Druckereien: Print is back – aber anders!

In einer zunehmend digitalen Welt erfindet sich die Druckereibranche gerade neu: Auf der einen Seite bietet sie traditionelle sinnliche Erlebnisse mit hochwertigen Materialien, auf der anderen Seite ist die Industrie 4.0 in vollem Gange.
Foto: ©industrieblick - stock.adobe.com
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„Print is back“ hat Medienunternehmer Hubert Burda vor einigen Jahren behauptet. Schaut man sich allerdings den Umsatz der letzten Jahre an, könnte man zunächst behaupten, dass die Druckindustrie in Deutschland eher stagniere: Zwischen 2009 und 2017 bewegte sich der Gesamtumsatz hierzulande stets irgendwo zwischen 20,8 und 21,6 Milliarden Euro, so die Umsatzsteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes im März 2019. Doch wenn man sich vor Augen führt, welchen Siegeszug die Digitalisierung mit Smartphones, Tablets, E-Books und Co in diesem Zeitraum angetreten ist, so besteht der eigentliche Erfolg der Druckindustrie also in ihrer Konstanz.

Immer weniger Druckbetriebe in Deutschland

Diese und weitere Herausforderungen gingen und gehen mit teils schmerzhaften Veränderungen in der Branche einher: Viele kleine Druckbetriebe machen dicht oder werden von größeren Playern geschluckt. Zählte man im Jahr 2008 hierzulande noch 10.710 Firmen in der Druckindustrie, waren es 2017 nur noch knapp 8.000. Das hat der Bundesverband Druck und Medien erhoben. Die Zahl der Beschäftigten sank im gleichen Zeitraum von rund 172.000 auf etwa 133.000. Nach wie vor ist die Branche stark mittelständisch geprägt: Über 80 Prozent der Betriebe haben laut der Bundesagentur für Arbeit weniger als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Allerdings machen die nicht einmal ein Viertel der Beschäftigten in der Druckindustrie aus: Die Mehrheit arbeitet in größeren Druckbetrieben, Tendenz steigend. Berechnungen des Bundesverbandes Druck und Medien zufolge machen mit über 40 Prozent Werbedrucke und Kataloge das Gros der Druckprodukte aus. Mit sehr großem Abstand vor Zeitungen/Anzeigenblättern (10 Prozent), Etiketten und Geschäftsdrucksachen (jeweils 9,8 Prozent), Zeitschriften (8,1 Prozent) und Büchern/Karten (7,2 Prozent). Das Material, das heutzutage bedruckt wird, wird dabei immer vielfältiger. Das zeigt sich nicht nur im Publikations- und Verpackungsdruck, sondern vor allem auch im industriellen Druck. Immer häufiger werden hier zum Beispiel Metalle, Holz oder Glas bedruckt. Relativ neu ist das sogenannte Functional Printing: Mithilfe dünner Folien werden dabei etwa Batterien, RFID-Chips oder LEDs bedruckt. Und natürlich ist der 3D-Druck in aller Munde.

Veredelung, Digitaldruck und Industrie 4.0 sind im Kommen

Der Marktreport Druckindustrie des Fachmagazins „Deutscher Drucker“ macht drei aktuelle Technologietrends in der Branche aus: Veredelung, Digitaldruck und Automatisierung/Vernetzung. In Bezug auf die Veredelung heißt es dort: „Im Gegensatz zu digitalen Kanälen können Printprodukte optisch und haptisch einzigartig gestaltet werden. Allein schon durch die physische Präsenz und die Formatvariabilität heben sich Druckprodukte von einem kleinen Smartphonebildschirm deutlich ab. Kommen dann noch Veredelungen oder raffinierte Ausstattungen hinzu, ist die Nachhaltigkeit der Botschaft enorm.“ So würden zum Beispiel für Eventeinladungen immer häufiger Kartons mit Metalliceffekten oder Prägungen verwendet . Dementsprechend stark investierten Druckbetriebe in Maschinen, die Veredelungsprozesse wie dickeren Farbauftrag oder Lackierung umsetzen können. Auch im Digitaldruck tut sich einiges. Sein großer Vorteil gegenüber anderen Druckverfahren besteht darin, ohne aufwendige Druckvorlagen zu funktionieren und höchst variabel und schnell auch kleine Auflagen produzieren zu können. Hier erobert in den letzten Jahren zunehmend die Highspeed-Inkjet-Technologie Marktanteile. Markenartikler wie Coca-Cola oder Nutella setzen das Verfahren zum Beispiel ein, um Etiketten individuell zu bedrucken. Man darf gespannt sein, ob die Technologie ein ernstzunehmender Konkurrent des Offsetdrucks werden wird. Das hängt auch davon ab, wie sich die Hard- und Software weiterentwickeln, mit denen die Daten angesteuert und verarbeitet werden. Beim Digitaldruck-Kongress 2019 in Düsseldorf sagte Dr. Paul Albert Deimel, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Druck und Medien, treffend: „Der Digitaldruck – verknüpft mit ausgefeiltem Datenmanagement – bietet Lösungen, mit denen sich rentable Geschäftsfelder aufbauen und neuen Kunden gewinnen lassen.“ Automatisierung und Vernetzung machen sich auch in der Printproduktion breit – die Druckindustrie 4.0 ist in vollem Gange. Das Ziel: Systeme, die alle Prozesse von der Datenübernahme über die Druckvorstufe und den Druck bis hin zur Logistik intelligent, transparent und effizient miteinander verknüpfen. Dafür gehen immer mehr Druckdienstleister Kooperationen miteinander ein. „Dies hat den Vorteil, dass nicht jeder Druckdienstleister alles selbst produzieren muss, sondern sich mit seinen Stärken in einen Produktions- oder Vermarktungsverbund einbringen kann. Das spart Kosten und verbessert das Angebot gegenüber den Printbuyern. Viele Druckereien arbeiten deshalb stark daran, ihre Prozesse zu automatisieren und zu standardisieren“, heißt es im Marktreport Druckindustrie. Großes Automatisierungspotenzial stecke hier vorallem noch in der Druckweiterverarbeitung, in der noch viel manuell gemacht wird.

So sieht die Print-Zukunft aus

Einige globale Trends und Zukunftsmärkte in der Branche hat das Fachmagazin „Deutscher Drucker“ auf seiner Website print.de ausgemacht. Demnach wird es in Zukunft auf der einen Seite eine stärkere Industrialisierung geben, weil Druckbetriebe ihre Wettbewerbsposition durch Größe und Rationalisierung sichern wollen. Auf der anderen Seite werden kleinere Betriebe ihre Nischenpositionen durch starke Spezialisierung finden. Weil die Märkte in der Medienwelt ineinandergreifen, werden zudem neue hybride Werbemöglichkeiten zwischen Print und Web entstehen. Gute Aussichten bescheinigt man den Wachstumsmärkten Corporate Publishing und Crossmedia sowie dem Digitaldruck. Und auch der Verpackungsdruck soll weiterwachsen – und zwar nicht nur in Schwellen-, sondern auch in den Industrieländern.
Ausgabe 04/2019