Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: Drei Buchstaben: S, H, K

Die SHK-Branche ist dabei, sich zu verjüngen und zu modernisieren. Um die Anforderungen der nächsten Jahrzehnte zu überstehen, braucht es jedoch mehr.
Fachkräftemangel trotz guter beruflicher Perspektiven
Fachkräftemangel trotz guter beruflicher Perspektiven
Das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk hat vom wirtschaftlichen Daueraufschwung der letzten Jahre erheblich profitiert. Die Branche ist gekennzeichnet von steigenden Umsatzahlen, andauerndem Fachkräftemangel und den Ansprüchen der Digitalisierung. Ein Beispiel dafür ist Building Information Modeling (BIM). Es beschreibt eine Methode der optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden durch digitale Technik. Die relevanten Bauwerksdaten werden auf digitalem Wege modelliert, kombiniert und erfasst. In der SHK-Branche bekommt diese Thematik eine immer größere Bedeutung. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) hat sie in einer Studie mit der Unternehmensberatung Munich Strategy untersucht. Das Ergebnis: BIM steckt in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen westeuropäischen Ländern noch in den Kinderschuhen. Ganz besonders im Handwerk gibt es reichlich Nachholbedarf. Während 46 Prozent der Hersteller und 37 Prozent der Architekten/Planer nach eigener Einschätzung aktuell dazu in der Lage sind, nach BIM zu arbeiten, gaben dies bei den Handwerkern nur fünf Prozent an. Der Grund dafür: erhöhter Mehraufwand sowie hohe technische Herausforderungen. Wer jedoch an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen möchte, muss ab 2020 auf jeden Fall BIM einsetzen. In der SHK-Branche herrscht nach wie vor die Nutzung überwiegend analoger Kanäle wie E-Mail und Telefon vor. Plattformbasierte Funktionen wie Portale oder Ausschreibungstools, die für BIM Voraussetzung sind, verwenden nur 18 Prozent der Handwerker. SHK-Unternehmen, die sich heute intensiv mit dem Thema BIM beschäftigen, wahren ihre Chance, an der Digitalisierung erfolgreich zu partizipieren.

Digitalisierung erwünscht

BIM ist derzeit Schlagwort und Treiber des Digitalisierungsprozesses im SHK-Bereich. Digitalisierung ist aber mehr. Sie verändert Rollen und Geschäftsmodelle. Es gilt neue Datenpool-Modelle zu etablieren, die es Herstellern ermöglichen, ihre Produkte einer breiteren Zielgruppe anzubieten. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima hat für seine angeschlossenen Betriebe eine „Digitale Agenda SHK 4.0“ formuliert, die die Herausforderungen der Digitalisierung für das SHK-Handwerk herausarbeitet. Diese Entwicklung stellt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen vor große Herausforderungen. Sie bietet ihnen aber zugleich enorme Chancen hinsichtlich neuer Dienstleistungen und der Optimierung von Geschäftsprozessen. Das sind z.B. effizientere Geschäftsprozesse bei Bestellungen, Angebotserstellung, Abrechnung, Kalkulationsmodelle oder Produkt- und Lieferantenvergleiche. Außerdem der Einsatz smarter Technologien durch eine vernetzte Gebäudetechnik. Eine veränderte Arbeitswelt durch Kompetenz und Flexibilität der Anwender. Digitalisierte Wertschöpfungsketten bei veränderten Vertriebswegen. Daten für Vertriebsaktivitäten wie Online-Marketing, Angebotskonfiguratoren, Augmented Reality, Vergleichsportale, neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen. Verbesserte Kundenansprache bei Akquise und Betreuung durch Online-Präsenzen wie Webseite und soziale Netzwerke. Ziel der Verbandsarbeit ist es, keinen der organisierten Betriebe auf dem Weg in die digitale Welt zurückzulassen. Entscheidend wird aber sein, wie die Betriebe zukünftig ihr Datenmanagement betreiben oder welche Datenhoheit das Handwerk für sich gewinnen kann. In den nächsten Jahren wird die Digitalisierung weiter fortschreiten. Im betrieblichen Alltag der SHK-Betriebe werden die Prozesse vom Kundenkontakt über die Auftragsabwicklung, die Materialbeschaffung, die Einsatzplanung bis zur Montage digitalisiert ablaufen. Bereits heute nutzt eine Vielzahl an Betrieben Trackingsysteme zur Verfolgung von Vorgängen. Ebenso sind Sensortechniken zur Wartung in Aktion, um die direkte Kommunikation zum Kunden aufzubauen, zu individualisieren und zu optimieren.

Nachwuchs gesucht!

Wie viele andere Branchen kämpft auch das SHK-Handwerk gegen den Fachkräftemangel. Obwohl die Zahl der Beschäftigten trotz eines sehr engen WEITER GEHTS AUF SEITE 15 FORTSETZUNG VON SEITE 10 Arbeitsmarktes seit zehn Jahren kontinuierlich wächst (um durchschnittlich ein Prozent pro Jahr), fehlen weiterhin gut ausgebildete Fachkräfte. Bei einer leicht rückgängigen Anzahl von 50.812 Betrieben ist die Zahl der Beschäftigten 2017 zwar auf 369.219 gestiegen, der eigentliche Bedarf ist aber ungleich höher. So berichtete im Jahr 2017 mit 46 Prozent fast jeder zweite Innungsbetrieb über offene Stellen. Acht der zehn Ausbildungsberufe mit den größten Besetzungsschwierigkeiten sind im Handwerk verordnet; unter den ersten drei Plätzen dieser Negativbilanz befindet sich auch das Klempnerhandwerk. In der Tat müssen die Klempner bei den bis zum 30. September 2017 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen einen schmerzlichen Rückgang hinnehmen. Nach einer Steigerung von 5,5 Prozent im Vorjahr auf 438 neue Lehrlinge, erfolgte 2017 ein Absturz von –16,4 Prozent auf nur noch 366 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Klempnerhandwerk. Die anderen drei im Zentralverband organisierten Gewerke konnten dagegen eine erfreulichere Entwicklung vermelden. Die kleine, aber feine Gruppe der Behälter- und Apparatebauer konnte mit 57 neuen Verträgen die Zahl des Vorjahres genau halten; die Ofen- und Luftheizungsbauer erlebten nach einem schmerzlichen Verlust im Vorjahr ein Wachstum von 12,2 Prozent auf jetzt 102 neue Auszubildende, darunter drei Mädchen. Bei der größten Gruppe der Anlagenmechaniker für SHK-Technik erfolgte zahlenmäßig der größte Sprung nach vorn. Ein Zuwachs von 522 neuen Ausbildungsverträgen bedeutet ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Von den 12.201 neuen Auszubildenden sind 168 weiblich. Birgit Marx | redaktion@niederrhein-manager.de

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Ausgabe 10/2018