ZUNKUNFT DES MITTELSTANDS: Deutscher Mittelstand hinkt hinterher

Trotz teilweise noch guter Ertragslage halten viele Mittelständler in NRW international nicht Schritt und müssten dringend handeln, findet Thorsten Stark, Managementberater und Geschäftsführer von starkpartners.
REGIO MANAGER: Herr Stark, wie nehmen Sie die Lage im NRW-Mittelstand wahr?

Thorsten Stark: Wir bemerken, dass im Mittelstand Unruhe aufkommt – auch bei Unternehmen, die seit vielen Jahren sehr erfolgreich aktiv waren. Stichworte sind: Brexit, die US-Politik und damit zusammenhängende Handelsverschärfungen, China, Iran. In dieser Situation sprechen uns Unternehmer an, die bis vor Kurzem noch der Meinung waren, das bis zum Lebensende fortführen zu können. Auf einmal kommt das Thema Nachfolge oder sogar Liquidation auf, zumindest aber Neupositionierung oder Restrukturierung.

REGIO MANAGER: Sind Mittelständler auf der Höhe der Zeit?

Thorsten Stark: Pauschal kann man das nicht beantworten. Wir registrieren aber eine deutliche Zunahme von Anfragen durch noch aktive geschäftsführende Gesellschafter, welche weit jenseits der Renteneintrittsgrenze über eine negative Geschäftsentwicklung sprechen.

REGIO MANAGER: Woran liegt‘s?

Thorsten Stark: Die Probleme vor allem bei Unternehmen in der Größenordnung zwischen 80 und 150 Mitarbeitern und zwischen 20 und 40 Millionen Euro Umsatz sind häufig hausgemacht. Sie haben sich dann nicht frühzeitig um Industrie 4.0 oder Digitalisierung gekümmert. Es wurde nicht oder zu spät in neue Mitarbeiter investiert. Mittelständler haben vielfach die Produkte und Dienstleistungen, die lange gut funktioniert haben, nicht aktualisiert. Die Innovationen fehlen. Ein Unternehmen, das etwas Zubehör für die Stahlindustrie verkauft, die vor 15 Jahren entwickelt wurden, wird von Marktbegleitern – nicht zuletzt aus dem Ausland – überholt, die modernere Technologien und Werkstoffe einsetzen.

REGIO MANAGER: Ist dieses klassische Old-Economy-Problem besonders typisch für NRW?

Thorsten Stark: Es ist eher ein deutsches Problem. In NRW haben wir natürlich noch sehr viel Old Economy, aber wir sehen das vielfach bei Kunden in Hamburg, Baden-Württemberg und im Osten genauso.

REGIO MANAGER: Wo im Ausland macht man’s besser?

Thorsten Stark: Ganz ehrlich: überall. In Asien z.B. ist der Innovationszyklus deutlich höher. Es werden viel mehr finanzielle und persönliche Ressourcen in Innovation gesteckt – auch wenn’s mal schiefgeht. Die Bereitschaft, auch mal mit einer Innovation zu scheitern, ist deutlich größer als hier.

REGIO MANAGER: Wie gut schaffen es die Mittelständler, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten?

Thorsten Stark: Nicht gut; Fachkräftemangel herrscht inzwischen in allen Branchen. Skandinavien zeigt, wie es besser geht: Wenn man im Ausland rekrutiert, muss man Leute holen, die auch wirklich gut ausgebildet sind. Außerdem sollten deutsche Unternehmen – nicht nur Konzerne, sondern auch Mittelständler – Anreize für interne Qualifikation und Fortbildung schaffen, also die Möglichkeit, im eigenen Unternehmen wachsen zu können. Hinzu kommt, dass sehr viele Studienabgänger auf dem Markt sind, die völlig ohne Berufserfahrung versuchen, Fuß zu fassen. Dazu gehört aber, dass sie Leute mit Erfahrung brauchen, die ihr eigenes Wissen weitergeben.

REGIO MANAGER: Gibt es noch genug Unternehmerpersönlichkeiten oder dominieren inzwischen die Manager?

Thorsten Stark: Zu unserer Klientel zählt im Wesentlichen der klassische Unternehmer – ich hoffe daher stark, dass er nicht aussterben wird. Das was aber vor 30 – 40 Jahren die Unternehmer bewogen hat sich selbstständig zu machen, das kann heute nicht mehr angenommen und auch erwartet werden. Es gibt wirklich gute Manager im Mittelstand – doch diese stellen sich verständlicher Weise oft die Frage „Warum“; warum 60 Std./Woche arbeiten und mit allem haften, was man hat – „das Einkommen hab ich auch ohne das Risiko“ - verständlich.

REGIO MANAGER: Was sind in Zukunft die Wachstumstreiber?

Thorsten Stark: Ich persönlich denke, dass wir im Rahmen der volatilen Geschäftszyklen in Zukunft wieder deutlich mehr Unternehmen finden werden, die in eine Schieflage geraten. Eine zielgerichtete Beratung mit erfolgsorientierter Honorierung wird unsere Strategie unterstützen.

REGIO MANAGER: Was bedeutet es, anno 2019 Unternehmer zu sein?

Thorsten Stark: Verantwortung zu übernehmen,Freiheiten zu genießen und eigene Ideen umsetzen zu können. Und Teamfähigkeit– gerade das ist heute ein Riesenthema: Kein Unternehmer ist erfolgreich, wenn er nicht teamfähig ist. Patriarchen sind out. Es gibt zwar noch viele, von denen einige zu unseren Mandanten zählen. Aber dieser Führungsstil ist nicht mehr Erfolg versprechend.

REGIO MANAGER: Das macht auch die Unternehmensnachfolge schwierig: Gerade einem Patriarchen fällt es schwer, loszulassen. Wie gehen Sie in solchen Lagen vor?

Thorsten Stark: Der Unternehmer, den starkpartners betreut, hat 30 bis 40 Jahre lang sein Unternehmen geleitet. Man kann und will ihm nicht absprechen, dass er das gut gemacht hat. Was nie funktioniert, ist den Macher – so nennen wir den Patriarchen auch – aus dem Sattel zu nehmen. Wir versuchen, ihm aufzuzeigen, dass es ein Leben nach dem Business gibt und dass er sein Wissen weitergeben kann, z.B. indem er in einen Beirat oder einen Stiftungsrat wechselt.

REGIO MANAGER: Was ist für diesen Generationswechsel der richtige Zeitpunkt?

Thorsten Stark: Diese Frage ist berechtigt, da sie maßgeblich den Wert Ihres Unternehmen beeinflusst. Für uns als eine auf Nachfolge spezialisierte Managementberatung sind Unternehmer zwischen Anfang und Ende 60 die perfekte Zielgruppe. Wir versuchen, mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu finden. Etwa, indem der Unternehmer die Doppelrolle als Geschäftsführer-Gesellschafterrolle eintauscht gegen die reine Gesellschafterrolle, während hinter ihm ein Managementteam aufgebaut und gefördert wird. Es ist Erfolg versprechender, ein Unternehmen zu veräußern, welches über eine aktive, erfolgreiche zweite Führungsebene verfügt. Claas Möller | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 2020

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