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Unternehmenspraxis (Ausgabe 01/2018)



PERSONAL & KARRIERE

Mit Schwung ins neue Jahr

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer hat im Dezember auf hohem Niveau noch einmal etwas zugelegt: Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stieg gegenüber dem Vormonat um 0,1 auf 104,9 Punkte. Damit zeigen sich sehr gute Aussichten für die Entwicklung des Arbeitsmarkts in den kommenden Monaten. Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers steigt gegenüber dem Vormonat um 0,2 auf 107,3 Punkte und erreicht damit den bisherigen Höchststand aus dem Sommer 2011. Im Moment gehe es fast überall aufwärts – in der Binnenkonjunktur und der Weltwirtschaft, bei den Dienstleistungen und in der Industrie. Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit verbleibt auf dem guten Vormonatsniveau von 102,6 Punkten. Der Abbau der Arbeitslosigkeit werde nach Einschätzung der Arbeitsagenturen im Jahr 2018 weitergehen. Der nach wie vor steigende Bedarf an Fachkräften, der sich nicht zuletzt aufgrund der kräftigen Konjunktur ergebe, führe zu einem verstärkten Sinken der Arbeitslosigkeit. Daher sei trotz Brexit, Diesel-Krise und Air-Berlin-Pleite eine positive Entwicklung zu erwarten. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer basiert auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen. Die Skala reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

Jüngere Generation verdient mehr

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben rund 63 Prozent der Söhne in Deutschland ein höheres Arbeitseinkommen als ihre Väter. Besonders deutlich fallen die Ergebnisse am unteren Ende der Einkommensskala aus: Rund 90 Prozent der Söhne von Vätern aus dem niedrigsten Einkommensviertel erreichen ein höheres Einkommen als ihre Väter. Gehört der Vater zum untersten Einkommensviertel, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es der Sohn in ein höheres Einkommensviertel schafft, bei 60 Prozent. Sind die Väter Teil des obersten Einkommensviertels, gelingt es nur 46 Prozent der Söhne, die Position zu halten. Beide Kenngrößen haben die IW-Forscher aus methodischen Gründen ausschließlich für westdeutsche Männer berechnet: Nur für diese Gruppe liegen die Zahlen über einen hinreichend langen Zeitraum vor und sind außerdem weitestgehend frei von erwerbsbiografischen Brüchen, wie sie die Wiedervereinigung mit sich brachte, oder fundamentalen Veränderungen in der Erwerbsbeteiligung, wie sie bei Frauen jüngerer Jahrgänge zu beobachten sind. Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass Deutschland bei den Einkommen deutlich durchlässiger sei als oft behauptet. Das Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft habe Bestand. Im internationalen Vergleich landet Deutschland im Mittelfeld: Der Elastizitätskoeffizient der Einkommen liegt bei 0,319 Prozent – ein Vater „vererbt“ also knapp 32 Prozent seines Einkommensstatus an den Sohn. In skandinavischen Ländern wie Norwegen (0,17) oder Dänemark (0,15) ist die Abhängigkeit deutlich geringer, in den USA (0,47) und Großbritannien (0,5), aber auch in Frankreich (0,41) indes merklich höher.

Chronische Arbeitslosigkeit geht deutlich zurück

Die Zahl der Menschen in Deutschland, die nachhaltige Beschäftigungsprobleme aufweisen, ist laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) seit dem Jahr 2006 deutlich gesunken. Ihr Anteil an der Gesamtheit der Erwerbstätigen und der Erwerbslosen hat sich halbiert: Er sank von mehr als sechs auf rund drei Prozent. Im Gegensatz zur Langzeitarbeitslosigkeit berücksichtigt die „chronische Arbeitslosigkeit“ auch die Personen, die trotz kurzer Beschäftigungsphasen oder arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen am Arbeitsmarkt nicht richtig Fuß fassen können. Fast die Hälfte aller chronisch Arbeitslosen befindet sich seit mindestens fünf Jahren in diesem Status. Andererseits gelingt in einem Fünfjahreszeitraum rund 15 Prozent der Übergang in eine längerfristige Beschäftigung. Im Jahr 2015 waren 1,2 Millionen Menschen in Deutschland chronisch arbeitslos und rund eine Million langzeitarbeitslos. Im Jahr 2006 gab es noch 2,6 Millionen chronisch Arbeitslose und 1,9 Millionen Langzeitarbeitslose. Für den Rückgang spielen sowohl die Hartz-Reformen als auch die nur kurz durch die Finanz- und Wirtschaftskrise unterbrochene günstige konjunkturelle Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren eine Rolle. Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen – vor allem Lohnkostenzuschüsse und berufliche Weiterbildung – können den Übergang aus chronischer Arbeitslosigkeit in längerfristige Beschäftigung begünstigen. Für diejenigen, die keine realistische Chance auf Integration in den ersten Arbeitsmarkt mehr haben, könnten subventionierte Beschäftigungsverhältnisse zumindest zur Verbesserung der sozialen Teilhabe beitragen.

