Seit dem 1. November steht Ina Laukötter an der Spitze des Kreises Gütersloh. Laukötter, die in Herzebrock-Clarholz aufwuchs und seit vielen Jahren in Gütersloh lebt, bringt langjährige Erfahrung aus der Wirtschaft mit – unter anderem aus ihrer Tätigkeit beim Familienunternehmen Miele. Im Gespräch spricht die neue Landrätin über wirtschaftliche Chancen, Zukunftsthemen und darüber, was ihr persönlich am Kreis Gütersloh besonders wichtig ist.
Amtsantritt und Führungsansatz
Ostwestfalen-Lippe Manager: Frau Laukötter, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Amtsantritt! Welche Themen möchten Sie in den ersten Monaten besonders anpacken, um den Kreis Gütersloh gut in die Zukunft zu führen?
Ina Laukötter: Ich sehe meine Aufgabe als Marathon, nicht als Sprint. Von wenigen Monaten zu sprechen, wäre daher vermessen. Für mich stehen drei Themen im Mittelpunkt: eine starke Wirtschaft mit sicheren Arbeitsplätzen, Bildung und Chancengerechtigkeit sowie Sicherheit und Ordnung.
Die Wirtschaft stärken wir, indem wir verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und gezielt unterstützen – etwa durch unsere hervorragend aufgestellte Wirtschaftsförderung. Bildung ist der Schlüssel zu Teilhabe und beruflichem Erfolg. Gerade mit den Berufskollegs in unserer Trägerschaft haben wir hier einen wichtigen Hebel. Sicherheit und Ordnung verstehe ich bewusst weit: Dazu gehören neben der Polizei auch der Rettungsdienst, der zu den besten in Deutschland zählt. Damit das so bleibt und auch die Feuerwehr optimale Bedingungen vorfindet, haben wir gerade den Spatenstich für das neue Feuerwehr- und Rettungsdienstzentrum gesetzt.
OWLM: Sie kommen aus der Wirtschaft und haben viele Jahre bei Miele gearbeitet. Wie hilft Ihnen diese Erfahrung nun in Ihrer Rolle als Landrätin?
Ina Laukötter: Meine Zeit in der Wirtschaft hat mir ein gutes Verständnis für die Perspektive der Unternehmen vermittelt. Ich kenne ihre Bedarfe und Herausforderungen aus eigener Erfahrung. Zudem habe ich gelernt, Teams zu führen, pragmatische Lösungen zu entwickeln und Dinge kontinuierlich zu verbessern. Diese Haltung prägt auch meine Arbeit als Landrätin. Sie erleichtert den Dialog mit Unternehmen und hilft, praxisnahe Lösungen zu entwickeln.
OWLM: Der Kreis Gütersloh steht wirtschaftlich stark da. Was bedeutet für Sie moderne Verwaltung, die zugleich wirtschaftsnah und bürgerfreundlich ist?
Ina Laukötter: Die wirtschaftliche Stärke unseres Kreises ist eine hervorragende Ausgangslage: Sie schafft Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und damit Wohlstand – und eröffnet Gestaltungsspielräume. Doch sie ist kein Selbstläufer. Wir müssen die Rahmenbedingungen kontinuierlich überprüfen und anpassen, etwa bei digitaler Infrastruktur, Energieversorgung oder der Ausweisung von Gewerbeflächen.
Moderne Verwaltung bedeutet für mich: offen, lösungsorientiert und effizient. Dazu gehört eine konsequente Digitalisierung – für Unternehmen ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. Mein Anspruch ist, dass Verwaltung nicht als Hürde wahrgenommen wird, sondern als verlässlicher Partner.
OWLM: Welche Werte und Grundsätze leiten Sie persönlich in Ihrer neuen Verantwortung?
Ina Laukötter: Ich habe in meinem Wahlkampf das Motto für mich definiert „Nah, klar – Ina“. Politik kann meiner Meinung nur dann Vertrauen gewinnen, wenn sie nah bei den Menschen ist. Deshalb stehen für mich an oberster Stelle unsere Bürgerinnen und Bürger des Kreises Gütersloh. Sie stehen im Zentrum unseres Handelns, denn Verwaltung ist kein Selbstzweck sondern für die Bevölkerung da. Für ihre Anliegen, Sorgen und Ideen habe ich ein offenes Ort und möchte nah an den Menschen sein. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass ich nah an den Mitarbeitenden bin. Mit ist ein offener und von Respekt und Wertschätzung geprägter Umgang miteinander sehr wichtig. Motivation, Vertrauen und Verlässlichkeit sind die Grundlage für eine leistungsfähige und moderne Verwaltung.
