Management

Unternehmenspraxis

Deutschland gehört zu den Vorreitern in der Abfallverwertung. Doch der Weg von der Haldenwirtschaft hin zu einem vielseitigen und wertschöpfenden Industriezweig ist europaweit noch lange nicht abgeschlossen.

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von Regiomanager 01.06.2016
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PERSONAL & KARRIERE

Größere Chancen nach Ausbildung in großen Betrieben
[BILD1] Auszubildende, die das Glück haben, in einer Region mit vielen großen Betrieben zu wohnen, haben auf Dauer bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das legt eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) nahe, in der ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Größe des Ausbildungsbetriebs und der langfristigen kumulierten Arbeitslosigkeit aufgezeigt werden konnte. Anhand von Daten, die bis in die 1970er-Jahre zurückreichen, untersucht die Studie erstmals, wie sich die Größe eines Betriebs auf die kumulierte langfristige Arbeitslosigkeit auswirkt. Dabei wurde festgestellt, dass Auszubildende aus größeren Betrieben später auf ihr Erwerbsleben gerechnet eine deutlich kürzere Zeit arbeitslos gewesen sind. Eine naheliegende Vermutung sei, dass sich größere Betriebe mit in der Regel besseren Arbeitsbedingungen und Löhnen schlicht die besten Azubis aussuchen, die dann entsprechend seltener arbeitslos sind. Doch diese Begründung könne die Auswirkung der Betriebsgröße nur teilweise erklären. Der Effekt, den größere Betriebe auf die langfristige Arbeitslosigkeit haben, sei auch dann noch nachweisbar, wenn man bereits vor Ausbildungsbeginn bestehende Unterschiede in der Befähigung der Azubis berücksichtige. In größeren Betrieben existierten „interne Arbeitsmärkte“, die nach der Ausbildung Arbeitsplätze bereitstellen, für die die Azubis nach ihrem Abschluss perfekt qualifiziert sind. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung sei hier eine Investition in zukünftige Arbeitskräfte, wohingegen viele kleinere Betriebe oft andere Ausbildungsstrategien verfolgten. Es sei wahrscheinlich, dass die Azubis dort auch als Ersatz für unqualifizierte Arbeitskräfte eingesetzt werden. Diese Unterschiede wirkten sich langfristig auf die Arbeitsmarktchancen der Azubis aus.

Unternehmen stellen ein

Über sieben Prozent der deutschen Unternehmen beschäftigen Flüchtlinge oder haben dies in den vergangenen fünf Jahren getan. Weitere elf Prozent planen das. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der IW Consult unter mehr als 900 Geschäftsführern von Industrie- und Dienstleistungsfirmen. Rund eine Million Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Deutschland, darunter viele aus Kriegs- und Krisenländern wie Syrien, Afghanistan, Eritrea und dem Irak. Mit rund 90.000 war die Zahl der Arbeitslosen aus den genannten vier Ländern im Februar 2016 allerdings fast doppelt so hoch wie die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von dort. Einen Hoffnungsschimmer liefern die Ergebnisse der Befragung der IW Consult. Knapp elf Prozent der befragten Firmen haben konkrete Pläne, künftig Flüchtlinge zu beschäftigen. Unternehmen, die bereits Flüchtlinge zur Belegschaft zählen, planen sogar zu über 40 Prozent, weitere Flüchtlinge einzustellen. Allerdings bezeichnen mehr als drei Viertel der Firmenchefs fehlende Deutschkenntnisse als großes Hemmnis, Flüchtlinge einzustellen. Zu geringe fachliche Qualifikationen sind für 60 Prozent der Befragten eine hohe Hürde. Für die Hälfte der Geschäftsführer stehen Unsicherheiten mit dem Aufenthaltsrecht sowie für 17 Prozent ein zu hoher Mindestlohn entscheidend im Weg.

KONJUNKTUR

NRW-Mittelstand fordert Soli-Abschaffung
[BILD2] Das Statistische Bundesamt meldete Anfang Juli die schwächsten Ausfuhrdaten seit einem Dreivierteljahr (Mai 2016: –1,8 Prozent zum Vormonat). Aus Sicht des nordrhein-westfälischen Mittelstands böte die fiskalische Lage des Bundes die Gelegenheit, die Konjunktur zu beleben. NRW-Landesgeschäftsführer Herbert Schulte vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert zur Abgabensenkung die ersatzlose Streichung des Solidaritätszuschlags. Die Fiskallage eröffne ausreichend Spielräume, den Solidaritätszuschlag schon vor seinem Ende 2019 ersatzlos zu streichen und damit bürgernahe und wirtschaftsfreundliche Politik zu machen. Verbraucher und große Teile des inhabergeführten Mittelstands sowie Selbstständige würden davon profitieren, wenn Bund und Länder den Mut fänden, sich endgültig vom Soli zu verabschieden. Deutschland müsse die Gunst sprudelnder Steuerquellen nutzen und endlich seine überbordenden Abgabenlasten senken. Im OECD-Vergleich der Durchschnittsabgabenlast nehme die Bundesrepublik einen verheerenden dritten Platz ein, was auch in NRW auf die Konjunkturstimmung drücke. Das Ende des Soli wäre ein 18 Milliarden Euro starkes Konjunkturprogramm, das Konsum und Investitionen befeuern und Deutschland im internationalen Standortwettbewerb endlich wieder positive Schlagzeilen einbringen würde. Für NRW wäre dies der erste Schritt, aus dem Konjunkturtal herauszukommen, das Investitionen und Jobaufbau im laufenden Jahr hemmt und den Mittelstand ausbremst.

