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Die ideale Verpackung: Sieht gut aus, schützt und sitzt Foto: ©egorxfi – stock.adobe.com

Verpackungshersteller

„Verpackung ist eine Erfolgsgeschichte“

Verpackung ist kein Selbstzweck. Die Verpackung muss Produkte schützen, haltbar sowie transportierbar machen und nicht zuletzt ästhetisch überzeugen



In der Steinzeit drehten die Menschen erste Tüten aus Blättern, um Nahrung sammeln und transportieren zu können. Im Mittelalter machten die Kaufleute der Hanse das Fass zur universellen Verpackung für alle Arten von Waren und revolutionierten damit den Handel und das Transportwesen. Für Napoleon war die Erfindung der Konservendose Chefsache, sicherte sie ihm doch die einfache Versorgung seiner Truppen mit unverdorbener Nahrung. 1912 wurde die erste Verpackungsmaschine für Butter patentiert. 1923 startete die Massenproduktion von Cellophan. 1981 kam der erste Verpackungsroboter auf den Markt. Auch wenn es immer noch Menschen gibt, die behaupten, die Natur konstruiere die besten Verpackungen, und auf die Eierschale, die Orange, die Kokosnuss oder die Banane verweisen, ist das Deutsche Verpackungsinstitut von der modernen Verpackung doch mehr als überzeugt: „Die Verpackung ist eine Erfolgsgeschichte. Menschen haben ohne elektrischen Strom, ohne fließendes Wasser oder das Rad gelebt und Kulturen entwickelt. Ohne Verpackungen waren sie nie“, ist das Institut überzeugt.


„Verpackung ist Hightech“


„Verpackung ist kein Selbstzweck. Sie ermöglicht die sichere Versorgung der Bevölkerung mit allen Waren des täglichen Bedarfs. Verdirbt die Ware oder nimmt sie Schäden, weil wir uns die Verpackung sparen wollen, ist der ökologische, ökonomische und soziale Schaden also ungleich größer. Wir können auf Verpackung nicht verzichten“,  so Thomas Reiner, Vorstandsvorsitzender des Instituts . „Unsere Fortschritte in Sachen Hygiene, medizinische Versorgung, wachsende Lebenserwartung, aber auch Wohlstand und Lebensfreude wären ohne die Verpackung nicht möglich. Verpackung ist Hightech und eines der hochentwickeltsten Industrieprodukte. Sie ist fundamental und wie Straßen und Strom ein unverzichtbarer Teil  unserer Infrastruktur.“ Kim Cheng, Geschäftsführerin des deutschen Verpackungsinstituts e.V., beleuchtet die  Herausforderungen der Branche: „Wir müssen uns zentralen Fragen stellen und dürfen das nicht in einer selbstgefälligen Nabelschau tun. Das neue Verpackungsgesetz, Diskussionen um eine europäische Steuer auf Kunststoff, der unerwünschte Eintrag von gebrauchten Verpackungen in die Natur oder die verstärkten Forderungen der Verbraucher nach nachhaltigen Lösungen stellen uns vor neue Herausforderungen, die wir ernst nehmen müssen. Verharren und Beharren ist dabei keine Lösung, schon gar nicht für eine hochinnovative Branche wie die Verpackungswirtschaft.“


Entwicklung geht weiter


Weil der Wert und die Kosten eines verpackten Gutes den Wert und die Kosten seiner Verpackungen weit übersteigen, lohnt sich die Verpackung sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch und sozial, rechnet das Institut als Netzwerk der Branche vor. „Denn ganz egal, ob es um Wasser, Lebensmittel, Elektronik oder Medizin geht: Das meiste, das wir brauchen, wäre ohne eine Verpackung längst defekt, verloren oder verdorben, bevor es uns erreicht.“ Dabei räumt das Institut ein, dass es im Umkehrschluss nicht heißt, dass wir umso besser leben, je mehr Verpackungen wir verwenden. „Und es bedeutet auch nicht, dass jede Verpackung per se gut gemacht und sinnvoll ist“, urteilt das Deutsche Verpackungsinstitut. Es zeige aber, dass es ohne Verpackungen nicht geht. „Die Verpackung ist eines der hochentwickeltsten Produkte unserer Zeit. Sie dient uns für die unterschiedlichsten Zwecke und Aufgaben, präsentiert sich in den unterschiedlichsten Farben und Formen, Materialien und Designs“. Über die Jahre habe die Verpackung immer mehr Aufgaben übernommen. Verpacken sei Hightech geworden und die Entwicklung gehe weiter.


