Vermögensverwalter: Manager für alle Summen

Ob monatliche Sparbeträge für die Altersvorsorge oder ein freies Vermögen von mehreren Hundert Millionen Euro: Der passende Finanzprofi lässt sich für jeden Bedarf finden.
Kleine Sümmchen oder stattliche Beträge: Es kommt nicht darauf an, wie viel Geld angelegt wird, sondern darauf, den richtigen Manager für jedes Vermögen zu finden (Foto: © fotogestoeber  – stock.adobe.com)
Kleine Sümmchen oder stattliche Beträge: Es kommt nicht darauf an, wie viel Geld angelegt wird, sondern darauf, den richtigen Manager für jedes Vermögen zu finden (Foto: © fotogestoeber – stock.adobe.com)
Unternehmer, die für ihren Ruhestand vorsorgen oder das eigene Vermögen für ihre Erben mehren möchten, sind derzeit in keiner einfachen Situation. Jeden Cent in die Firma zu reinvestieren, wird zunehmend gefährlicher. Denn selbst wenn die Gewinne angesichts der brummenden Konjunktur sprudeln: Die fortschreitende Digitalisierung lässt immer neue Geschäftsmodelle entstehen – und ersetzt traditionelle. Wer den Anschluss verpasst, ist schnell vom Markt verdrängt. Gleichzeitig funktioniert in Zeiten einer anhaltenden Null- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank das klassische Zinssparen nicht mehr. Ein breiter Einstieg in Immobilien ist längst enorm teuer geworden, und selbst direkt am Kapitalmarkt zu investieren, traut sich auch so mancher Firmenchef nicht zu. In dieser Situation ist es gut, das Management des eigenen Vermögens in die Hände eines Finanzprofis zu legen. Die Frage ist nur: Wer ist der Richtige? Bei der Suche nach dem passenden „Vermögensmanager“ kommt es ganz wesentlich auf die Höhe der Summen an, die frei anlegt werden können. Schon wenn es um monatliche Sparbeträge oder Einmalinvestitionen von bis zu 100.000 Euro geht, lässt sich ein Berater finden, der das Vermögen diversifiziert und nach den Wünschen des Kunden arbeiten lässt. Hier kommen die Anlageberater bei Banken, die Mitarbeiter von Finanzvertrieben oder selbstständige Finanzberater in Frage. Sowohl bei der hauseigenen Bank als auch bei der Beratung durch freie Vermittler haben Anleger immer die Wahl zwischen zwei Modellen: der provisionsbasierten Anlageberatung und der Honorarberatung.

Meist gegen Provision

In Deutschland ist die Provisionsberatung noch immer vorherrschend. Ein Blick in das Vermittlerregister des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), in dem jeder freie Finanzvermittler eingetragen sein muss, zeigt es: Den aktuell 38.161 Finanzanlagenvermittlern – so die korrekte Bezeichnung – stehen lediglich 193 Honorar-Finanzanlagenberater gegenüber. Auch bei Banken ist die Anlageberatung gegen Provision nach wie vor die gängige Variante. Das Honorarmodell kann allerdings Vorzüge bieten. Denn dabei berechnen Banken oder unabhängige Berater Gebühren für ihre Dienstleistungen. Damit ist ausgeschlossen, dass die Vermittler nur die Finanzprodukte an den Kunden bringen, an denen sie die höchsten Provisionen verdienen. Bei der Entscheidung zwischen einer Anlageberatung bei einem Geldinstitut oder einem freien Vermittler ist ein wichtiger Unterschied zu beachten: Da Banken über eine Lizenz nach Paragraf 32 des Kreditwesengesetzes (KWG) verfügen, dürfen sie sämtliche Anlageprodukte vermitteln. Freie Vermittler, die diese Lizenz in der Regel nicht besitzen, können ihren Kunden zwar alle Arten von Publikumsfonds, jedoch keine Einzeltitel, stillen Beteiligungen oder Private-Equity- Investments vermitteln. All das kann hingegen die Vermögensverwaltung leisten, gleichgültig, ob sie von Banken oder unabhängigen Profis erbracht wird. Ebenso wie in der Honorarberatung ist es in der Vermögensverwaltung rechtlich nicht erlaubt, Provisionen einzubehalten. Ein wesentlicher Unterschied zur reinen Anlageberatung besteht allerdings darin, dass Kunden in der Vermögensverwaltung den Profis das Management des ihnen anvertrauten Vermögens komplett überlassen. Sie definieren zunächst gemeinsam mit dem Vermögensverwalter, wie viel Risiko bei der Geldanlage eingegangen werden darf, in welche Finanzprodukte oder auch Versicherungen grundsätzlich investiert werden soll und welche auf jeden Fall auszuschließen sind. Danach liegt das Management des Kapitals in den Händen der Experten. Sie treffen innerhalb der vereinbarten Strategie selbstständig Anlageentscheidungen, denen nicht jedes Mal ein erneutes Beratungsgespräch vorausgeht.