Ruhrgebiet verliert an Boden

Der Süden Deutschlands bleibt wirtschaftlich das Maß aller Dinge: Im Regionalranking der IW Consult liegen 89 der 100 stärksten Regionen mit innovativen Unternehmen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Während Teile Niedersachsens den Anschluss an die Spitze halten können, verliert das Ruhrgebiet weiter an Boden. Vollbeschäftigung ist in einigen Regionen Deutschlands in greifbarer Nähe. In Teilen Bayerns und Baden-Württembergs, aber auch im Süden Niedersachsens und im Westen von Rheinland-Pfalz liegt die Arbeitslosenquote bei höchstens vier Prozent. Der Landkreis München bleibt die erfolgreichste Region. Vor allem Regionen mit einer innovativen Wirtschaft entwickelten sich positiver als der Durchschnitt, können aber gleichzeitig ihren Bedarf an Fachkräften immer seltener decken. Engpässe bestünden selbst bei Facharbeitern, die zunächst nur geringe Deutschkenntnisse brauchen. Dazu zählen Lkw-Fahrer, Bäcker oder Köche. Hier könnten Flüchtlinge Lücken schließen. Dagegen kämpfen viele Regionen im Westen Deutschlands mit wirtschaftlichen Problemen – von den schlechtesten zehn Kreisen und Städten sind alleine fünf aus dem Ruhrgebiet. Schlusslicht des Regionalrankings ist Duisburg. Im Regionalranking 2016 hat die IW Consult, eine Tochter des IW Köln, die sozioökonomische Lage in allen 402 Städten und Kreisen Deutschlands untersucht. www.iwconsult.de/regional

Stabiles Europa

Seitwärtsbewegung statt Auf- oder Abschwung: Für Deutschland steht die Konjunkturampel des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bei der Mehrzahl der Indikatoren derzeit auf Gelb. Deutschland investiert zwar wieder mehr und die Auftragsbücher in der Produktion werden voller. Allerdings trägt der Konsum, zuletzt wichtige Stütze der deutschen Konjunktur, negativ zum Gesamtbild bei, weil das Konsumentenvertrauen sinkt. Die Deutschen glauben, sich in Zukunft weniger leisten zu können. Schon besser ist die Entwicklung in der Eurozone. Trotz Flüchtlingskrise, Brexit und einer schwächelnden Weltwirtschaft investieren und konsumieren die Europäer wieder mehr. Das wirkt sich positiv auf den Arbeitsmarkt aus: Im ersten Quartal fanden mehr Menschen einen neuen Job und die Arbeitslosenquote sank.
Der Euroraum bilde derzeit ein stabiles Gegengewicht zur Weltwirtschaft, die mehr und mehr an Fahrt verliere, wie IW-Konjunkturexperte Michael Grömling meint. Der Jahresbeginn zeugte von einem deutlichen Abschwung in den USA. Sichtbar werde dies an der Industrieproduktion, den Auftragseingängen und dem Einkaufsmanager-Index. Für alle drei Kennzahlen steht die IW-Konjunkturampel auf Rot. Auch die Exporte gingen zurück. In China schaltet die Ampel seit Mitte des vergangenen Jahres in immer mehr Bereichen auf Gelb und Rot. Mit dem Einkaufsmanager-Index und dem Konsumentenvertrauen entwickeln sich hier zwei Indikatoren schlecht, die in der Regel die Entwicklung in den kommenden Monaten vorwegnehmen.