Wirtschaft, Arbeit und Standortentwicklung
OWLM: Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Region. Wie möchten Sie kleine und mittlere Unternehmen bei den aktuellen Herausforderungen unterstützen – etwa bei Digitalisierung, Energiepreisen oder Fachkräftemangel?
Ina Laukötter: Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen – von Digitalisierung und hohen Energiepreisen über eine schwächere Konjunktur bis hin zum Fachkräftemangel. Ich sehe darin aber auch Chancen: Wer sich frühzeitig mit Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz oder erneuerbaren Energien auseinandersetzt, kann langfristig erfolgreich bleiben.
Mit der pro Wirtschaft GT verfügt der Kreis über eine starke Partnerin, die Unternehmen bereits heute breit unterstützt – etwa durch Beratung zum Energiemanagement, Best-Practice-Beispiele zur Digitalisierung, Innovationsnetzwerke oder den Zugang zu Hochschulen und Forschung. Gemeinsam werden wir prüfen, wie wir diese Angebote weiterentwickeln können. Mit der Vision „Wirtschaftsstandort Kreis Gütersloh 2035“ liegt zudem ein klares Zielbild vor. Daran werden wir in den kommenden Jahren im engen Schulterschluss von Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden, Bildung und Forschung arbeiten, um unseren Kreis als attraktiven und wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort zu sichern.
OWLM: Welche wirtschaftspolitischen Schwerpunkte setzen Sie, um den Standort Gütersloh langfristig zu stärken und weiterzuentwickeln?
Ina Laukötter: Der Kreis Gütersloh ist ein attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten – und ich bin überzeugt, dass das auch künftig so bleibt. Dafür müssen wir die Rahmenbedingungen aktiv gestalten: durch beschleunigte und digitalisierte Genehmigungsverfahren, die Bereitstellung von Gewerbeflächen, Investitionen in eine leistungsfähige Infrastruktur sowie eine bedarfsgerechte Aus- und Weiterbildung von Fachkräften.
Der Campus der Hochschule Bielefeld in Gütersloh und unsere Berufskollegs spielen dabei eine zentrale Rolle. Darüber hinaus setzen wir auf Innovation und nachhaltige Entwicklung. Digitalisierung ist für uns ein Querschnittsthema – in der Verwaltung ebenso wie als Treiber der Wettbewerbsfähigkeit. Fachkräfte gewinnen wir nicht allein über Arbeitsplätze, sondern auch über Lebensqualität und Familienfreundlichkeit. Ein besonderer Vorteil unserer Region sind zudem die starken Netzwerke und die ausgeprägte Kooperationsbereitschaft. Dieses Pfund wollen wir weiter ausbauen.
OWLM: Viele junge Menschen zieht es nach Ausbildung oder Studium in größere Städte. Wie möchten Sie dafür sorgen, dass sie den Kreis als attraktiven Lebens- und Arbeitsort wahrnehmen?
Ina Laukötter: Der Kreis Gütersloh bietet eine hohe Lebensqualität. Die Verbindung aus wirtschaftlicher Stärke, guter Infrastruktur, naturnaher Umgebung und lebendigen Städten macht unsere Region zu einem attraktiven Lebensmittelpunkt. Über das Standortmarketing der pro Wirtschaft GT – auch mit der aktuellen Kampagne – machen wir diese Stärken bereits gezielt sichtbar, insbesondere für Studierende und externe Fachkräfte. Wir sollten dabei selbstbewusster auftreten: Es ist hier nicht „ganz okay“, sondern „richtig gut“. In meiner Amtszeit werde ich den Kreis Gütersloh aktiv als Lebens- und Arbeitsort bewerben und auch Verwaltung, Wirtschaft und weitere Partner dazu ermutigen. Junge Menschen finden hier nicht nur Lebensqualität, sondern auch spannende Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten.
OWLM: Verwaltung, Wirtschaft und Bildung sind drei starke Partner. Wie können diese Bereiche aus Ihrer Sicht künftig noch enger zusammenarbeiten?