17 Millionen Tonnen


Der weltweite Markt für Verpackungen wird auf rund 565 Milliarden Dollar (463 Milliarden Euro) geschätzt. In mehr als 5.000 Unternehmen arbeiten 500.000 Beschäftigte in der Verpackungswirtschaft von Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Deutschland sind allein 115.000 Beschäftigte in der verpackungsherstellenden Industrie tätig. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen sind klassische Mittelständler, darunter viele Hidden Champions. Die Gesamtleistung der Verpackungswirtschaft in Deutschland beträgt über 50 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts. Etwa 70 Prozent des Umsatzes werden im Inland erwirtschaftet. Eine positive Bilanz zieht der Gemeinschaftsausschuss Deutscher  Verpackungshersteller (GADV) mit Blick auf das Jahr 2016. 19 Millionen Tonnen Packmittel und damit drei Prozent mehr wurden hergestellt. Der Umsatz legte um 2,1 Prozent auf rund 32 Milliarden Euro zu. Wie in den Jahren zuvor generierten die Kunststoffverpackungen mit einem Anteil von rund 44 Prozent den größten Anteil am Umsatz. Mengenmäßig waren die Verpackungen aus Papier, Karton und Pappe mit rund 46 Prozent wieder die größte Packmittelfraktion. Bei der Produktion konnten nahezu alle Packmittelfraktionen wieder deutliche Zuwächse verzeichnen. Am stärksten zeigten sich die  Metallverpackungen aus Stahl mit einem Plus von etwa 13 Prozent. Auch die Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton legten deutlich um 3,3 Prozent zu, gefolgt von Glasverpackungen (plus 2,0 Prozent) und Kunststoffverpackungen (plus 1,1 Prozent). Rückläufig zeigte sich dagegen die Produktion bei den Metallverpackungen aus Aluminium (minus 2,0 Prozent). Auf 17 Millionen Tonnen Kunststoff-, Papp- und Papierverpackungen kommen die Deutschen, Tendenz steigend. Das sind 218 Kilogramm pro Kopf und Jahrund damit mehr als in jedem anderen EU-Land. Zum Vergleich: In Österreich sind es 150, in Schweden sogar nur 109 Kilogramm. Jeder einzelne Bundesbürger verbraucht 2.200 Verpackungen pro Jahr oder sechs Verpackungen pro Tag.


Produkte schützen


Dabei spielen nicht nur die Verpackungen eine Rolle, die der Endverbraucher nutzt: Die Verpackung muss Produkte schützen, haltbar sowie transportierbar machen und nicht zuletzt ästhetisch überzeugen. Auch Industriegüter müssen gut und sicher verpackt sein, damit sie den Anwender oder Verbraucher in tadellosem Zustand erreichen. Oft legen die Waren weite Strecken auf dem Weg zu ihrem Bestimmungsort zurück, auf holprigen Straßen, ruckelnden Schienen oder bei hohem Wellengang. Optimalen Schutz auf den strapaziösen Reisen bieten hochwertige Industrieverpackungen aus ganz unterschiedlichen Materialien. Abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse der Produkte und Transportwege können Paletten und Kisten aus Holz oder Wellpappe, zusammenklappbare Transportbehälter oder Gitterboxen aus Kunststoff, Transportgestelle,  Luftpolsterverpackung, Säcke oder spezielle Gefahrgut- und Heavy-Duty-Verpackungen geeigneten Schutz leisten. Reinhold Häken | redaktion@niederrhein-manager.de

Ausgabe 05/2018