KONJUNKTUR

Boom im Wohnungsneubau geht zu Ende

Die Baukonjunktur bleibt nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auch in den kommenden beiden Jahren deutlich aufwärtsgerichtet. Allerdings werden die Investitionen stärker in Sanierungen und Modernisierungen und weniger in den Neubau fließen. Die Bautätigkeit der gewerblichen Wirtschaft und die der öffentlichen Hand werden voraussichtlich weiterhin nur moderat steigen. Deutlich zulegen würden allerdings die Preise für Bauleistungen, weil die Kapazitäten der Branche insgesamt stark ausgelastet sind. Kostensteigerungen bei Löhnen, Energie, Rohstoffen und Grundstücken dürften dementsprechend stark durchschlagen. In den vergangenen Jahren boomte vor allem der Wohnungsneubau mit Zuwachsraten von jährlich teilweise deutlich mehr als zehn Prozent. Der Neubauboom gehe allerdings zu Ende, weil Bauland in den gefragten Lagen der großen Städte knapp sei und die Bauwirtschaft an der Grenze ihrer Kapazitäten arbeite. Zudem stagniere die Zahl der genehmigten Wohnungsneubauten, insbesondere bei Eigenheimen, seit den Sommermonaten 2016. Auch im Geschosswohnungsbau hat sich der Aufwärtstrend abgeflacht. Die nachlassende Dynamik im Neubau dürfte wieder etwas Luft für mehr Sanierungen und Modernisierungen bestehender Wohngebäude lassen. Diese wurden trotz des regen Handels mit gebrauchten Immobilien in den vergangenen Jahren nur wenig ausgeweitet. Nach rund 4,7 Prozent Zuwachs der Baumaßnahmen im Gebäudebestand im Jahr 2017 ist dieses Jahr ein Plus von sechs Prozent zu erwarten und im Jahr 2019 eine Ausweitung von 7,5 Prozent. Dabei dürften auch verstärkt wieder Impulse von energetischen Sanierungsmaßnahmen ausgehen.

Leichter Anstieg der Rohstoffpreise im Dezember

Zum Jahresende stieg der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) den sechsten Monat in Folge. Die durchschnittliche Wachstumsrate der Rohstoffpreise betrug im Dezember +1,7 Prozent (in Euro: +0,9 Prozent) gegenüber dem Vormonat. Der Gesamtindex notierte damit bei 118,5 Punkten (in Euro: 111,1 Punkte). Die Preise der Energierohstoffe stiegen erneut, jedoch weniger kräftig als im Vormonat. Im Gegensatz dazu stiegen die Industrierohstoffpreise im Dezember deutlicher als im November. Nachdem die Preise für Nahrungs- und Genussmittel zuletzt stagnierten, fielen sie im Dezember. Der Index ohne Energie stieg lediglich um 0,8 Prozent (in Euro: ± 0,0 Prozent) auf 111,4 Punkte (in Euro: 104,5 Punkte). Folglich waren die Preissteigerungen bei den Energie- und Industrierohstoffen für den Anstieg des Gesamtindex verantwortlich.

