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Umgangsformen

Nicht spießig, sondern nützlich

Wie Sie im Umgang mit Geschäftspartnern, Kunden und Mitarbeitern durch gute Umgangsformen positiv auffallen.



„Sehr kluge und verständige Menschen tun oft im gemeinen Leben Schritte, bei denen wir den Kopf schütteln müssen.“ Mit diesen Worten leitet Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge sein berühmtes Werk ein „Über den Umgang mit Menschen“ von 1788, das Standardwerk zum Thema Umgangsformen. Doch ist der „Knigge“ heute, 230 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, in Zeiten von Digitalisierung und neuen Kommunikationskanälen noch anzuwenden? Und gibt er auch heute noch Tipps und Ratschläge, die im Rahmen der zunehmenden Internationalisierung und Globalisierung dem unternehmerischen Auftritt förderlich sind? Die Antwort darauf lautet ganz klar ja, denn gute Umgangsformen sind, nicht nur im Business, sondern in allen Bereichen des Lebens, zu jedem Zeitpunkt aktuell und wichtig.

„Lerne, den Ton der Gesellschaft anzunehmen, in welcher Du Dich befindest.“

Knigge aktueller denn je

„Je enger die Menschen zusammenrücken, umso bedeutender ist die Fähigkeit, dem Gegenüber Aufmerksamkeit, Toleranz, Respekt und Höflichkeit entgegenzubringen. Dafür steht Knigge, ungeachtet der Verhaltensregeln, mit denen der Name oft in Verbindung gebracht wird“, sagt Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende im Vorstand der Deutschen-Knigge-Gesellschaft. Und weiter: „Der Umgang miteinander auf digitaler Ebene ist zwischenzeitlich sogar zum Politikum geworden. Datenschutz und inhaltliche Kontrolle für Postings in den sozialen Medien, Selbstverpflichtungserklärungen der Anbieter, all das zeigt, dass in der Gesellschaft nicht alles akzeptiert wird, nur weil es plötzlich möglich ist.“

Als IHK-zertifizierte Trainerin für Business-Etikette sowie als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei einem technischen Fachverband ist Kaiser sowohl mit der Theorie als auch mit der Praxis vertraut. „Die Menschen, die am Ende der digitalen Geräte sitzen, sind sensible Geschöpfe, die gesehen, gehört und verstanden werden wollen. Daran ändert auch die Art der Kommunikation letztlich nichts“, so Kaiser. Internationalisierung und Globalisierung tragen zudem dazu bei, dass Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen aufeinandertreffen. Gerade hier ist laut Kaiser gegenseitiger Respekt und ein noch höheres Maß an Toleranz gefordert. Kurz und knapp bedeutet dies, dass jemand, der hinsichtlich seiner Soft Skills im beruflichen oder gesellschaftlichen Miteinander versagt, auch mit der richtigen Anwendung von Tischmanieren nicht mehr gewinnen kann. „Es geht beim modernen Knigge darum, situationsbezogen die richtige Entscheidung für ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander zu treffen“, erklärt Kaiser.

Zeit für eine Innenschau

Und was bedeutet das konkret für den deutschen Mittelstand? Dieser steht ja aktuell im immer stärker werdenden Wettbewerb unter enormem Druck. Die Produktions- und Leistungsfähigkeit der Unternehmen bewegt sich stets am oberen Limit. „Da bleibt oft wenig Zeit, sich in Soft Skills und gegenseitiger Rücksichtnahme zu üben. Vor allem steht der Konkurrenzdruck dem Miteinander oft im Weg“, so Kaiser. „Meine Empfehlung an den Mittelstand ist daher, sich regelmäßig Zeit zu nehmen, eine Innenschau zu halten. Wie trete ich gegenüber Kunden auf? Wie gehe ich mit meinen Mitarbeitern um? Und vor allem: Was kommt von den Menschen, mit denen ich zu tun habe, zurück?“