Ina Laukötter: Verwaltung, Wirtschaft und Bildung arbeiten im Kreis Gütersloh bereits eng zusammen. Es gibt zahlreiche bewährte Netzwerke und Austauschformate. Allerdings sind diese Strukturen nicht immer allen bekannt. Deshalb ist es wichtig, bestehende Netzwerke zu stärken und sichtbarer zu machen.
Ein gutes Beispiel sind unsere Berufskollegs, in denen diese Zusammenarbeit selbstverständlich gelebt wird. Auch die Bildungsregion Kreis Gütersloh zeigt, wie Kooperation erfolgreich funktionieren kann. Dazu gehört eine zeitgemäße Ausstattung unserer Schulen, um den Anforderungen eines sich wandelnden Arbeitsmarktes und der fortschreitenden Digitalisierung gerecht zu werden. Hier wird in den kommenden Jahren noch einiges zu tun sein.
OWLM: Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Wachstum – das wird oft als Gegensatz gesehen. Wie kann beides im Kreis Gütersloh gemeinsam gelingen?
Ina Laukötter: Unsere Unternehmen stehen vor einer umfassenden Transformation: mehr Effizienz, geringerer Ressourcenverbrauch und teilweise neue Geschäftsmodelle. Das ist unumgänglich.
Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg sind dabei kein Gegensatz – im Gegenteil. Nachhaltige Maßnahmen können zum Wettbewerbsvorteil werden. Fachkräfte werden knapper, fossile Ressourcen teurer und die Folgen des Klimawandels sind bereits spürbar. Nachhaltiges Wirtschaften wird daher zu einem strategischen Faktor.
Wer fossilfreie Materialien einsetzt, erschließt neue Märkte. Wer Energiemanagement betreibt, senkt Kosten. Und wer kreislauffähige Geschäftsmodelle entwickelt, schafft zusätzliche Erlösquellen. Das stärkt sowohl die Nachhaltigkeit als auch den wirtschaftlichen Erfolg.
Zukunft, Innovation und Infrastruktur
OWLM: Digitalisierung ist für viele Unternehmen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Welche Schritte möchten Sie unternehmen, um den Kreis auch digital weiter voranzubringen?
Ina Laukötter: Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Hebel, um Verwaltungsleistungen effizienter, bürgernäher und zukunftsfähig zu gestalten – gerade vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und steigender Komplexität. KI kann jedoch nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn die digitalen Grundlagen stimmen.
Deshalb treiben wir die Digitalisierung konsequent voran, insbesondere den Abschluss des Roll-outs der E-Akte und die digitale Bereitstellung möglichst vieler Verwaltungsleistungen. Ab März 2026 entwickeln wir gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves von der Universität Bremen eine KI-Strategie, die auch die Weiterentwicklung unserer Digitalstrategie umfasst.
Eine Dienstanweisung zur KI-Nutzung ist bereits umgesetzt, erste Projekte starten. Gleichzeitig arbeiten wir regional eng zusammen – etwa über das DigitalBüro OWL –, um Erfahrungen zu bündeln, Standards zu entwickeln und gemeinsame Lösungen zu nutzen.
OWLM: Infrastruktur ist die Basis wirtschaftlicher Stärke. Welche Projekte im Bereich Mobilität, Verkehr oder Breitbandausbau stehen auf Ihrer Agenda?
Ina Laukötter: In jüngerer Zeit sind mehrere innovative Mobilitätsprojekte gestartet, etwa das Linien-E-Carsharing in Borgholzhausen oder die Schnellbuslinie S 18 zwischen Verl und Bielefeld. Werden diese Angebote gut angenommen, prüfen wir weitere Einsatzmöglichkeiten.
Darüber hinaus bauen wir das Alltagsradwegenetz aus und erneuern die Kreisstraßen nach Zustand und Priorität. In einem Flächenkreis müssen wir alle Verkehrsarten im Blick behalten: den ÖPNV und den Radverkehr ebenso wie den Auszubildenden, der mit dem Auto zum Berufskolleg fährt, oder die Logistikunternehmen, die täglich auf leistungsfähige Straßen angewiesen sind.
OWLM: Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Automatisierung verändern Arbeitsprozesse. Wie kann der Kreis Gütersloh diese Entwicklungen aktiv nutzen?
