Unternehmenspraxis

(Foto: ©simoneminth – stock.adobe.com)
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PERSONAL & KARRIERE

Immer weniger Ausbildungsverträge

Auszubilden ist im Jahr der Corona-Krise für viele Unternehmen ein Kraftakt. In vielen Betrieben fehlte der Nachwuchs schon vor der Krise. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, haben in den vergangenen Jahren immer weniger Menschen eine Ausbildung in der Gastronomie, Hotellerie, im Tourismus sowie im Einzelhandel begonnen. Im Jahr 2019 wurden 77.000 neue Ausbildungsverträge in diesen Branchen abgeschlossen und damit 28 Prozent weniger als im Jahr 2010. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Durchschnitt: In allen dualen Ausbildungsberufen wurden insgesamt acht Prozent weniger Neuverträge als noch vor zehn Jahren abgeschlossen. Kauffrau oder Kaufmann im Einzelhandel ist der Ausbildungsberuf, in dem die meisten Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr neu abgeschlossen wurden. Mehr als 26.000 Neuabschlüsse verzeichnete die amtliche Statistik im Jahr 2019. Ein Zeitvergleich offenbart allerdings: Die Neuvertragsabschlüsse gehen seit Jahren überdurchschnittlich zurück, 2019 gab es 22 Prozent weniger Neuabschlüsse für eine Ausbildung als Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel als noch vor zehn Jahren (2010: 33.000). Besonders dramatisch erscheint die Lage in der Gastronomie: Im vergangenen Jahr begannen hier 15.000 Menschen eine berufliche Ausbildung, zehn Jahre zuvor waren es noch 28.000. Die Zahl aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist seit Jahren rückläufig. Während 2010 noch 559.000 Verträge abgeschlossen wurden, waren es 2019 nur noch 513.000. Insgesamt befanden sich am 31. Dezember 2019 rund 1,3 Millionen Personen in einer dualen Berufsausbildung, zehn Jahre zuvor waren es noch 1,5 Millionen – ein Minus von fast zwölf Prozent.

Mittelstand fehlen studentische Hilfskräfte

Wer im Mittelstand studentische Hilfskräfte einsetzt, muss laut Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) gegenwärtig mit erheblichem Mehraufwand und Kosten rechnen. So planen Universitäten, wegen der Corona-Krise bisher nicht absolvierte Prüfungstermine über mehrere Wochen nachzuholen. Dies führt zu längerfristigem Ausfall der Studierenden in den Unternehmen. Dazu Mittelstandspräsident Mario Ohoven Ende Juli: „Der Mittelstand trägt die Hauptlast der Ausbildung und wird von der Politik im Stich gelassen.“ Mittelständische Unternehmen berichten von Masterstudierenden, die aktuell bis zu acht Wochen lang an Prüfungen teilnehmen sollen. Gleichzeitig sind diese Studierenden jedoch fest in Projekte und die Produktentwicklung der Unternehmen eingebunden. Auch dual Studierende, die durch die Planung der Hochschulen weniger Praxisphasen in den Betrieben haben, sorgen für erheblichen Verwaltungs- und Organisationsaufwand durch Personalausfall sowie für Mehrkosten in den Betrieben. Besonders kleine und mittlere Unternehmen setzen seit Jahren auf die tatkräftige Unterstützung der Studierenden, denn so wird der eigene Fachkräftenachwuchs durch gezielte Ausbildung gefördert. Hier sei die Politik gefordert, so Ohoven: „Mittelständler sind gerade in der Krise mit ihren geringeren Personalressourcen auf Planungssicherheit seitens der Universitäten angewiesen.“.

