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Ausstellungsansicht der Galerie kunst-raum schulte-goltz+noelte in Essen

„Auch ein Investment in sich selbst“

Wer mit Kunst Geld verdienen will, benötigt viel Fachwissen. Vor allem aber sollte man große Freude an ihr haben.



Kunst hat für viele Menschen etwas Elitäres, Intellektuelles, vielleicht auch Mysteriöses. Etwas, zu dem man nicht mal eben Zugang findet. „Welchen Stellenwert hatte und hat Kunst im eigenen Lebensumfeld? Wie war der Kunstlehrer in der Schule? Wie alt ist man? Antworten auf solche Fragen erklären, wie eine Person Kunst wahrnimmt“, sagt Galerist Colmar Schulte-Goltz. „In Zeiten befristeter Arbeitsverträge und häufiger Ortswechsel entwickelt sich das Interesse am Kunstkauf häufig später. Viele Menschen sind erst mit 40 ‚angekommen‘ und bemerken dann, was ihnen fehlt: ein schickes Kunstobjekt für ihr Zuhause“, erklärt Schulte-Goltz.
In einer Ära der Niedrigzinsen ist damit auch immer häufiger die Suche nach einem Investment verbunden: Laut Art Market Report der Kunstmesse TEFAF erreichte der weltweite Umsatz mit Kunst im Jahr 2014 ein Allzeithoch von 68 Milliarden Dollar! 2015 ging dieser Trend mit 63 Milliarden Dollar wieder etwas zurück. Branchenkenner sehen in dieser Entwicklung aber weder eine Blase noch eine Krise, vielmehr haben sich die Wogen nach einer überaus starken Konzentration auf Sachwerte in den letzten Jahren wieder etwas geglättet. Größter Markt mit 43 Prozent Anteil sind aktuell die USA, gefolgt von Großbritannien (21 Prozent) und China (19 Prozent). Wer im sehr international aufgestellten Kunstmarkt richtig Geld verdienen will, braucht also auch ein Kunstwerk, das internationalen Maßstäben gerecht wird.

Für wen macht ein Investment Sinn?


Die Renditen, die mit Kunst erwirtschaftet werden, können sich auf den ersten Blick durchaus sehen lassen: Ein Ökonom der Universität Luxembourg zum Beispiel hat kürzlich herausgefunden, dass Gemälde aller Stilrichtungen und Epochen zwischen 1972 und 2010 im Durchschnitt jährlich 6,5 Prozent Zuwachs brachten. Mit 8,4 Prozent schnitten Werke aus der Nachkriegszeit und Gegenwart besonders gut ab. Die genannten Renditen fußen allerdings auf der sehr starken Wertsteigerung einer überschaubaren Zahl von Künstlern – und selbst bei denen gibt es teilweise große Unterschiede zwischen ihren einzelnen Werken. Auf den Käufer kommen zudem eine Menge Kosten zu: Bei einer Auktion etwa hat er mit einem Aufschlag von bis zu 25 Prozent zu rechnen. Um überhaupt wieder Gewinn zu machen, müsste er das erstandene Werk dann einige Jahre behalten. Etablierte und erfolgreiche reine Kunstfonds, in die man investieren könnte, hat der Markt noch nicht hervorgebracht. Welche Arbeiten von welchen Künstlern in den nächsten Jahren gefragt sein werden, das kann man also nur mit viel Fachwissen einschätzen – oder man engagiert einen guten Berater, der seinen Preis hat. So verwundert es nicht, dass Ralf Scherling von der Verbraucherzentrale NRW Kunst als ein sehr risikobehaftetes Investment einsortiert, auf das man im Zweifel auch verzichten können sollte.  „Dieses Investment eignet sich für drei Gruppen. Erstens: Fachleute, die durch ihr Wissen
die Wertentwicklung gut absehen können. Zweitens: Vermögende, die eine alternative Geldanlage suchen. Drittens: Hobbysammler, die primär eine ‚emotionale Rendite‘ erwirtschaften wollen.“ Diese emotionale Rendite – oder auch die Freude an der Kunst – sollte über allem stehen: Solch einen Gegenstand hat man unter Umständen ein Leben lang und Wertverlust ist weniger schlimm, wenn man sich an dem Objekt erfreuen kann. Wie bei allen Investments rät Scherling dazu, nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Fünf Bilder à 5.000 Euro sind aus ökonomischer Perspektive sinnvoller als ein Bild für 25.000 Euro. Und je mehr persönliches Vermögen vorhanden ist, desto eher lohne sich natürlich ein externer Berater.

Wie findet man das richtige Kunstobjekt?


Wer überlegt, in Kunst zu investieren, hat heute bereits viele Möglichkeiten, sich selbst vorab ein solides Grundverständnis anzueignen. Im Internet gibt es zahlreiche Foren wie zum Beispiel www.artfacts.net, Museen und Sammlungen ermöglichen einen guten Überblick zu unterschiedlichsten Themen sowie Epochen und Kunstmessen wie die TEFAF in Maastricht zeigen sämtliche Trends. So findet man recht gut heraus, was einem gefällt. „Ich kann auch empfehlen, sich auf dieser Suche ein Kunstwerk bei einer Artothek auszuleihen“, sagt Colmar Schulte-Goltz. Wenn die Geschmacksfrage geklärt ist, stellt sich die Frage: Unikat oder Auflagenkunstwerk? „Es kann sich durchaus lohnen, auch am Anfang schon ein günstigeres Unikat anstelle eines Multiples zu erwerben. Denn was viele Anfänger unterschätzen: Bei der Anschaffung eines günstigeren Kunstwerks auf Papier, also einer limitierten Druckgraphik, verlangt es Umsicht. Papier ist ein empfindliches Material. Es braucht entsprechendes Glas, ein Passepartout und einen Rahmen – und das addiert sich auf den niedrigeren Anschaffungspreis“, so der Galerist. Weniger empfindlich sind dagegen etwa Skulpturen, Bronzen oder Gemälde auf Holz, Leinwand oder Aluminium. Aus der Investment-Perspektive kommt es dann noch auf einige andere Dinge an: Hat der Künstler eine renommierte Akademie besucht oder ist er „nur“ Autodidakt? Ist der Künstler bereits in Sammlungen und Museen vertreten? Welches Renommée haben diese? Ist der Künstler regional, national oder international bekannt? Welche Preise gibt es für vergleichbare Künstler und Kunstwerke? All diese Faktoren fließen schließlich bei der Preisfindung ein. „Auch das Investment in einen noch relativ unbekannten Künstler kann sich lohnen, weil dort im günstigen Fall die Wertentwicklung in den ersten Jahren besonders stark ist. Wenn ich mich als Galerist mit einem solchen Künstler über Jahre beschäftige und ihn fördere, ist das natürlich bereits ein Qualitätshinweis“, erklärt der Experte. So gibt es durchaus interessante Investment-Objekte, die nicht in die Tausende Euro gehen müssen.
Auf welchen Kunstgegenstand die Wahl letztendlich fällt, ist eine sehr subjektive Entscheidung, denn über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Und: „Kunst muss nichts. Sie sollte nicht gekauft werden, weil sie zu etwas – etwa dem beigen Sofa – passt.  Kunst sollte Spaß machen, Energie geben. Sie ist immer auch ein Investment in sich selbst“, weiß Colmar Schulte-Goltz. Thomas Corrinth I redaktion@rhein-wupper-manager.de

Ausgabe 04/2016