Erfolg hat nicht immer mit messbarer Leistung oder finanziellem Gewinn zu tun. „Es sind oft die kleinen Dinge des Miteinanders, die darüber entscheiden, ob ein Auftrag vergeben wird oder ob die Mitarbeiter den Mehraufwand für ein Projekt mittragen oder nicht. Wer hier bereit ist, die Bedürfnisse des anderen zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren, ist klar im Vorteil“, rät Kaiser. „Wer dann noch in der Lage ist, mit einfachen Umgangsformen und allgemein akzeptierten Regeln eine Atmosphäre der Sicherheit und des Wohlbefindens zu schaffen, braucht sich über Loyalität, Zustimmung und somit letztlich Erfolg keine großen Gedanken mehr zu machen – der kommt von selbst.“ Wichtig ist dabei allerdings, dass die Botschaften, die Sie mit Ihrem Knigge-gemäßen Verhalten senden, ehrlich gemeint sind und von Herzen kommen.

Teil der Persönlichkeit

Doch wie verhält man sich richtig? In Zeiten von Twitter und Fastfood sicher ein heikles Thema, denn wer fährt schon gerne mit Schlips und Dreiteiler zu einem Business-Meeting nach Goch, wenn der Geschäftsführer vor Ort lässig in Jeans und Polo auftritt. Antworten darauf gibt sowohl der Knigge selbst, der immer wieder überarbeitet und angepasst wird, als auch die vielen Ratgeber zum Thema. Auch bietet es sich an, wenn man nicht gerade aus einem Adels- oder Diplomatenhaus stammt, an einem Seminar oder Coaching teilzunehmen. „Menschen mit guten Umgangsformen fallen positiv auf, werden für erfolgreicher und leistungsfähiger gehalten und gelten als zuverlässig und vertrauenswürdig“, resümiert Kaiser. „All diese Aspekte fördern die Karriere und das eigene Wohlbefinden. Gute Umgangsformen runden die Persönlichkeit ab.“ André Sarin | redaktion@regio-manager.de

INFO

Business-Knigge-Tipps

Achten Sie bei der Begrüßung stets auf die korrekte Reihenfolge. Zuallererst wird immer die ranghöchste Person begrüßt; das gilt auch bei Anwesenheit von Damen. Danach gilt: Ältere Personen werden vor jüngeren und Damen vor Herren begrüßt.

Smalltalk ist wichtig, um das Eis zu brechen, und zudem eine gute Basis für die Beziehung zu Ihrem Geschäftspartner. Vermeiden Sie dabei kontroverse Themen, aber auch Kritik und Gerüchte. Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten in Sport, Film oder Freizeit.

Schauen Sie nicht alle zwei Minuten auf Ihr Smartphone, wenn Sie sich in einem Geschäftstreffen befinden. Auch Anrufe sollten Sie nur in dringenden Fällen annehmen. Geben Sie im Unternehmensumfeld früh Bescheid, dass Sie in einer wichtigen Besprechung sind, und sorgen Sie in dieser Zeit für einen anderen Ansprechpartner. So zeigen Sie Ihrem Geschäftspartner, dass er wichtig ist, und Ihren Mitarbeitern, dass Sie alles im Griff haben.

Bleiben Sie in beruflichen Gesprächen in angemessener körperlicher Distanz zu Ihrem Gegenüber. Zu große Nähe wird von Menschen oft als unangenehm empfunden. Ein guter Abstand ist hier eine ausgestreckte Armlänge. Achten Sie dabei aber auch darauf, keine künstliche Konfrontationssituation zu schaffen. Setzen Sie sich also nicht Ihrem Gesprächspartner gegenüber, sondern bevorzugen Sie einen Platz im 90-Grad-Winkel an seiner Seite.

Manche Situationen mit Zulieferern, auf Messen oder im Unternehmen können besonders unter Zeitdruck zu einem Konflikt führen. Dann sollten Sie unbedingt Ruhe bewahren und Ihrem Gegenüber zuhören. Denn der Ausdruck starker Gefühle hinterlässt bei Mitarbeitern und Geschäftspartnern oft einen schlechten Eindruck.

Last, but not least, rät Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge: „Lerne, den Ton der Gesellschaft anzunehmen, in welcher Du Dich befindest.“ Das sollte man vor allem im Gespräch mit ausländischen Geschäftspartnern im Hinterkopf behalten. Denn gerade hier werden westliche Normen und Werte gern als befremdlich, unhöflich oder zu geschäftsmäßig interpretiert.

Ausgabe 06/2018