Arbeitsrechtliche Vorschriften beim Thema Coworking

Nachhaltigkeit und Mitarbeiterfreundlichkeit sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind Schlagworte, die man auch in der Arbeitswelt immer öfter hört.

Foto: © deagreez – stock.adobe.com
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Interessant ist in dem Zusammenhang, dass immer mehr Umfragen zeigen, wie sehr sich die Wertigkeit für Arbeitnehmer in vielen Bereichen verschoben hat. Natürlich ist die Frage nach der richtigen Bezahlung noch immer ein ausschlaggebender Faktor bei der Suche oder der Entscheidung für einen Arbeitgeber. Aber potenzielle Arbeitgeber können in Zeiten von Fachkräftemangel auch in anderen Bereichen punkten. Flexibilität, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und natürlich der Spaß an der Arbeit sowie die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung spielen hierbei eine immer größere Rolle. Coworking kann, da sind sich viele Befürworter sicher, eine Antwort auf die sich verschiebenden Prioritäten vieler Arbeitnehmer sein.

Was genau ist Coworking Space eigentlich?

Der Bundesverband Coworking Spaces Deutschland e. V. gehört zu den Vereinen, die die fortlaufende Vernetzung und Digitalisierung durch die Unterstützung von neuen Coworking Spaces deutschlandweit vorantreiben möchten. Coworking wird dabei definiert, als „nebeneinander arbeiten“ oder „zusammenarbeiten“. Die Idee, Büro- und Arbeitsflächen anzubieten, auf denen vollkommen unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Projekten, Auftraggebern und Aufgabenbereichen nebeneinander arbeiten und sich durch regelmäßigen Austausch und Netzwerkbildung gegenseitig voranbringen, stammt ursprünglich aus den USA.

In San Francisco erblickte der erste offizielle Coworking Space im Jahr 2005 das Licht der Welt. Seitdem hat sich in der Welt des Coworking viel getan. Experten gehen heute davon aus, dass sich bis im Jahr 2022 mehr als 5 Millionen Menschen weltweit in Coworking Spaces einmieten, um ihre Arbeit dort zu verrichten.

Als Coworking Space wird dabei eine Büro- oder Arbeitsfläche bezeichnet, in der Menschen sich einmieten können und hier für die Dauer des Mietvertrages einen festen Arbeitsplatz zur Verfügung stehen haben. Dazu gehört natürlich das komplette technische Equipment, aber auch der Kaffee zwischendurch, die Nutzung der Küche und der Pausen- und Sozialräume. Hier treffen die unterschiedlichsten Typen aufeinander – ein wunderbarer Nährboden für Gründer und kleine Start Ups, um sich weitere Inspiration zu holen und ihre eigene Expertise zu erweitern.

Darüber hinaus lässt sich kaum ein anderer Ort finden, an dem Netzwerken so einfach ist wie in einem Coworking Space.

Wer nutzt Coworking Space aktuell am meisten?

Coworking Space wurde in den letzten Jahren vorwiegend von Freelancern, Soloselbstständigen oder digitalen Nomaden genutzt. Das hat verschiedene Hintergründe. Wer sich für die Nutzung von Coworking Space entscheidet, kann hier, ohne groß in Vorleistung gehen zu müssen ein sehr gut ausgestattetes Büro bzw. einen Arbeitsplatz in einer freien Arbeitsumgebung nutzen. Außerdem ist die Nutzung von Coworking Space nicht an lange Mietverträge gebunden.

Coworking Space kann für wenige Tage oder einen oder zwei Monate angemietet werden. Die Idee dahinter ist nicht unbedingt eine dauerhafte Anmietung – auch wenn diese natürlich möglich ist. Viel mehr die Realisierung einzelner Projekte im Rahmen der Tätigkeit in einem Coworking Space stand ursprünglich im Mittelpunkt. Heute gibt es viele Freelancer, die für sich festgestellt haben, dass sie für ihre Inspiration und ihre eigene Disziplin die Arbeitsumgebung eines Büros brauchen und in den eigenen vier Wänden nicht so effektiv arbeiten können. Für diese Personen ist ein Coworking Space die perfekte Alternative zur teuren Anmietung eines eigenen Büroraums irgendwo in einem Bürogebäude. Abgesehen davon bietet die Arbeit im Coworking Space die Möglichkeit, in den Pausenphasen den Austausch mit anderen Menschen zu suchen, Bekanntschaften und vielleicht auch ein lohnendes Netzwerk mit anderen Freelancern und Experten auf ihrem jeweiligen Fachgebiet zu bilden.

Wann spielen arbeitsrechtliche Vorschriften beim Thema Coworking eine Rolle?

Solange Coworking von Selbstständigen, Freelancern und digitalen Nomaden während der Dauer ihres Aufenthalts in der jeweiligen Stadt genutzt wird, spielen arbeitsrechtliche Vorschriften nur eine untergeordnete Rolle. Denn Fragen des Arbeitsschutzes muss ein Freelancer oder ein Soloselbstständiger als eigener Arbeitgeber für sich selbst beantworten.

