WEWO: Kundenprozesse optimieren

Der C-Teile-Spezialist WEWO ist nicht nur Händler, sondern auch Hersteller, Berater und Problemlöser.

(© Jacqueline Wardeski)
(© Jacqueline Wardeski)
Die WEWO Schrauben-Befestigungsteile GmbH geht stramm auf die 50 zu. Doch dieses Alter merkt man dem C-Teile-Spezialisten aus Straelen nicht an. Ganz im Gegenteil: Wer sich auch nur ein wenig in der WEWO-Welt umschaut, könnte meinen, es mit einem blutjungen Start-up zu tun zu haben. Ein Blog informiert über innovative Lösungen für altbekannte Probleme (z.B. eine Anti-Kaltverschweißung-Beschichtung gegen das „Festfressen“ von Schrauben) oder gibt witzige DIY-Tipps, etwa für den Bau einer gemütlichen Gartenlounge aus Paletten. Die eigens entwickelte WECO-App fürs Smartphone macht die Bedarfserfassung für den Kunden fast zum Kinderspiel. Ein benutzerfreundlicher Schraubenkonfigurator ergänzt den Online-Shop. Auch betriebsintern setzt WEWO auf die Möglichkeiten der Digitalisierung. Belege werden mittels künstlicher Intelligenz erfasst. Das System erkennt die wichtigsten Daten in den E-Mail-Anhängen, der Mitarbeiter muss den automatisch erstellten Auftrag nur noch kontrollieren. Mithilfe einer Schulungsplattform findet die regelmäßige Weiterbildung in Form von Video-Formaten statt. „Wir gehen Richtung Zukunft“, so bringt es Philipp Weber auf den Punkt. 

Gründung im Keller

Der 35-Jährige führt das Unternehmen in zweiter Generation. Sein Vater Wolfgang – daher auch WEWO – hatte es 1975 zusammen mit einem Kompagnon gegründet. Zwar nicht in einer Garage im Silicon Valley, dafür in einem Keller in Kerken. Dem privaten Souterrain ist der Mittelständler natürlich längst entwachsen. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen rund 110 Mitarbeiter an fünf Standorten. Neben der Zentrale in Straelen ist WEWO auch in Duisburg, im niederländischen Venray sowie in Sachsen und Thüringen präsent. Die derzeitige Wachstumsrate liegt bei annähernd 22 Prozent. Die Klientel – weit mehr als 4.000 kaufende Kunden – besteht vor allem aus Maschinen- und Anlagenbauern, aber auch aus Industriekonzernen (mit eigenen Wartungsteams) und Handwerksbetrieben. Die Bandbreite reicht von der Ein-Personen-Werkstatt bis zum global agierenden Hersteller von Elektrofahrzeugen. Als Komplettanbieter „kann“ WEWO nicht nur Schrauben. Das Sortiment umfasst u. a. auch (Elektro-)Werkzeug, Arbeitsschutzartikel sowie Betriebseinrichtungen. Zudem bieten die Straelener an, bestimmte Lieferanten und Produkte individuell ins Liefersortiment aufzunehmen. Gerade in der aktuellen Lieferkrise kann das WEWO-Team mit flexiblen und vor allem schnellen Lösungen punkten. Und zwar sowohl bei den Kunden als auch bei so manchem Mitbewerber, der auf das breite Portfolio der Niederrheiner zurückgreift. WEWO steht allerdings nicht nur für innovative Produkte, sondern insbesondere auch für Dienstleistungen rund um das Thema C-Teile. „Auf Wunsch übernehmen wir die komplette Versorgung für den Kunden, damit er sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann“, erklärt Philipp Weber. Genau darin liege ein erhebliches Einsparpotenzial. „WEWO ist weitaus mehr als ein Händler“, betont Domenico Evarista, Leiter New Development und Mitglied der Führungsmannschaft. „Wir verstehen uns als externe Mitarbeiter der Kunden und unsere Leistungen als Teil seiner Wertschöpfungskette.“ 

