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Ob Feuer oder Betriebsunterbrechung, Versicherungsschutz für Unternehmen hat viele Gesichter Foto: ©RAM – stock.adobe.com

Versicherungsschutz unnötig?

Privat wie auch geschäftlich sollten Unternehmer ihren Versicherungsschutz regelmäßig analysieren und prüfen, welche Versicherung wirklich benötigt wird – und wo bislang unentdeckte Risiken lauern.



Hackerangriffe, Feuer auf dem Werksgelände oder kaputte Maschinen: Gerade für Unternehmer gibt es zahlreiche Risiken, die sie absichern müssen, und noch viel mehr Versicherungsangebote, die sie dafür abschließen könnten. Die mit Abstand wichtigste Versicherung für Mittelständler ist aus Expertensicht die Betriebshaftpflichtversicherung. „Wenn zum Beispiel bei der beruflichen Ausübung ein Missgeschick passiert und der Kunde vom Unternehmen Schadensersatz fordert, springt diese Versicherung ein“, erklärt Christian Parschik, Experte für Gewerbeversicherungen beim Online-Vergleichsportal Finanzchef24. Aktuell hat sich in Deutschland das Schuldrecht geändert. Diese Entwicklung löst allerdings für Unternehmer keinen Handlungsbedarf aus, „da in Policen, die eine erweiterte Produkthaftpflicht einschließen, bereits Versicherungsschutz besteht“, sagt Markus Müller, einer der beiden Geschäftsführer der Carl Jaspers Versicherungskontor GmbH.

Als die drei Bereiche, in denen ein Schaden für das Unternehmen die größten Verluste verursachen würde, benennen die 1.006 Befragten einer KMU-Studie der Gothaer-Versicherung von Mitte 2017 vor allem das Computersystem inklusive der Daten, gefolgt von den Gebäuden und Maschinen. Für Betriebe aus dem produzierenden Gewerbe sei daher eine Maschinenbruchversicherung sinnvoll, sagt Parschik. Wenn beispielsweise ein Teil der Fertigungsstraße kaputt geht, springt diese Versicherung ein und übernimmt die Reparaturkosten.

Anlage- und Umlaufvermögen absichern

Für Betriebe, die Verkaufsräume, ein Lager oder eine Produktionsstätte haben, lohnt sich Parschik zufolge eine Geschäftsinhaltsversicherung. „Sie sichert Waren und Einrichtung gegen verschiedene Gefahren zum Neuwert ab. Zusätzlich kann hier ein Baustein verankert werden, der bei einer Betriebsunterbrechung, zum Beispiel durch Wasserschaden, Fixkosten und Gewinnausfälle übernimmt“, empfiehlt Versicherungsexperte Parschik. „Unabhängig von der individuellen Risikosituation ist es in den meisten Fällen erforderlich, das Anlage- und Umlaufvermögen sowie Vermögensfolgeschäden abzusichern“, ergänzt Müller, „auch die Beschaffungsrisiken durch Zulieferer werden oft unterschätzt oder schlichtweg nicht bewertet“.

Auch eine Rechtsschutzversicherung ist aus Parschiks Sicht empfehlenswert, da diese die Rechtsanwaltskosten unter anderem für Streitigkeiten mit ehemaligen Arbeitnehmern wegen Arbeitszeugnissen übernimmt. „Der Vorteil dieser Versicherung ist der modulare Aufbau und damit die Möglichkeit, dass Unternehmer sich nur für die Fälle absichern, die sie wirklich benötigen“. Eine Rechtsschutzversicherung hat auch aus anderen Gründen Sinn, da das Risiko der strafrechtlichen Verfolgung und die mit der Verteidigung verbundenen Kosten laut Versicherungsexperte Müller oftmals unterschätzt werden. Er spricht von Schadenshöhen durchaus im siebenstelligen Bereich.