In den letzten Jahren haben allerdings zunehmend auch Unternehmen die Idee des Coworking Spaces für sich entdeckt. Damit ist nicht gemeint, dass neue Büroräume für eigene Angestellte eingerichtet und diese irgendwo ausgegliedert wurden. Viel mehr kann die gezielte Anmietung eines Coworking Platzes in einem bestimmten Gebiet Deutschlands eine Möglichkeit sein, Fachkräfte, die dort leben, ans eigene Unternehmen zu binden. Damit das funktionieren kann, ist es allerdings wichtig, auch bei der Auswahl des richtigen Coworking Spaces arbeitsrechtliche Gesichtspunkte nicht aus den Augen zu verlieren. Denn wer als Arbeitgeber einen Arbeitnehmer in einen Coworking Space setzt, ist für die Einhaltung der arbeitsrechtlichen Vorschriften in Sachen Arbeitsplatzgestaltung etc. verantwortlich.

Kann Coworking Space für Arbeitgeber eine echte Alternative sein?

Coworking Space bietet Arbeitgebern eine ganze Reihe spannender Chancen. So kann beispielsweise ein Mitarbeiter, der nur für die Dauer eines Projektes angestellt wird, hier eingesetzt werden. Das ermöglicht die Mitarbeitersuche deutschland- oder gar europaweit, ohne dass die Person dafür ihren Heimatort verlassen und an den Sitz des Unternehmens ziehen müsste. So kann es vor allem international agierenden Arbeitgebern erleichtert werden, entsprechende Fachkräfte zu finden.

Auch die Gründung einer Niederlassung in einer anderen Stadt kann über die vorübergehende oder auch die dauerhafte Nutzung von Coworking Space vereinfacht werden. Da hier das Rundumsorglos-Paket inklusive funktionierender und erprobter digitaler Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird, ist eine komplette Neueinrichtung von erst noch anzumietenden Büroräumen durch die Anmietung von Coworking Space nicht mehr zwingend erforderlich.

Inzwischen gibt es auch eine Reihe von Coworking Space Anbietern, die neben den großen freien Arbeitsflächen, die eher an Großraumbüros erinnern, auch einzelne Büros in unmittelbarer Nähe der freien Arbeitsflächen anbieten. Damit wird den Anforderungen von Arbeitgebern, die einzelne Mitarbeiter mit einem höheren Bedarf an Privatsphäre bei der Arbeit ebenfalls in Coworking Spaces einsetzen möchten, Rechnung getragen.

Auf diese Faktoren sollten Arbeitgeber bei der Auswahl von Coworking Space achten

Wichtig bei der Auswahl des richtigen Coworking Space für Arbeitgeber sind dabei verschiedene Faktoren. Zunächst wäre einmal der Umstand, dass die klassischen Merkmale des Arbeitsschutzes erfüllt sein müssen. Angefangen vom Schreibtisch über den vorhandenen Schreibtischstuhl bis hin zu Faktoren wie der Beleuchtung oder der Klimatisierung. Gerade in Räumlichkeiten mit großen Fenstern und starken Lichteinfall sollte darauf geachtet werden, dass durch entsprechende Maßnahmen ein ungestörtes Arbeiten möglich ist. Doch auch andere Faktoren wie der Datenschutz und insbesondere der Mitarbeiterdatenschutz müssen bei einem Einsatz im Coworking Space gewährleistet werden können.

Darüber hinaus ist der Einsatz von Mitarbeitern im Coworking Space als Versetzung zu betrachten, wenn diese vorher in einem Büro im Unternehmen selbst tätig waren. Das bedeutet, dass hier auf jeden Fall der Betriebsrat einzubinden ist. Generell sollte dieser an der Findung eines entsprechenden Coworking Spaces beteiligt werden, einfach um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu gewährleisten und eventuell später auftretende Probleme von vornherein zu vermeiden.

Fazit: Coworking Space kann eine Lösung für die moderne Arbeitswelt sein

In den letzten zwei Jahren ist die Nutzung von Coworking Space in Deutschland etwas rückgängig gewesen. Experten gehen allerdings davon aus, dass dieser Trend sich sehr bald wieder umkehren wird. Denn anders als mit Beginn der ersten Coworking Spaces in Deutschland erwartet, sind solche Gemeinschaftsarbeitsräume nicht nur etwas für Freelancer, Soloselbstständige und digitale Nomaden.

Auch größere Unternehmen sehen inzwischen in der Nutzung von solchen Möglichkeiten eine gute Chance, Arbeitsplätze in ländlicheren Gebieten zur Verfügung zu stellen und so mehr Potenzial bei der Gewinnung von Fachpersonal in verschiedenen Bereichen zu haben. Darüber hinaus bietet sich so für Unternehmen auch die Möglichkeit, vorübergehenden Raumbedarf einfach und unkompliziert zu decken, ohne dafür eigene Büroräume anmieten zu müssen.

Wichtig ist dabei allerdings zu beachten, dass Arbeitgeber durch Anmietung von Coworking Spaces nicht aus der Verantwortung für die eigenen Arbeitnehmer kommen. So müssen Arbeitgeber bei der Anmietung von Coworking Spaces sicherstellen, dass alle gesetzlichen Vorgaben des Daten- und des Arbeitsschutzes eingehalten werden.

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