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Unternehmenspraxis (Ausgabe 04/2018)



PERSONAL & KARRIERE

Arbeitsmarktbarometer trotz Dämpfer auf gutem Niveau

Nachdem das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im März noch ein Allzeithoch erzielte, gab es im April einen Dämpfer: Der Frühindikator verlor gegenüber dem Vormonat 0,9 Punkte. Doch auch der aktuelle Stand von 104,5 Punkten lasse immer noch eine gute Arbeitsmarktentwicklung in den kommenden Monaten erwarten. Während die Beschäftigungskomponente mit 107,1 Punkten nach wie vor auf eine sehr gute Entwicklung der Beschäftigung hindeutet, signalisiert die Arbeitslosigkeitskomponente mit 101,8 Punkten günstige, aber deutlich moderatere Aussichten. Der Konjunkturaufschwung habe Gegenwind bekommen, was auf die drohende Eskalation von Handelskonflikten mit den USA zurückzuführen sei. Der deutsche Arbeitsmarktaufschwung hänge aber nicht an vorübergehenden weltwirtschaftlichen Schwankungen. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer basiert auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen. Es gibt einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Die Skala des IAB-Arbeitsmarktbarometers reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 Punkten (sehr gute Entwicklung).

Aufschwung auf dem Höhepunkt

In seiner Jahresprognose für 2018 geht das IAB davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen um rund 650.000 auf 44,94 Millionen steigen wird. Damit erwarten die Forscher einen neuen Rekord. Auch unter den geflüchteten Menschen soll die Erwerbstätigkeit um rund 100.000 zunehmen. Die Arbeitslosigkeit soll im Jahresdurchschnitt bei 2,33 Millionen Personen liegen und damit um rund 200.000 geringer als 2017.
Ein großes Plus erwartet das IAB abermals bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. 2018 werden laut der Prognose 32,98 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein. Das sei ebenfalls ein neuer Rekordwert und bedeute gegenüber 2017 einen Zuwachs von 760.000 Personen. Den höchsten Beschäftigungszuwachs erwarten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (+230.000). Einen Rückgang werde es voraussichtlich nur in der Finanzbranche geben (−10.000). Trotz des demografischen Wandels erreiche 2018 auch das Erwerbspersonenpotenzial mit 47,23 Millionen einen neuen Höchststand. Die Zuwanderung ist hier der dominierende Faktor, hinzu kommen die weiter steigenden Erwerbsquoten der Frauen und der Älteren. Wie im Vorjahr wachse das Erwerbspersonenpotenzial auch 2018 nicht einmal halb so stark wie die Erwerbstätigkeit. Verfügbare Arbeitskräfte würden also zunehmend knapper. Daher würden Betriebe ihre Beschäftigten halten. Das Entlassungsrisiko sei auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken.

 

KONJUNKTUR

Konjunkturaufschwung mit gedrosseltem Tempo

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bleibt in luftiger Höhe, signalisiert aber eine Abschwächung der Wachstumsrate. Für das erste Quartal liegt es bei 126 Punkten, für das zweite Quartal zeigt es noch 121 Punkte an, weiter deutlich über der 100-Punkte-Marke, die für ein durchschnittliches Wachstum steht. Im Februar kam es aufgrund der Folgen der Grippewelle, vieler Streiktage und überdurchschnittlich vieler Ferientage zu Produktionsausfällen, die in den darauffolgenden Monaten nachgeholt werden dürften. Die deutsche Wirtschaft könnte daher im zweiten Quartal, anders als vom DIW-Konjunkturbarometer angezeigt, etwas dynamischer wachsen als zum Jahresauftakt: Der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt dürfte mit rund 0,7 Prozent im zweiten Quartal höher ausfallen als im ersten, für das das DIW Berlin ein Plus von 0,4 Prozent erwartet. Im ersten Halbjahr dieses Jahres fällt das Tempo aber alles in allem etwas geringer aus als zuvor. Damit trete die deutsche Wirtschaft jedoch nicht in eine Phase der Abkühlung ein. Sie werde weiter spürbar zulegen, denn sie profitiere von der weltweit kräftigen Nachfrage.