Ina Laukötter: Künstliche Intelligenz und Automatisierung sind wichtige Instrumente, um Prozesse effizienter zu gestalten – in der Verwaltung wie in den Unternehmen. Angesichts des Fachkräftemangels ist das unverzichtbar. Wir setzen auf digitale Lösungen und unterstützen Unternehmen dabei, neue Technologien sinnvoll einzusetzen, um Beschäftigte zu entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
OWLM: Die Energiefrage betrifft Bürgerinnen, Unternehmen und Verwaltung gleichermaßen. Welche Rolle sehen Sie für den Kreis in der regionalen Energiewende?
Ina Laukötter: Der Kreis nimmt neben seiner Planungs- und Genehmigungsfunktion weitere wichtige Rollen ein, insbesondere gegenüber den Städten und Gemeinden. Wir verstehen uns als Dienstleister, Koordinator sowie als Berater und Unterstützer. Das zeigt sich in vielen Bereichen – etwa im Recycling über den Wertstoffhof der Ecowest oder mit ‚AltBauNeu‘, der Beratungsinitiative zur Gebäudesanierung und zu erneuerbaren Energien im Kreis Gütersloh.
OWLM: Wenn Sie zehn Jahre nach vorn blicken – wo sehen Sie den Kreis Gütersloh im Jahr 2035 wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich?
Ina Laukötter: Zehn Jahre sind in unsicheren Zeiten ein langer Zeitraum. Mein Ziel ist, dass der Kreis Gütersloh auch 2035 ein starker Industriestandort bleibt – mit Wohlstand und Beschäftigung auf heutigem Niveau. Gleichzeitig wollen wir die Chancen der Transformation nutzen: durch mehr Digitalisierung, nachhaltige Geschäftsmodelle und eine offene, vernetzte Gesellschaft.
Regionale Stärke und Lebensqualität
OWLM: Der Kreis Gütersloh hat eine starke Identität – viele Menschen fühlen sich hier fest verwurzelt. Wie wichtig ist dieses Gemeinschaftsgefühl für die Zukunft der Region?
Ina Laukötter: Das starke Gemeinschaftsgefühl im Kreis Gütersloh ist ein großer Pluspunkt. Unsere ausgeprägte Macher- und Lösungsmentalität hat uns bereits durch viele Krisen getragen. Diese Verwurzelung schafft Vertrauen und Zusammenhalt – und genau das brauchen wir, um die kommenden Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.
Persönliche Einblicke
OWLM: Was hat Sie persönlich dazu bewegt, von der Wirtschaft in die Politik zu wechseln – und sich der großen Aufgabe als Landrätin zu stellen?
Ina Laukötter: Ich war in den vergangenen elf Jahren bereits kommunalpolitisch sehr engagiert, unter anderem als Mitglied im Stadtrat der Stadt Gütersloh sowie als Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Gütersloh-Rietberg-Versmold. In der Zeit habe ich umfassende Gremienerfahrung sammeln dürfen. Nach 26 Jahren Tätigkeit in der freien Wirtschaft kam dann die (einmalige) Chance, sich um das Amt der Landrätin zu bewerben und die neuen Herausforderungen gepaart mit einer ganz neuen Verantwortung haben mich absolut gereizt, beruflich noch einmal neu anzufangen. Ich habe einmal das Zitat „Great things never came from comfort zones“ gelesen und kann das nur bestätigen.
OWLM: Ihr neues Amt ist sehr zeitintensiv. Wie gelingt es Ihnen, Arbeit, Familie und persönliche Erholung miteinander zu vereinbaren?
Ina Laukötter: Landrätin ist man in der Tat 24/7 und mir war bewusst, dass das eine sehr zeitintensive Position ist. Letztlich ist das auch eine Frage der effizienten Organisation: gute Kalenderplanung, konsequentes Zeitmanagement und ein Team, das wunderbar unterstützt. Zum Glück trifft alles auf mich zu, so dass ich es schaffe, Zeit für meine persönliche Erholung bzw. Zeit für die Familie trotz der hohen Termindichte einzuplanen.
OWLM: Wenn Sie den Kreis Gütersloh mit drei Worten beschreiben sollten – welche wären das, und warum?
Ina Laukötter: Starke Wirtschaft, starkes Ehrenamt und tolle Menschen.
OWLM: Frau Laukötter, vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg, Tatkraft und Freude bei Ihrer neuen Aufgabe als Landrätin – und alles Gute für die kommenden Jahre im Dienst des Kreises Gütersloh.
Kreis Gütersloh, Dezember 2025
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