Studie zu Migrationshintergrund bei Lehrern

Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund haben einen positiven Einfluss auf die Sprachfähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler. Die Lesefertigkeiten der Schulkinder entwickeln sich bei ihnen besser als bei anderen Lehrkräften. Davon profitieren vor allem Schulkinder, die selbst aus einem Haushalt mit Migrationsgeschichte kommen. Besonders groß ist der Effekt bei Lehrkräften mit zwei Muttersprachen – sie steigern auch die Lesefertigkeiten von Schulkindern ohne Migrationshintergrund deutlich. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Für die Studie wurden Daten der Sekundarstufe I (Klasse 5–10) des Nationalen Bildungspanels (NEPS) genutzt. Durch die Längsschnittstruktur der Daten konnte analysiert werden, wie sich der Leistungszuwachs der Schulkinder mit einer Lehrkraft mit Migrationshintergrund im Vergleich zu einer Lehrkraft ohne Migrationshintergrund veränderte. „Besonders für Kinder mit Migrationshintergrund sind gute Sprachfähigkeiten für die berufliche Zukunft entscheidend“, sagt RWI-Wissenschaftlerin und Studienautorin Lisa Sofie Höckel. „Die Studie zeigt, dass sich Lehrkräfte mit Migrationshintergrund positiv auf die Leseleistungen der Schüler auswirken. Bisher sind sie an deutschen Schulen aber deutlich unterrepräsentiert.“

KONJUNKTUR

Krise: Nahe Urlaubsziele gesucht

Die Corona-Krise hat im Sommer das Interesse am Inlandstourismus verstärkt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Dresdner Niederlassung des ifo Instituts auf Basis von Daten von Google Trends für die Jahre 2018 bis 2020. Bundesweit ist das für viele beliebte Urlaubsziele zu beobachten – einige erreichten sogar doppelt so viele Suchanfragen wie in den Vorjahren. Für ausländische Urlaubsorte ist das nicht der Fall, bis auf wenige Ausnahmen, wie beispielsweise Kroatien oder die Türkei. Anhand der Daten ist für Urlaubsziele wie die Nordsee, die Sächsische Schweiz oder den Schwarzwald das durch Covid-19 bedingte Urlaubertief aus den ersten Monaten des Jahres überwunden. Bei der Ostsee, dem Spreewald sowie bei Deutschlands großen Seen wie dem Bodensee, dem Chiemsee und der Mecklenburgischen Seenplatte zeigt sich sogar ein doppelt so starkes Suchvolumen. „Fraglich ist allerdings, ob die Verschiebung zum Inland auch in den Folgejahren erhalten bleibt und ob der Zuwachs an deutschen Urlaubern in diesem Sommer den Mangel an ausländischen Urlaubern ausgleichen kann“, sagt Autorin Katharina Heisig. „Denn diese Verschiebung hin zum Inlandstourismus ist vermutlich auch in anderen Ländern zu beobachten, weshalb der größte Teil der ausländischen Touristen wegbleiben wird.“ 

DIHK: BIP-Rückgang von zehn Prozent

Der historische Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal stützt die Erwartung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dass der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auch im Gesamtjahr zweistellig ausfallen dürfte. Wie das Statistische Bundesamt meldet, ist das deutsche BIP im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 10,1 Prozent gesunken. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen für Deutschland im Jahr 1970. „Die Zahlen zeigen, wie sehr die Corona-Krise die deutsche Wirtschaft getroffen hat“, so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben zu der Entwicklung. Zum Glück hätten viele Betriebe den Tiefpunkt inzwischen hinter sich, ein Teil sei aber immer noch stark betroffen. Insgesamt deuteten die DIHK-Umfragen darauf hin, dass eine schnelle wirtschaftliche Erholung noch nicht in Sicht sei. „Der Weg ist noch lang“, sagt Wansleben. „Neben Konjunkturprogrammen ist deshalb der Abbau von Handelshemmnissen wichtig.“ Für das Gesamtjahr 2020 rechnet der DIHK mit einem Rückgang des BIP von zehn Prozent. Das setze laut Wansleben allerdings eine allmähliche Erholung der hiesigen Wirtschaft voraus und insbesondere, dass es keine zweite Welle der Corona-Pandemie in Deutschland geben werde.