Der Unternehmer sollte laut Müller außerdem berücksichtigen, welche Risiken sich gegebenenfalls aus der Internationalität ergeben, also in Bezug auf die Gesetzgebung, Politik sowie Standortrisiken. Daher sollten Unternehmer laut des Versicherungsexperten bei der Auswahl ihres Versicherungsexperten darauf achten, dass dessen Dienstleistungsspektrum die für das jeweilige Unternehmen relevanten Aspekte beinhaltet. Etwa die weltweite Untersuchung der internen sowie externen Abhängigkeiten von Lieferanten und Abnehmern, die Abschätzung möglicher Sachschäden und Stillstände, Haftungsrisiken, die Bewertung von Gefahr- und Kostentragungs-Vereinbarungen, Ladungssicherungen etc.

Unternehmer unterschätzen IT-Risiken

Da in vielen großen mittelständischen Betrieben, aber auch kleineren wie Kfz-Werkstätten, zahlreiche Prozesse über das Internet gesteuert werden, ist laut Parschik gerade für Mittelständler mit eigener Internetseite eine Cyberversicherung sinnvoll. „In Hotels, die Chipkarten als Türöffner verwenden, kann eine Online-Phishing-Attacke ganz schnell den gesamten Betrieb lahmlegen“, warnt der Experte. Dennoch beschäftigen sich bisher zu wenige Mittelständler mit dieser Versicherung. Das liegt Parschik zufolge unter anderem auch daran, dass die Sensitivität für diese Risiken noch wenig vorhanden ist.

Diese Vermutung unterstützt auch die KMU-Studie der Gothaer-Versicherung. So halten es 35 Prozent der 1.006 befragten kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland für wahrscheinlich, dass ihr Unternehmen von Cyber-Risiken wie einem Hackerangriff oder Datendiebstahl betroffen sein könnte. Am meisten fürchten sich 41 Prozent der befragten Experten vor Einbrüchen sowie Vandalismus, gefolgt von menschlichem Versagen; eine Sorge, die 36 Prozent umtreibt. IT-Risiken liegen damit zwar knapp dahinter auf Platz drei der größten Risiken, die Sorge davor ist unter den Befragten aber im Vergleich zu 2015 um fünf Prozent und damit vergleichsweise am meisten angestiegen. „Bei Unternehmen, die einen Online-Shop betreiben, ist das größte Risiko das einer Urheberrechtsverletzung“, erklärt Parschik. Dieses Risiko ist laut des Experten nicht durch die Betriebshaftpflichtversicherung abgesichert. „Gerade bei Fotos, für die ein Unternehmer eine Lizenz erworben hat, und bei denen sich dann die Rechte ändern, kann es zu Urheberrechtsverstößen kommen“, warnt der Experte. Daher sollten sich Firmen mit Online-Shop Parschik zufolge überlegen, in eine Vermögensschadens-Haftpflichtversicherung zu investieren. „Auch den Zahlungsverkehr über den Online-Shop können Unternehmer separat absichern, damit auch der Missbrauch oder die Entwendung der Zahlungsdaten abgesichert ist“, so der Experte weiter. Wie tief Unternehmer für ihren Versicherungsschutz in die Tasche greifen müssen, differiert laut Müller naturgemäß stark nach dem erzielten Umsatz, Größe und individueller Risikosituation. „Das heißt, dass individuelle Lösungen häufig von Mindestprämien abhängig sind und unterhalb bestimmter Schwellenwerte vielfach nur recht pauschale Deckungen verfügbar sind“, so Müller. Das ändert laut des Experten allerdings nichts an der Notwendigkeit, die Risiken zu erkennen und zu bewerten. Generell sollten mittelständische Unternehmer einmal im Jahr ihren Versicherungsbedarf auf die Probe stellen, rät Parschik, „da sich Versicherungstarife und die Unternehmensbereiche selbst von Jahr zu Jahr verändern und Unternehmer durch neue Tarife mitunter viel Geld sparen können“. Oft beobachtet er, „dass der Grundbedarf an Versicherungen nicht gedeckt ist und darüber bei vielen, gerade kleineren Mittelständlern Unklarheit besteht“.

Barbara Bocks | redaktion@regio-manager.de

Ausgabe 02/2018