Rhein-Kreis Neuss: Interview mit Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zum Thema Digitalisierung und Strukturwandel

(Foto: Anja Tinter)
(Foto: Anja Tinter)
NRM: Herr Petrauschke, Sie haben im Rhein-Kreis Neuss eine umfassende Digitalisierungsstrategie entwickelt, zu der im Vorfeld rund 150 Betriebe befragt wurden. Was sind die zentralen Erkenntnisse und welche Handlungen leiten Sie für die Wirtschaftsförderung daraus ab?

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke: Nichts ist stetiger als der Wandel! Gerade die Wirtschaft und die Unternehmen stehen ständig in der Herausforderung, sich weiterzuentwickeln und sich durch Innovationen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Die Megatrends, die die künftigen Prozesse in der Wirtschaft beeinflussen, sind mit den Themen Fachkräfte und digitale Transformation benannt. Mit unserer Digitalisierungsstrategie „Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss“ wollen wir Unternehmen in ihrer Zukunftsfähigkeit unterstützen und so unsere starke Position im Rhein-Kreis Neuss festigen. Bei Gründungen & Start-ups wollen wir im Rhein-Kreis Neuss eine eigene Gründerszene abseits der benachbarten Oberzentren schaffen. Gerade von Start-ups und Jungunternehmen gehen innovative Entwicklungen aus, von denen ebenfalls unser Mittelstand profitieren kann. Wir bewegen uns auf eine neue Gründerzeit zu, wobei uns wichtig ist, auch die bestehenden Unternehmen im Mittelstand zu fördern. Hierzu implementieren wir im kommenden Jahr ein eigenes, neues Innovationsförderprogramm.

NRM: Wie ist das Thema Strukturwandel in Ihrer Kreisverwaltung verankert? Und welche konkreten Projekte planen oder setzen Sie bereits um?

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke: Das Thema Strukturwandel wird in der eigens dafür ins Leben gerufenen Stabsstelle Strukturwandel bearbeitet. Diese besteht aus einem vierköpfigen Team: Kristin Michelis als Regionalentwicklerin, Martin Mörtl als Geograf, Petra Paust als Projektassistentin und Marcus Temburg als Raumplaner und Leiter der Stabsstelle. Das Team arbeitet eng mit den Ämtern des Rhein-Kreises Neuss und den Kommunen, aber auch mit vielen externen Partnern zusammen. Dabei sieht sich die Stabsstelle vor allem als Impulsgeber für den Kreis und seine Kommunen. In den nächsten Jahren soll die Region gesamtheitlich weiterentwickelt werden. Dazu gehören natürlich weiche Standortfaktoren wie Bildung, Freizeit und Kultur. Im Mittelpunkt steht aber, dass die Wirtschaft im Kreis und in der Region erhalten bleibt und ein Umbau umgesetzt wird.

NRM: Die aktive Gestaltung des Strukturwandels erfordert ein hohes Maß an regionaler Abstimmung. Wie kann der Rhein-Kreis Neuss erfolgreich mit den anderen Akteuren im Revier kooperieren?

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke: Indem Transparenz geschaffen wird. Dies gelingt durch Austausch untereinander und Kommunikation auf unterschiedlichsten Kanälen, sowohl formell als auch informell. Wichtig sind auch eine frühzeitige Einbindung bei Entscheidungen und die Kommunikation hierüber. Der Strukturwandel im Rheinischen Revier kann nur dann erfolgreich bestritten werden, wenn zum einen auf kommunaler Ebene die Kreise und ihre Kommunen eng miteinander arbeiten und an einem Strang ziehen und zum anderen auch regional ein kooperatives Miteinander gelebt wird. Zudem benötigen wir eine verlässliche rechtliche Grundlage, anhand derer man zeitlich die zukünftige Entwicklung des Rheinischen Reviers steuern kann, und einen Rahmen, der es erlaubt, Planungsprozesse zu beschleunigen. Und schließlich brauchen wir einen guten Pioniergeist, der den Strukturwandel im Rheinischen Revier vorantreibt.

NRM: Herr Petrauschke, herzlichen Dank für das Gespräch.
Ausgabe 09/2019