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(Foto: © Alterfalter – stock.adobe.com)

Druckindustrie

Totgesagte leben länger

Print stirbt, weil alles online geht? Das stimmt so nicht. Trotz schwieriger Bedingungen ist der Umsatz der Druckerei-Branche seit 2009 konstant.



Produkte der Druckindustrie finden sich überall – ein großer Vorteil für die Gesamtbranche, so der Bundesverband Druck und Medien (bvdm). Dass davon nicht jede Druckerei profitieren kann und konnte, haben die vergangenen Jahre gezeigt, in denen viele, insbesondere kleine Betriebe vom Markt verschwunden sind oder von größeren Wettbewerbern übernommen wurden. Zwar machen die kleinen Druckereien mit weniger als zehn Beschäftigten immer noch das Gros der Branche aus. Jedoch stellten diese Druckereien 2017 gerade einmal 16.794 der 133.481 Beschäftigten der Branche. Die 258 Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten jedoch kamen mit 53.679 Mitarbeitern fast auf die Hälfte der Arbeitnehmer.

Seit 2009 haben sich die Umsätze der Branche abgesehen von kleineren Schwankungen kaum verändert. Wurden 2009 noch 20,8 Milliarden Euro umgesetzt, waren es 2017 ebenfalls 20,8 Milliarden Euro. Diese Konstanz ist erfreulich und spricht stark dafür, dass Print auch in Zukunft eine glänzende Zukunft hat. Denn Werbedrucke und Kataloge machen über 40 Prozent des Auftragsvolumens aus. Zeitungen zehn und Zeitschriften 8,1 Prozent. All diese Print-Produkte erfahren seit Jahren eine harte Konkurrenz aus dem Online-Bereich, können sich jedoch offensichtlich ziemlich gut behaupten.

Sinkende Verkaufspreise für eigene Produkte und Dienstleistungen sowie steigende Kosten sorgen weiterhin für einen hohen Wettbewerbsdruck und eine angespannte Ertragslage. Dennoch erwartet die Branche laut Jahresgutachten des bvdm steigende Umsätze und gestiegene Geschäftschancen in ergänzenden Dienstleistungen rund um das gedruckte Produkt. Das aktuell gute Finanzierungsklima führt dazu, dass die Betriebe stark investieren – etwa in Weiterbildungen, Software und  Prozessoptimierungen.

Erfolgsfaktor online 

Zwei wesentliche Trends haben den Markt der Druckereien in den vergangenen Jahren beherrscht und vielen Unternehmen das Überleben gesichert: Online-Shops und Digitaldruck. Online-Druck ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der Druckindustrie geworden. Nach Angaben der Zipcon Consulting GmbH erwirtschafteten 2015 mehr als 1.950 Online-Shops rund 6,1 Milliarden Euro Umsatz im deutschsprachigen Raum. Möglich macht das sicher ein hoher Grad an Automatisierung, aber auch handwerkliche Ausrichtungen des Druckgewerbes seien über das Netz enorm erfolgreich.

Innerhalb von sieben Jahren ist der Anteil digitaler Druckprodukte am Gesamtmarkt um fast 108 Prozent gestiegen. Der bvdm errechnete hier quartalsweise Steigerungen von 13 Prozent bei Plakaten und 408 Prozent bei Katalogen. Neue Chancen für Druckunternehmen lägen darin, die zunehmende Verzahnung unterschiedlicher Medienkanäle aktiv zu gestalten und weiterzuentwickeln. Selbst im Zeitungsdruck gibt es ein erstes Beispiel – zugegeben nicht in Deutschland – für eine rein digitale Produktion. Mengis Druck im schweizerischen Visp produziert auf diese Weise den „Walliser Boten“ – in Nachtschicht auf Maschinen, die tagsüber Bücher, Beilagen und Landkarten fertigen. „Ein derartiges Produktionssystem setzt ein sehr spezielles Geschäftsmodell voraus. Für die Mehrzahl der Zeitungsdruckereien dürfte der Offsetdruck noch für lange Zeit die zweckmäßigste Technologie sein“, schätzt der Bundesverband Druck und Medien die mittelfristige Marktlage ein. Aber auch hier arbeiten die Hersteller an effizienteren Systemen und stärkerer Automatisierung, um bei allgemein weiter sinkenden Auflagen Kosten zu sparen.


Herausforderungen der Branche


Neben dem hohen Konkurrenzdruck und der sich rasant entwickelnden Technologie beschäftigt sich die Branche immer wieder auch mit anderen Herausforderungen, die vor allem mit Auflagen und Regeln aus der Politik zusammenhängen. Umweltfreundlichkeit, z.B. bezogen auf Papierherstellung und verwendete Farben, hat die Branche über die Jahre weitestgehend in den Griff bekommen. Dennoch gibt es auch hier immer wieder neue Herausforderungen. So tritt am 1. Januar 2019 ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, dessen Hauptziel es ist, wesentlich mehr Abfälle aus privaten Haushalten zu recyceln. Verpackungshersteller sollen stärker dazu angehalten werden, die Recyclingfähigkeit ihrer Verpackungen zu berücksichtigen.
Wie auch andere Branchen ist die Druckindustrie inzwischen schon merklich vom Fachkräftemangel betroffen. Ausbildungsplätze bleiben aufgrund fehlender oder ungeeigneter Bewerbungen unbesetzt. Fachkräfte wie Medientechnologen Druck oder Medientechnologen Druckverarbeitung werden teils händeringend gesucht. Die nicht besetzten Stellen beeinträchtigen inzwischen 61 Prozent der Unternehmen in ihrer Geschäftstätigkeit, 15 Prozent sogar sehr. Eine weitere Herausforderung betrifft nicht den Druckbetrieb selbst, aber den Fortbestand vieler familiengeführter Unternehmen der Branche: Die Erbschaftssteuer und hier insbesondere die ständigen Änderungen der Besteuerungsregeln sind dem Bundesverband als Dauerbaustelle ein Dorn im Auge. Das Bundesverfassungsgericht hatte seit 1995 die politisch gewollten Regelungen für verfassungswidrig erklärt. Von den jüngsten Plänen wären familiengeführte Druckbetriebe massiv betroffen, denn allein der materielle Wert der meisten Maschinenparks beträgt oft mehrere Millionen Euro. Das wichtigste Ziel aus Sicht des bvdm ist eine mittelstandsfreundliche Lösung, die auch der spezifischen Situation der Druck- und Medienunternehmen genügt und damit verfassungsfest ist. Stefan Mülders | redaktion@muensterland-manager.de

Ausgabe 05/2018