Rohölpreis erholte sich leicht

Im März stieg der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) um 0,4 Prozent (in Euro: +0,5 Prozent), nachdem er im Februar erstmals seit Juli 2017 deutlich gefallen war. Damit scheint der Abwärtstrend in der Preisentwicklung auf den internationalen Rohstoffmärkten vorerst gestoppt. Der Gesamtindex notierte mit 122,0 Punkten (in Euro: +109,7 Punkte) leicht über dem Vormonat. Der Index für Energierohstoffe stieg um 0,7 Prozent (in Euro: +0,8 Prozent), wobei sich Rohöl im Monatsdurchschnitt leicht verteuerte, jedoch die durchschnittlichen Preise für Kohle und Erdgas fielen. Nahrungs- und Genussmittel verteuerten sich im März erneut (in Euro: +1,6 Prozent). Dagegen fiel der Index für Industrierohstoffe um 3,3 Prozent (in Euro: −3,2 Prozent), wobei vor allem die Preise für NE-Metalle nachgaben. Der Index ohne Energie fiel deshalb um 1,6 Prozent (in Euro: −1,5 Prozent) auf 116,2 Punkte (in Euro: +104,5 Punkte).

Hohe Zuversicht, hohe Risiken

Trotz großer globaler Unsicherheiten und des Handelsstreits zwischen China und den USA entwickle sich die deutsche Wirtschaft nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) weiter robust. Es rechnet mit einem weiterhin hohen Wachstum in diesem Jahr. Allen Widerständen zum Trotz: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt werde 2018 um gut zwei Prozent steigen. Getrieben werde die Entwicklung einerseits vom anhaltend starken Export – vor allem der Euroraum entwickelt sich positiv –, andererseits von der weiterhin ungebremsten Konsumfreude der Deutschen. Für das laufende Jahr erwarten die IW-Konjunkturexperten ein Konsumplus von rund 1,5 Prozent. Die vollen Auftragsbücher der Unternehmen sorgen für eine steigende Produktion. So rechnen inzwischen knapp 52 Prozent der rund 2.800 befragten Firmen mit einem Produktionsplus, lediglich acht Prozent erwarten einen Rückgang. Damit ist der Saldo aus positiven und negativen Meldungen auf 43 Prozentpunkte gestiegen und liegt damit leicht über dem Wert vom Herbst 2017. Auch die Investitionen ziehen weiter an: Für 2018 erwarten 45 Prozent der Firmen steigende Investitionen. Zudem wollen 46 Prozent ihr Personal weiter aufstocken. Nur neun Prozent planen mit weniger Mitarbeitern.

BILDUNG

Digitalisierung erleichtert die Weiterbildung

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) greifen Firmen, die weitgehend digitalisiert sind, besonders häufig auf neue Lernmethoden zurück. Das können beispielsweise Lernvideos, Webinare oder speziell für die Bedürfnisse der Unternehmen programmierte Online-Plattformen sein. Im Jahr 2016 nutzten rund 43 Prozent der digitalisierten Unternehmen solche Lernformen mehrfach. Unter den nicht-digitalisierten Unternehmen waren es nur 18 Prozent. Die Vorteile der digitalen Weiterbildung liegen auf der Hand: Unternehmen und Mitarbeiter können Lerninhalte individuell zusammenstellen und schnell und kostengünstig an ihren Bedarf anpassen. Vor allem aber können Mitarbeiter die Inhalte zeitlich und räumlich flexibel abrufen. Selbst Unternehmen, die in ihrem Kerngeschäft kaum digitale Technologien einsetzen, können mit dem mediengestützten Lernen individuell auf den Weiterbildungsbedarf ihrer Mitarbeiter reagieren.
Doch die Digitalisierung erleichtert das Lernen nicht nur, sie steigert auch den Wissensbedarf. Denn durch die Umstellung von Arbeitsabläufen und Herstellungsverfahren in den Firmen entstehen neue Tätigkeiten, für die die Beschäftigten qualifiziert werden müssen. Vor allem IT-Kenntnisse sowie Kompetenzen im Bereich Selbstständigkeit, Planungs- und Organisationsfähigkeit sind gefragte Lerninhalte. Digitalisierte Unternehmen investieren deshalb mehr Zeit und Geld in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter als andere Betriebe.