Wirtschaftsverbände blicken positiv ins Jahr

Die deutsche Wirtschaft sieht sich zum Jahreswechsel größtenteils in bester Verfassung, wie u.a. die Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt. Allerdings werden fehlende Fachkräfte immer häufiger zum Problem. Über zwei Drittel der Verbände erwarten, dass ihre Unternehmen in diesem Jahr mehr produzieren werden als 2017. 26 der 48 Verbände schätzen die aktuelle Wirtschaftslage positiver ein als vor einem Jahr. Gleichzeitig hat sich die Zahl derer, die die Situation schlechter bewerten, von neun auf zwei Verbände reduziert: Die Ernährungsindustrie sieht sich mit hoher Konkurrenz und steigenden Kosten konfrontiert, die Volks- und Raiffeisenbanken leiden unter niedrigen Zinsen und Margen. Die Investitionen kamen trotz teils widriger politischer Rahmenbedingungen bereits 2017 in Schwung und werden sich im kommenden Jahr noch verstärken. So erwarten 24 Verbände höhere Ausgaben ihrer Firmen. 19 gehen davon aus, dass zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden. Allerdings könnte es für die Firmen ein schwieriges Unterfangen werden, neue Fachkräfte zu finden. Denn schon im Herbst 2017 zeigte die IW-Konjunkturumfrage, dass ein Drittel der damals befragten Unternehmen überausgelastet ist – und in zwei Drittel dieser Firmen schlägt sich das vor allem in einem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern nieder.

MANAGEMENT

Geschlechterquote für Aufsichtsräte greift

Die Geschlechterquote für Aufsichtsräte greift, wie das „Managerinnen-Barometer“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt. In den Kontrollgremien der gut 100 Unternehmen in Deutschland, die seit 2016 an die Quote gebunden sind, ist der Frauenanteil bis Ende des Jahres 2017 auf durchschnittlich gut 30 Prozent gestiegen. Das sind fast drei Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Von einer Signalwirkung für Vorstände und Geschäftsführungen, für die es in Deutschland bislang keine Quotenregelung gibt, kann jedoch keine Rede sein: Dort herrscht mit Blick auf die Repräsentation von Frauen beinahe Stillstand. Im Durchschnitt der umsatzstärksten 200 Unternehmen verblieb der Frauenanteil bei etwas mehr als acht Prozent. Lediglich bei den 30 größten börsennotierten Unternehmen und bei den Unternehmen mit Bundesbeteiligung erhöhte er sich jeweils um rund zwei Prozentpunkte auf 13 bzw. fast 18 Prozent. In anderen Gruppen wie bei den Versicherungen ging der Anteil der weiblichen Vorstände zurück. Um nachhaltig mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sollten die Unternehmen im eigenen Interesse zügig einen Pool geeigneter Kandidatinnen auf- und ausbauen. Andernfalls liege es an der Politik, gegebenenfalls auch darüber nachzudenken, die bisherigen Regelungen für Frauen in Vorständen und Geschäftsführungen, die auf Freiwilligkeit basieren, zu verschärfen.

Fachkräftemangel weitet sich aus

Unternehmen haben immer größere Probleme, neue Mitarbeiter zu finden. Zwei von drei Arbeitsplätzen sind derzeit schwer zu besetzen. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Im Juni 2017 wurden 66 Prozent aller Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben. Am häufigsten fehlen Fachkräfte mit Berufsausbildung, insbesondere in Pflege, Handwerk sowie technischen Berufen. Auch Arbeitskräfte mit Fortbildungs- oder Studienabschluss werden dringend gesucht, vor allem in Gesundheits- und MINT-Berufen. Dabei ist die Situation je nach Region sehr unterschiedlich: In Baden-Württemberg werden inzwischen 83 Prozent aller Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben, in Berlin sind es nur 38 Prozent. Die größte Verschlechterung der Fachkräftesituation gab es in Thüringen und Rheinland-Pfalz. Insbesondere in ländlichen Regionen fehle es an Nachwuchskräften, um die zunehmenden Renteneintritte zu kompensieren. In den kommenden Jahren werde sich der Wettbewerb um Fachkräfte weiter verschärfen und damit auch über die Zukunft ganzer Regionen entscheiden. Ein gutes Mittel gegen den Fachkräftemangel sei qualifizierte Zuwanderung. Vor allem Arbeitgeber in den Städten setzten zunehmend auf internationale Fachkräfte. Da diese im Durchschnitt deutlich jünger sind als ihre deutschen Kollegen, mildern sie zugleich die Folgen des demografischen Wandels. Zudem gebe es deutliche Fortschritte bei der Beschäftigung von Älteren und Frauen. Durch Teilzeitbeschäftigung lassen sich Mitarbeiter länger im Beruf halten. Frauen kehren nach der Familienphase heute häufiger zurück ins Arbeitsleben als früher. In Engpassberufen liegt der Frauenanteil nach der typischen Familienphase jedoch niedriger. Abhilfe könnte hier etwa flexiblere Arbeitszeiten schaffen.

Stefan Mülders | redaktion@regio-manager.de

 

Ausgabe 01/2018