Smart City Hubs: Auf den letzten Metern

Lösungen für verstopfte Innenstädte: Mit City Hubs können Waren und Pakete auf der letzten Meile mit elektronischen Fahrzeugen oder E-Bikes transportiert werden.
(© David Fuentes – stock.adobe.com)
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Der Onlinehandel boomt, und das nicht erst seit der Corona-Pandemie. Wie der BVL, Bundesvereinigung Logistik, mitteilt, ist die Logistik der drittgrößte Wirtschaftsbereich Deutschlands. Supermärkte werden mit frischer Ware beliefert, Apotheken mit wichtigen Medikamenten, der Onlinehandel schickt bestellte Waren an die Endkunden heraus und produzierende Betriebe verschicken ihre Produkte an die Geschäftspartner. Immer mehr Pakete werden ausgeliefert, die Dienstleister fahren relativ dicht hintereinander durch die Straßen der Innenstädte. Dadurch steigt einerseits die Lärmbelästigung, andererseits werden so auch mehr schädliche Emissionen ausgestoßen. Hinzu kommt: Der innerstädtische Verkehr wird noch dichter, was der Verkehrssicherheit auch nicht zugutekommt. Das Problem ist nicht neu. In Hamburg gibt es seit 2012 von dem Zulieferer UPS mobile Mikrodepots, von denen auch die Waren emissonsarm zu Fuß oder mittels elektrischer Lastenräder an den Empfänger zugestellt werden. Auch in vielen weiteren Städten wurde dieses Modell adaptiert. So sollen in Frankfurt beispielsweise aufgrund dieser Mikrodepots pro Tag durchschnittlich drei Lieferfahrzeuge eingespart werden.

Erste Projekte mit Smart City Hubs

Auch die Bundesregierung hat sich der Problematik angenommen. So sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer: „Der Onlinehandel boomt und immer mehr Pakete werden in die Städte transportiert. Um Staus und Emissionen zu vermeiden, brauchen wir innovative und kreative Lieferkonzepte“, und stellt ein Konzept vor, Waren außerhalb der Stoßzeiten im öffentlichen Nahverkehr zu transportieren, wenn Kapazitäten frei sind. Das Wirtschaftsministerium NRW unterstützte Kommunen ebenfalls dabei, innovative Mobilitätskonzepte in Innenstädten umzusetzen, um so die CO2-Emissionen zu senken und die Luftqualität zu verbessern. Dabei geht es sowohl um den Individual- als auch den Güter- und Lieferverkehr. So haben die Hochschule Niederrhein (HSNR), die Ruhr-Universität Bochum, die Universität Duisburg-Essen und die SysPlan Gesellschaft für Logistiksystemplanung mbH Förderungen erhalten, um solche sauberen und wirtschaftlichen Konzepte zu entwickeln. Smart City Hubs stellen so ein Konzept dar, das beispielsweise im westlichen Ruhrgebiet umgesetzt wird. Hier geht es darum, die Waren auf der letzten Meile mit Lastenrädern und Elektrofahrzeugen zum Empfänger zu bringen, nachdem zuvor alle Waren in Verteilerzentren außerhalb der Innenstädte gesammelt wurden. Die Post in der Schweiz hat hier schon erste Erfahrungen gesammelt und u. a. in das Start-up „notime“ investiert, um eine Zustellung am gleichen Tag ebenfalls per Fahrradkurier zu gewährleisten. Die Routen werden mithilfe von Algorithmen ausgerechnet, um sie so effizient und günstig zu gestalten. „Wenn es uns gelingt, Verkehrsströme intelligenter zu steuern und besser zu vernetzen, können wir für die Menschen in den Städten eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erreichen“, sagte Prof. Dr. Holger Beckmann, Projektleiter und Leiter des Instituts für Geschäftsprozessmanagement und IT (GEMIT) an der Hochschule Niederrhein. Eine digitale Plattform soll koordinieren, was wohin transportiert werden soll. Die Waren, die verteilt werden sollen, werden zunächst in SpaCiHs gesammelt, bevor sie weitertransportiert werden. Diese sogenannten SpaCiHs liegen außerhalb der Städte und sind Logistik-Hubs. Untereinander sollen diese über den Schienenverkehr bzw. die Binnenschifffahrt miteinander vernetzt sein.

Nadelöhr Fläche

Es stellen sich allerdings die Fragen: Wo gibt es in der Stadt ausreichend Fläche für die Smart City Hubs? Wie kommt die Waren unter dem Verzicht auf Dieselfahrzeuge zu diesen Smart City Hubs? Wie wird die in der Stadt produzierte Ware aus der Innenstadt heraustransportiert? Eine pauschale Lösung für alle Städte wird es hier nicht geben, sondern es werden unterschiedliche Konzepte greifen müssen. Eine kleine Lösung ist sicherlich in Drohnen zu sehen. Eine andere wiederum stellen Röhrensysteme dar, die die Innenstadt mit den Urban Hubs am Stadtrand verbinden. Auf dieser sogenannten vorletzten Meile werden die Waren unterirdisch in Röhren zum City Hub transportiert. Als Standardlösung sind hier Paletten anvisiert, aber auch die Pakete der Paketdienstleister werden hierüber geliefert. Es soll je eine Röhre für jede Richtung geben; der Transport erfolgt fahrerlos. Da die Lagerkapazitäten in den City Hubs voraussichtlich räumlich begrenzt sind, sollte die Planung effizient gesteuert werden – nicht auch zuletzt deswegen, um die weitere Beförderung und Anlieferung in den City Hubs auch terminlich einhalten zu können. Möglicherweise bietet es sich an, leerstehende Kaufhäuser oder Parkhäuser für die City Hubs umzufunktionieren. In Hamburg wurde das Modell bereits auf seine Umsetzbarkeit hin überprüft. Demnach können zwischen einem Urban Hub und einem City Hub rund 2,7 Millionen Paletten jährlich über die Röhren verschickt werden. Ausgangspunkt war ein 16-Stunden-Betrieb an 310 Tagen pro Jahr. Umgerechnet sind das 500.000 Transportfahrten und mehr als 10.000 Tonnen eingespartes Kohlendioxid. Auch die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens wurde betrachtet und ebenfalls als machbar bewertet, da es im Vergleich zu den aktuellen Zahlen keine höheren Kosten beanspruchen würde. Die Nutzer der Röhren werden eine Transportgebühr zahlen, die für Speditionen mit den aktuellen Kosten vergleichbar sein soll. Für Paketdienstleister wiederum soll sie etwas günstiger ausfallen. Hingegen sind die Vorteile für die Innenstädte erstrebenswert: kürzere Transportzeiten, verlässliche Zustellzeiten und Abholzeiten sowie eine klimagünstige Umweltbilanz.
Karin Bünnagel | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 03/2021