Parallelwelten: Unmöglich? Unmöglich!

Sei Liverpool, nicht Barça, fordert Simone Harland.
(Foto: ©olly – stock.adobe.com)
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Unmöglich: Das Wort sollten Sie aus Ihrem Wortschatz streichen. Schon seit einer TV-Werbung von 1985 wissen wir, nichts ist unmöglich. Auch Fußballtrainer Jürgen Klopp (oder sollte es nicht besser heißen King Klopp?) hat es mit dem FC Liverpool vor Kurzem vorgemacht. Gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner Barça. Vor dem zweiten Halbfinale in der Champions League – das Hinspiel ging 0:3 verloren – soll er seinem Team in der Kabine gesagt haben, dass es theoretisch unmöglich sei, das Ergebnis umzudrehen und noch ins Finale zu kommen. Er schob dann hinterher, dass es doch eine Chance gebe, nämlich: „Weil ihr das seid.“ Und Liverpool schaffte das Unmögliche. Mit vier Toren innerhalb von 90 Minuten erreichte das Klopp-Team das Finale und Barça schlich mit gesenkten Köpfen vom Platz. In der Teamleitung im Unternehmen könnte die Devise lauten: Be Liverpool, not Barça. Unmögliche Aufgaben gibt es nicht. Allerdings bedeutet das Unmögliche zu verlangen nicht, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie eine Zitrone auszuquetschen. Es bedeutet, die Menschen im eigenen Team dazu zu motivieren, über ihre Grenzen hinauszugehen. Das heißt jedoch auch, mit gutem Beispiel voranzugehen. Niemand kann von anderen etwas erwarten, das er oder sie selbst nicht zu geben bereit ist. Mit Druck erreicht man das Unmögliche übrigens auch nicht. Denn Druck erzeugt Stress. Die wenigsten Menschen schaffen es, unter Stress auf Dauer Höchstleistungen zu vollbringen. Für eine kurze Zeit mag das funktionieren, doch nach einiger Zeit sind die Betroffenen ausgebrannt, mit der Folge, dass sie die Lust an der Arbeit verlieren, womöglich krank werden und sich im schlimmsten Fall nach einem neuen Job umsehen. Und gute, vor allem aber eingearbeitete Mitarbeiter zu verlieren, kann sich in der heutigen Zeit kaum ein Unternehmen leisten. Wie aber lässt sich das vermeintlich Unmögliche erreichen? Etwa, indem Vorgesetzte der Arbeit Sinn verleihen. Denn Menschen, so zahlreiche arbeitspsychologische Studien, möchten bei ihrer beruflichen Tätigkeit das Gefühl haben, dass es von Bedeutung ist, was sie tun. Dann haben sie mehr Spaß an der Arbeit, sind zufriedener und bereit, mehr Leistung zu erbringen. Ebenfalls wichtig ist Anerkennung. Für Vorgesetzte heißt das: weg von der Defizitorientierung. Nicht immer nur auf das schauen, was nicht erledigt wurde, sondern würdigen, was die Mitarbeiter erreicht haben – selbst wenn es bislang noch nicht das Unmögliche ist. Kommunikation ist ein weiterer bedeutender Faktor auf dem Weg zum Unmöglichen. Hören Sie darauf, was Ihre Mitarbeiter Ihnen mitzuteilen haben. Lassen Sie Kritik zu, pochen Sie darauf, dass die Mitarbeiter Vorschläge machen, wie sich die Arbeit besser organisieren lässt, fragen Sie ab, was allgemein verbessert werden kann. Denn die Arbeitnehmer, die nah an der Sache sind, wissen oft genau, wo es hakt – in vielen Fällen besser als die Vorgesetzten. Die Fehlerkultur im Unternehmen spielt ebenfalls eine Rolle. Wenn Fehler nicht als Katastrophe, sondern als Chance begriffen werden, etwas an den Arbeitsabläufen oder am Produkt zu ändern, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die Fehler schnell ausmerzen lassen. Arbeitnehmer sind eher bereit, Fehler einzugestehen, wenn sie keine Repressalien befürchten müssen. In Unternehmen mit mangelnder Fehlerkultur hingegen ziehen sich Fehler häufig durch den ganzen Arbeitsprozess und kommen schließlich beim Kunden an. Und das allein deshalb, weil sich die Mitarbeiter nicht trauen, Fehler einzugestehen. Chance verpasst! Wichtig ist es auch, die richtigen Arbeitnehmer auf den richtigen Arbeitsplatz zu setzen. Das bedeutet: einschätzen zu können, wer wo am besten aufgehoben ist. Wenn Frau Müller manche Tätigkeiten nur mit langem Gesicht ausführt, die Herr Schmidt mit Freude übernimmt, ist klar, dass künftig Herr Schmidt mit diesen Tätigkeiten betraut wird. Frau Müller hat dann freie Kapazitäten für weitere Arbeiten, die ihr besonders liegen. So erhöhen Sie mit geringem Aufwand nicht nur den Output, sondern auch die Arbeitszufriedenheit. Ganz zuletzt: Glauben Sie an Ihre Mitarbeiter so, wie Jürgen Klopp an seine Mannschaft geglaubt hat. Denn wenn man an sie glaubt, sind Menschen bereit zu zeigen, was in ihnen steckt. Machen Sie ihnen immer von Neuem klar: Wir schaffen das Unmögliche – aber nur, „weil ihr das seid!“ Simone Harland | redaktion@regiomanager.de
Ausgabe 05/2019