IMMOBILIEN

Studie: Wohnkosten halten sich im Rahmen

Die meisten Haushalte in Deutschland sind nicht von einer steigenden Wohnkostenbelastung betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Dennoch gibt es sozialpolitische Herausforderungen, die durch einen Mix an Instrumenten bewältigt werden können. Nie zuvor fiel der Begriff „soziale Frage“ in so vielen Plenardebatten des Bundestages wie in der aktuellen 19. Legislaturperiode. Das haben die Studienautoren anhand der Sitzungsprotokolle ausgewertet. Meist ging es in den Diskussionen um das Thema Wohnen. Allerdings ist es laut IW-Studie nicht richtig, dass Wohnen für immer mehr Menschen zum unbezahlbaren Luxus wird. Es ist demnach zwar unstrittig, dass der Quadratmeterpreis bei Neuvermietungen gerade in den Großstädten deutlich gestiegen ist: In den sieben größten Städten legte er seit 2010 jährlich real um 4,3 Prozent zu. Doch auf der anderen Seite sind die Einkommen der Mieterhaushalte bis zur Corona-Pandemie ebenfalls stark gestiegen – seit 2010 im bundesweiten Durchschnitt real um knapp sieben Prozent. „Die Wohnkostenbelastung, also die Wohnkosten im Verhältnis zum Einkommen, ist über Jahre praktisch konstant“, so das IW. Zudem seien hohe Mieten oftmals ein Problem jener, die eine neue Bleibe suchen: Der Preisunterschied zwischen Neuvertrags- und Bestandsmieten lag zwischen 2016 und 2018 im Schnitt bei 14 Prozent – deutlich höher als Mitte der 2000er-Jahre. Als Reaktion auf die steigenden Mieten geben sich Neumieter der Studie zufolge mit kleineren Wohnungen zufrieden. So halten sie trotz der Mietsteigerungen ihre Kosten im Rahmen: Wohnten Bestandsmieter 2018 auf 49,5 Quadratmetern pro Kopf, begnügten sich Mieter mit Neuverträgen mit durchschnittlich 45,6 Quadratmetern. Nichtsdestotrotz sieht die Studie auch die Verlierer am Mietwohnungsmarkt und warnt, dass sich ihre Lage durch die Corona-Pandemie verschlechtert. „Dagegen ist das Wohngeld ein sehr gutes sozialpolitisches Instrument“, sagt IW-Ökonom Maximilian Stockhausen. Das IW rät, darüber nachzudenken, ob der Kreis der Wohngeld-Berechtigten nicht zumindest in den teuren Metropolen vergrößert werden sollte.

RECHT & FINANZEN


Die Bundesbank hat im ersten Halbjahr 2020 rund 34.000 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von 1,6 Millionen Euro registriert. „Die Anzahl der 10- und 20-Euro-Fälschungen am Gesamtaufkommen ist gegenüber den Vorjahren deutlich gestiegen“, sagt Johannes Beermann, das für Bargeld zuständige Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. „Dabei handelte es sich vor allem um einfache Druckfälschungen ohne Sicherheitsmerkmale. Eigentlich sind diese Fälschungen leicht zu erkennen. Es steht sogar ‚MovieMoney‘ auf der Vorderseite oder ‚Prop copy‘ auf der Rückseite“, so Beermann weiter. Der Anteil der 10- und 20-Euro-Fälschungen am Gesamtaufkommen beträgt nun 46 Prozent, während es im zweiten Halbjahr 2019 noch 34 Prozent waren. Die Zahl aller Fälschungen stieg gegenüber dem zweiten Halbjahr 2019 um über 20 Prozent. Im europäischen Vergleich kommt Falschgeld in Deutschland weiterhin nur unterdurchschnittlich vor. „Das Risiko, in Deutschland mit Falschgeld in Berührung zu kommen, ist nach wie vor sehr gering. Rechnerisch entfallen pro Jahr rund acht falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner“, sagt Beermann.

Daniel Boss | redaktion@regiomanager.de

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Ausgabe 03/2020