Ab 100.000 Euro

Lange Zeit war die Vermögensverwaltung sehr vermögenden Anlegern vorbehalten und erst für Summen ab einer Million Euro überhaupt möglich. In der sogenannten individuellen Vermögensverwaltung bei unabhängigen Profis sowie im Wealth Management bei Banken ist dies auch heute noch so. In den vergangenen Jahren haben Banken und unabhängige Finanzexperten aber auch eine sehr gut situierte, jedoch nicht ganz so wohlhabende Klientel für sich entdeckt. Geldinstitute bieten daher eine standardisierte Vermögensverwaltung mittlerweile auch schon ab 100.000 Euro zu managendem Kapital an. Bei unabhängigen Experten liegen die Grenzen zum Teil sogar darunter. Die individuelle Vermögensverwaltung zeichnet sich dadurch aus, dass ein einzelner Kunde einen persönlichen Ansprechpartner hat, der die Anlagestrategie und das Portfolio exakt nach seinen Bedürfnissen maßschneidert. Da ein solches „Rundum-sorglos-Paket“ natürlich seinen Preis hat, kommt es nur für große Vermögen, in der Regel eben ab einer Million Euro, in Frage. Andernfalls würden die Kosten die Rendite zu stark schmälern. Die standardisierte Vermögensverwaltung läuft anders. Hier konzipieren die Portfolio-Spezialisten zwar auch Anlagestrategien, die auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Klientel zugeschnitten sind. Allerdings bekommen nicht einzelne Anleger ihre jeweils eigene Strategie, sondern es werden Strategien für Kundengruppen mit ähnlich gelagerten Investmentzielen festgelegt. Damit sinken die Kosten, was auch bei kleineren Vermögenssummen attraktive Nettorenditen ermöglicht.

In der Königsklasse

Der Unterschied zwischen standardisiert und maßgeschneidert findet sich auch in der oft als „Königsklasse der Vermögensverwaltung“ bezeichneten Branche wieder – bei den Family Offices. Diese Unternehmen betreuen die Vermögen sehr wohlhabender Familien. Um eventuelle Interessenkonflikte zu vermeiden, übertragen viele Büros das reine Portfoliomanagement an externe Vermögensverwalter. Die Arbeit der Family Offices selbst besteht dann in der Auswahl von Banken, Portfoliomanagern, im Controlling des Vermögens, in der Klärung von Steuerfragen und Erbschaftsangelegenheiten bis hin zur Übertragung ganzer Familienunternehmen auf die nächste Generation. Angeführt wird die Königsklasse von den sogenannten Single Family Offices. Ein solches Exklusivbüro betreut eine einzige Familie, die mit einem liquiden Vermögen ab etwa 300 Millionen Euro aufwarten kann. Dynastien wie die Quandts oder die Henkels, die sich eigene Offices leisten können, gründen diese Unternehmen selbst und wählen die Mitarbeiter aus, die ihr Vermögen betreuen sollen. Anders sieht es bei den Multi Family Offices aus. Seit einigen Jahren wächst die Zahl solcher Häuser, die nicht für eine einzige Familie, sondern für mehrere arbeiten. Auch Banken bieten solche Dienstleistungen an, ziehen sich aus diesem Geschäft aber mehr und mehr zurück. Die Angebote von Multi Family Offices sind zwar nicht exklusiv, aber immer noch sehr individuell zugeschnitten. Gerade größere Offices übernehmen auch die Vermögensverwaltung selbst. Und: Manche Multi Family Offices verwalten mittlerweile Vermögen ab „schon“ 150 Millionen Euro. Andrea Martens | redaktion@regiomanager.de

INFO

Wie lässt sich die Qualität eines Vermögensverwalters bewerten?
Eine Einschätzung von Reinhard Pfingsten (Chief Investment Officer (CIO)) der Bethmann Bank

Zunächst ist auf eine stringente Umsetzung einer Investmentphilosophie und eines Investmentprozesses zu achten. Wenn der Vermögensberater solch ein strukturiertes Vorgehen belegen und auch durch Erfolge in der Vergangenheit nachweisen kann, ist dies bereits ein klares Zeichen für seine Qualität. Zudem lässt sich feststellen, dass die Vermögensverwaltung insbesondere als institutionell agierender Marktteilnehmer gute Ergebnisse erzielt. Akademische Analysen zeigen, dass beim Privatkunden im Durchschnitt 45% seiner Entscheidungen am Kapitalmarkt besser als der Durchschnitt sind, während institutionell geprägte Anleger eher bei 55% liegen. Dabei ist zu beachten, dass dies Durchschnittswerte sind. Gute institutionelle Anleger können diese Quote auch auf mehr als 60% bringen. Wenn der Kunde schließlich den richtigen Vermögensverwalter gefunden hat, der alle genannten Kriterien erfüllt, ist es an ihm: Er muss die Verantwortung für sein Vermögen delegieren. Voraussetzung dafür ist, dass ein sehr ausgeprägtes Vertrauensverhältnis zum Vermögensverwalter vorliegen muss. Bei der Selektion des Vermögensverwalters sollte immer auch darauf geachtet werden, dass die Vermögensverwaltung durch eine Beteiligung an der Performance incentiviert wird. Nur dann ist auch der reine Fokus auf gute Ergebnisse gewährleistet. Daher ist eine provisionsbasierte Vermögensverwaltung ein sehr gutes Modell, um dieses zu erreichen. Im Idealfall wird dies um eine Performancekomponente ergänzt. Der Kunde sollte auch darauf achten, ob und welche Restriktionen er dem Vermögensverwalter vorgibt. Denn solche Einschränkungen führen in der Regel zu Abweichungen vom optimalen Portfolio und können daher langfristig einen Performancenachteil generieren. Viele Restriktionen basieren aber häufig auf regulatorischen oder satzungsmäßigen Vorgaben, die der Vermögensverwalter dann auch selbstverständlich berücksichtigt. Daher ist die standardisierte Vermögensverwaltung in der Tat das zu bevorzugende Produkt, wenn alle genannten Parameter eingehalten werden.

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Ausgabe 09/2019