.a. auch die Kompetenz von OEDIV zur Verfügung. Diese 100-prozentige Tochtergesellschaft der Dr. August Oetker KG betreibt zwei große Rechenzentren und hat über 25 Jahre Erfahrung im Bereich des IT-Hostings. Gerade beim typischen Cloud-Computing war es uns wichtig, die Daten hier auf einem Server in Bielefeld platzieren zu können. Wir pflegen das Motto: Aus der Region für die Region. Entsprechend möchten wir auch unsere Leistungen aus Ressourcen der Region verstärkt bedienen, arbeiten auch immer enger mit der Synaxon AG in Schloss Holte-Stukenbrock zusammen. Durch das Partnernetzwerk können wir dann unsere Dienste auch nach Österreich oder in die Schweiz weitervermitteln.

OWLM: Wie erleben Sie als Deutscher mit Ihrer ganzen bodenständigen Denkweise die amerikanische Arbeitswelt?

Karsten Koethemann: Es ist auf jeden Fall ein Vorteil, wenn man deutsche Gründlichkeit beibehält. Und auch was die technische Ausstattung angeht, habe ich gestaunt. Als ich das erste Mal in die USA kam, war ich erschrocken, was dort zum Teil noch als Standard definiert wird. Während bei uns längst die Cat 7-Verkabelung normal war, gab es dort noch in vielen Bereichen Cat 5e. Letzteres eignet sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.000 Mbit pro Sekunde zwar durchaus für Gigabit-Netzwerke, beim Cat 7-Kabel dagegen werden die Daten mit einem Durchsatztempo von bis 10.000 Mbit pro Sekunde weitergeleitet. Da kann man 10-Gigabit-Netzwerke dranhängen. Was die Hardware angeht, war es daher unserem Kunden so wichtig, dass wir mitgehen, wenn er dorthin expandiert. Dann erlebe ich auch immer wieder, dass eine … sagen wir mal „etwas großzügige Arbeitshaltung“ vorherrscht. 90 Prozent der Arbeit wird perfekt erledigt, aber auf den letzten Metern kommt dann eine gewisse Nachlässigkeit ins Spiel. Hier setzen wir in unseren Dependancen neue Standards. Mitgenommen nach Ostwestfalen haben wir aber tatsächlich verschiedene Anregungen, wie man sie aus den Firmen im Silicon Valley kennt. Die Work-Life-Balance unserer Mitarbeiter hat sich noch mal verbessert, weil wir gute Anregungen für die Gestaltung der Arbeitsplätze auch bei uns übernommen haben. OWLM: Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg in den USA! Daniela Prüter | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 01/2022

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