WELTHANDEL

Engpässe für die Industrie immer prekärer

Anlässlich der Hannover Messe skizzierte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Dr. Volker Treier, im April die Lage des Produzierenden Gewerbes. Die deutsche Industrie befinde sich eigentlich in einer Superkonjunktur. Bei noch günstigen Wechselkursen seien nahezu alle Weltregionen im Aufschwung. Die Investitionsbereitschaft sei auch für das Inland so hoch wie lange nicht. Allerdings würden die Engpässe für die Industrie immer prekärer – insbesondere mit Blick auf den Fachkräftemangel. Jeder zweite Industriebetrieb berichte, dass offene Stellen längerfristig nicht besetzt werden können. Als Folge rechnen vier von zehn Unternehmen damit, dass sie Aufträge ablehnen müssen. Hinzu kämen Sorgen um die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise. Diese wiegen vor dem Hintergrund der heimischen Zusatzbelastungen beim Strom und dem allmählich steigenden Euro-Außenwert besonders schwer. Die größte Konjunktursorge erwachse momentan aber aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China. Insbesondere die deutsche Industrie sei von offenen Grenzen und einer globalen günstigen Wirtschaftsentwicklung äußerst abhängig. Eine Zunahme des Konfliktes hin zu einem Handelskrieg bei gleichzeitigem Anstieg von weltweit bereits vorhandenen Handelshemmnissen wäre Gift für die Industriekonjunktur hierzulande.

DIGITALISIERUNG

Keine Angst vor Robotern

In einer Studie widerlegt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die oft zitierte These, dass es durch den digitalen Wandel flächendeckend zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommt. Daten aus dem IW-Personalpanel zeigen: Stark digitalisierte Firmen – sogenannte Unternehmen 4.0 – haben ihre Belegschaften häufiger vergrößert als die weniger digitalisierten Unternehmen. Allerdings bleibt offen, ob tatsächlich die Digitalisierung für den Beschäftigungsaufbau verantwortlich ist. Auch die sektorale Beschäftigungsentwicklung einer Branche steht in keinem eindeutigen Zusammenhang mit dem Stand des digitalen Transformationsprozesses: Während zum Beispiel in der Informationswirtschaft Digitalisierungsgrad und Beschäftigung gleichermaßen gestiegen sind, ist die Beschäftigung im Banken- und Versicherungsgewerbe trotz eines fortschreitenden Digitalisierungsprozesses gesunken. Ganz ähnlich ist der Befund auf Berufsebene: Zwar werden in Berufsgruppen mit hohem Automatisierungsgrad wie dem Verarbeitenden Gewerbe weniger Beschäftigte eingestellt, jedoch ist das eher die Folge des Fachkräftemangels und weniger einer sinkenden Nachfrage nach Arbeitnehmern aufgrund von Automatisierungsprozessen. Die Untersuchung zeige, dass sich kein einheitlicher Trend am Arbeitsmarkt in Deutschland beobachten lässt, da sich hinter dem Begriff „Digitalisierung“ verschiedene Phänomene verbergen. Der digitale Wandel sei kein Tsunami, sondern menschengemacht und eine Gestaltungsaufgabe. Die Politik könne die Unternehmen unterstützen, indem sie ihnen Flexibilität ermöglicht und Anreize dafür bietet, Beschäftigung zu erhalten oder neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Stefan Mülders | redaktion@suedwestfalen-manager.de

Ausgabe 04/2018