RECHT & FINANZEN

Gesunde Bilanzen
[BILD3] Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) haben deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren viel zusätzliches Eigenkapital aufgebaut. Dadurch seien sie weniger abhängig von externen Geldgebern, neuen Investitionen stünde also eigentlich nichts im Weg. Doch wegen schlechter Wirtschaftsaussichten hielten sich die Firmen zurück. Noch immer investieren deutsche Unternehmen weniger als 2007, dem Jahr vor der Finanzkrise. Zumindest am Geld hapert es aber nicht, im Gegenteil: Angesichts der historisch niedrigen Zinsen sind Kredite sehr günstig, zudem haben die Unternehmen seit fast 20 Jahren immer mehr Eigenkapital angehäuft. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, die in Deutschland 99 Prozent aller Unternehmen stellen, haben ihren Eigenkapitalanteil von 1997 bis 2012 mehr als verdreifacht – von gut sieben auf 24 Prozent. Auch Großunternehmen erhöhten ihr Eigenkapital im selben Zeitraum um gut vier Prozentpunkte auf knapp 30 Prozent. Die deutschen Unternehmen könnten jetzt beispielsweise in die Digitalisierung investieren, doch bislang hielten sie sich zurück. Das läge vor allem am schwächelnden Wirtschaftsumfeld. Negativ wirkten sich verschiedene politische Projekte aus: Zum einen reguliere Europa seine Banken immer strenger, dadurch würden sie vorsichtiger bei der Kreditvergabe. Zum Zweiten wolle die Politik die Finanzierung über Anleihen am Kapitalmarkt wie in den USA zulasten der Bankkredite fördern. Dabei fahren kleine und mittelständische Unternehmen mit ihrer Hausbank häufig besser.

DIGITALISIERUNG

Chefs bremsen digitale Revolution
[BILD4] Knapp 70 Prozent der deutschen Führungskräfte fürchten, dass die  Mitarbeiter in den Unternehmen zu sehr an traditionellen Verhaltensmustern der analogen Welt festhalten und damit die digitale Transformation blockieren. Besonders selbstkritisch schätzen die Befragten dabei die Rolle der Chefs ein: 37 Prozent erwarten, dass das Führungspersonal der alten Arbeitswelt eng verhaftet bleibt. Knapp jeder Dritte sieht das größte Transformationsrisiko in einer generell ablehnenden Mitarbeiterhaltung gegenüber Veränderungen und sorgt sich darum, dass neue soziale Kompetenzen für effektive Teamarbeit gar nicht erst entwickelt werden. Das sind Ergebnisse einer Umfrage, in der Düsseldorfer „metaBeratung“ im März dieses Jahres 100 Führungskräfte auf drei Führungsebenen befragte. Die Aussage der Führungskräfte zum blockierenden Chef-Verhalten hätten die Experten in dieser Deutlichkeit nicht erwartet. Sie bestätige aber, dass die Digitalisierung ein ganz neues Rollenverständnis aller Mitarbeiter erfordere, das es bis in die Führungsebenen hinein zu gestalten gelte. Zwei Drittel der Befragten halten es für wichtig, neue Führungsleitbilder zu entwickeln und würden diese Aufgabe auf die To-do-Liste ihrer digitalen Agenda setzen. 81 Prozent der befragten Führungskräfte erachten die Förderung von Engagement als wichtig bis sehr wichtig. Die Verantwortung, die vormals bei einzelnen Personen gebündelt lag, soll künftig stärker auf Teams verteilt werden.

Digitale Agenda der deutschen und französischen Elektroindustrie

„Europa steht an einem Scheidepunkt: Die Herausforderungen der digitalen Transformation können nur von einem geeinten Europa gestemmt werden”, sagte Michael Ziesemer, Präsident des ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, Anfang Juni auf der ersten gemeinsamen Industriekonferenz mit dem französischen Partnerverband FIEEC in Paris. „Auf Basis gemeinsamer Werte wollen wir Europa weiter stärken. Wir sind überzeugt, dass der deutsch-französische Motor die Kraft hat, um auch andere EU-Mitgliedstaaten mitzunehmen.“ Künftig wollen FIEEC und ZVEI noch enger zusammenarbeiten, um die Herausforderungen des digitalen Wandels zu bewältigen. Das gemeinsame Ziel sei ein smartes Europa, das Wachstum und Beschäftigung sichere. Auf der Konferenz mit dem Schwerpunkt „Industrie 4.0/Industrie du Futur“ unterzeichneten die Präsidenten der beiden Verbände eine gemeinsame Erklärung zur Digitalisierung der Industrie, die an führende deutsche und französische Politiker übergeben wurde. Höchste Priorität wird darin den Themen Cybersicherheit sowie dem vertrauensvollen Umgang mit Daten beigemessen. Standards müssten so gestaltet sein, dass sie auch international Anwendung finden können. Die beiden Verbände machten deutlich, dass die immer schneller voranschreitende Digitalisierung auch die Politik fordere. Der digitale Wandel brauche Vertrauen und Sicherheit. Cybersicherheit sei Voraussetzung für eine sichere Kommunikation. Unabdingbar sei auch der verantwortungsvolle Umgang mit personen- und nicht-personenbezogenen Daten.

Stefan Mülders | redaktion@regiomanager.de

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