Auch mal kritisch nachfragen

Damit verbunden ist eine kostenlose Prozessanalyse. „Wir fragen auch kritisch nach, wenn uns bestimmte Schritte nicht einleuchten. Unser Hauptanliegen ist es, die Prozesskosten beim Kunden zu senken“, sagt Domenico Evarista. Zur Veranschaulichung wählt er ein klassisches Beispiel: „Ein Kanban-Regal steht mitten in einer Fertigungshalle. Bis die jeweilige Fachkraft sich die nötigen Schrauben und andere Teile herausgepickt hat und wieder an ihrem Arbeitsplatz steht, vergehen viele teure Minuten.“ Dabei wisse das Unternehmen in der Regel ganz genau, wo welches Teil wann gebraucht wird. „Man muss dieses Wissen aber noch praktisch anwenden.“ WEWO leistet diese entscheidende Umsetzung, in dem es beispielsweise die erforderlichen Teile für jeden Herstellungsschritt punktgenau konfektioniert. Unter dem Namen WECO (die beiden letzten Buchstaben stehen für „Code“) organisieren die Schrauben-Profis ein reibungsloses Kanban-Konzept für die C-Teile-Beschaffung. Dabei stehen verschiedene Servicegrade zur Verfügung. Ob „Lean back and relax“ oder „Do it yourself“ – „für jeden Geschmack ist etwas dabei“, sagt Philipp Weber. Für alle Servicegrade (ob Full Service, Half Service oder DIY) gilt: Einmal im Jahr wird die WECO-Systembelieferung optimiert, defekte Etiketten werden ausgetauscht, „Schläferartikel“ fliegen raus, dafür kommen „Renner“ hinzu.  Für den Einsatz der WECO-App ist keine Installation von Software oder Hardware nötig. „Der Kunde enthält von uns die Smartphones mit dem Kanban-Tool“, erklärt der Geschäftsführer. Der Hintergrund: Die Kanban/Systembelieferung ist eine etablierte Methode in der Branche. „Die Kosten für die Beschaffung sowie für Intralogistikprozesse werden auf ein Minimum reduziert“, so Domenico Evarista. Weitere Nebeneffekte sind u.a. die Bündelung bzw. Reduzierung von Lieferanten sowie die Analyse und Sondierung des Artikelspektrums. Doch welche Technik bietet sich an? „Die Etablierung eines Kanban-Systems auf Basis der sehr teuren RFID-Technologie war für uns nicht die Vision“, betont Weber. Pro Meter Regal könnten so bis zu 5.000 Euro zusammenkommen, „je nach eingesetzter Technologie und Methodik“. Mit der App will WEWO seinen Kunden eine günstigere Lösung ohne Hürden bieten. 

App kommt mit Smartphone

Eine große Herausforderung waren die teilweise komplizierte Auslösung der Bedarfsmeldung, wenn ein Kasten leer ist, sowie die technischen Installationen vor Ort und nicht zuletzt das technische Verständnis der Nutzer. „Daher haben wir auf ein weitverbreitetes und gelerntes Medium zurückgegriffen: das Smartphone in Verbindung mit einer App. Damit ist heutzutage bekanntlich jeder vertraut. Mit dem so ausgestatteten Handy stehen alle relevanten Möglichkeiten mobil zur Verfügung. Es können Mengenänderungen vorgenommen und bei Bedarf Texte und Kommissionen hinzugefügt werden. „Mit einem Klick ist alles bestellt.“ Alle Funktionen stehen auch offline zur Verfügung, was bei Lagerhallen voller Metall (oder in Kellerräumen) ein großer Vorteil sein kann. Eine Weiterentwicklung des WECO-Systems ist die WECO-CLOUD. Diese Kombination aus leicht zu befestigenden Waagen und Cloud-Lösung macht Lagerbestände durch stets aktuelle Zahlen auf digitale Weise transparent. Es findet sozusagen eine permanente Inventur ohne Personalaufwand statt.

Versprechen: zwei Arbeitstage

Eine weitere Besonderheit der WEWO Schrauben-Befestigungsteile GmbH ist die eigene Fertigung in Straelen. Dabei geht es in den meisten Fällen um Produkte jenseits des Standards – vom Zeichnungsteil zur Schraube. „In unserer hauseigenen Produktion fertigen wir Klein-, Mittel- und Großserien genau nach den Vorstellungen unserer Kunden“, sagt Gesamtvertriebsleiter Jakob Cesarz. Der moderne Maschinenpark ermöglicht neben der Bearbeitung von Dreh- und Frästeilen auch das Aufrollen verschiedener Gewindeformen und Durchmesser. Unterstützt wird die Produktion durch ein prozessorientiertes Qualitätsmanagement-System, das nach ISO 9001 zertifiziert ist. Auf Wunsch wird ein Erstmusterprüfbericht oder Abnahmeprüfzeugnis zur Verfügung gestellt. Neben einem großen Materiallager mit einer Vielzahl an verschiedenen Stählen steht auch ein umfangreiches Rohlingslager zur Verfügung. Kunden können anhand einer Rohlings-Excel-Tabelle schnell und einfach wählen: die gewünschte Kopfform, Durchmesser und Längen-Kombination sowie natürlich die Menge. „Unser Lieferzeitversprechen liegt bei zwei Arbeitstagen und das schon ab einer Menge von einem Stück“, sagt Jakob Cesarz.  „WEWO steht für eine langjährige Unternehmensgeschichte und unser Ziel ist es, weiterhin eine zukunftsorientierte, offene Kultur zu erhalten, die es uns ermöglicht, unseren Kunden innovative Produkte und Dienstleistungen zu liefern, um somit die Effektivität ihrer Produktion zu erhöhen“, fasst Philipp Weber die Unternehmensphilosophie zusammen. „Unser Anliegen ist und bleibt es, Prozesskosten zu senken und dazu beizutragen, ein möglichst effizientes Ökosystem zu schaffen, das die nachhaltige Verwendung von Ressourcen in den Mittelpunkt des Handelns stellt.“ Für die nächsten Jahre hat das schon heute weltweit liefernde Unternehmen das weitere Wachstum auf dem europäischen Markt auf die Agenda gesetzt. 

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Ausgabe 06/2021

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