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Quelle: Ralph Larmann/VPLT

Konzerte pushen Veranstaltungsbranche

Der Wandel in der Musikindustrie wirkt sich positiv auf die Entwicklung der Medien- und Veranstaltungstechnik aus. Fachkräftemangel droht aber auch hier.



Sie stemmen das Stadtfest, die Aktionärsversammlung, Konzerte der großen und kleinen Stars und sorgen dafür, dass Festivals in aller Welt technisch, visuell und hinsichtlich ihrer Special Effects zur Zufriedenheit von Veranstaltern und Besuchern ablaufen. Groß-Events wie zuletzt die Olympischen Spiele in Pyeongchang zeigen eindrucksvoll, insbesondere bei den aufwendigen Feiern zur Eröffnung und zum Abschluss, was die Unternehmen der Veranstaltungstechnik heutzutage zu leisten imstande sind. Das Land der nächsten Olympischen Winterspiele ist für Randell Greenlee, Bereichsleiter Politik & International im Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT), zumindest für die Hersteller in der Branche der Wachstumsmarkt der Zukunft: „Wir drängen diesen Teil unserer Mitgliedsunternehmen schon darauf, den chinesischen Markt im Blick zu halten und selbst dort aktiv einzusteigen.“ Die Hersteller von Veranstaltungstechnik sind aber nur ein Teil der heterogenen Mitgliederstruktur beim VPLT. Veranstaltungstechnische Dienstleister jedweder Größe – vom Großbetrieb bis zur Ein-Mann-Firma – und auf die Branche spezialisierte Personaldienstleister gehören ebenfalls zum Verband.

Boom Live-Musik

In der Veranstaltungsbranche ist das Beschäftigungspotenzial aktuell recht hoch – wenngleich es dabei durchaus unterschiedliche regionale Ausprägungen gebe. Gerade die Live-Musik ist ein regelrechter Boom-Markt für die Unternehmen und sorge damit auch für entsprechenden Personalbedarf. „Die Veränderungen in der Musikindustrie bleiben nicht ohne Auswirkungen auch auf unsere Mitglieder – in diesem Falle sind sie durch steigende Anzahl und immer höheren technischen Aufwand für die Veranstaltungen positiv.“ Der Trend weg von hohen Tonträgerverkaufszahlen hin zum Streaming von Videos und Musiktiteln sorgt für Umsatzeinbrüche bei Künstlern und Agenturen. Die Verdienstmöglichkeiten beim Musikstreaming sind im Vergleich sehr gering, und so müssen Künstler vermehrt auf öffentliche Präsenz, Touren und Auftritte setzen. Im „Global Music Report 2017“ hatte die Musikindustrie analysiert, dass der digitale Anteil am Gesamtmarkt 2016 bereits 50 Prozent der Gesamtumsätze ausmachte – nachdem er 2004 erstmals überhaupt erfasst worden war. Gleichzeitig war der Branchenumsatz innerhalb von 15 Jahren um fast 40 Prozent eingebrochen, ehe ab 2015 wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen war.

Doch auch für die Veranstaltungstechniker gibt es eine Kehrseite der Medaille. Das Geschäft ist gerade für kleine und mittelständische Betriebe stark saisonal ausgeprägt. „Da ist es in vielen Fällen gar nicht möglich, mit einem festen eigenen Personalstamm zu agieren. So gibt es immer noch viele selbstständige Einzelunternehmer in der Branche“, sagt Greenlee. „Wenngleich wir vor rund fünf Jahren noch deutlich mehr dieser Betriebe hatten als heute.“ Nur Unternehmen, die neben dem Festivalgeschäft auch anderweitig breit aufgestellt sind, können mit einem entsprechenden Pool eigener Mitarbeiter im Markt auftreten. Die anderen laufen darüber hinaus Gefahr, der Scheinselbstständigkeit zu unterliegen.

Politische Rahmenbedingungen verbessern

„Zwar gab es hier in den vergangenen Jahren bereits politische Ansätze, aber die reichen zumindest für unseren Verband nicht aus“, sagt Randell Greenlee. Daher sei es eine vordergründige Aufgabe des VPLT und anderer Branchenverbände wie dem Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv), für vernünftige arbeitsmarktpolitische Rahmenbedingungen zu sorgen. „Es braucht eine deutschlandweit einheitliche Konkretisierung der allgemein gehaltenen Bestimmungen zur Scheinselbstständigkeit. Bei gleichen Ausgangsvoraussetzungen und Fakten kommt es vor, dass Sozialgerichte unterschiedlich über den Status des Selbstständigen entscheiden.“ Hier brauche die Branche mehr Sicherheit, wie Scheinselbstständigkeit zu bewerten sei. Und die Fragestellung ist sehr komplex, insbesondere wenn es um die Ton- und Lichttechniker und deren künstlerischen Eigenanteil an der Gesamtveranstaltung geht. „Wir reden hier nicht über den Bereich der technischen Hilfskräfte, die beispielsweise für Auf- und Abbau benötigt werden. Dieser Bereich ist über die entsprechenden Personaldienstleister rechtskonform und eindeutig abgebildet.“

Laut einer durch die GfK durchgeführten „Strukturanalyse Medien- und Veranstaltungstechnik“ belief sich der Anteil der Unternehmen, die generell freie Mitarbeiter einsetzen, auf über drei Viertel. Davon wiederum lag der Anteil der selbstständigen Einzelunternehmer bei 87 Prozent, die restlichen 13 Prozent werden durch Personaldienstleister gestellt.

Wie auch andere Branchen sieht sich auch die Veranstaltungstechnik einem drohenden Fachkräftemangel gegenüber. Der VPLT bemüht sich um Bildungsinitiativen zur Etablierung von Spezialisten, etwa der Höhenarbeiter in der Veranstaltungstechnik (sogenannte Rigger), die unterhalb der Fortbildungsqualifikation „Meister für Veranstaltungstechnik“ anzusiedeln sind. Außerdem wolle man grundsätzlich die Berufsqualifikation in der Branche verbessern.

Aufstrebende Branche

Angetrieben durch den Aufschwung in der Live-Musik sieht sich die gesamte Medien- und Veranstaltungstechnik im Wachstum. Auch der Aufwand für Firmen-Events steigt stetig, Messen und Ausstellungen machen nach wie vor einen großen Teil des Geschäfts für die Unternehmen aus. Mit statistischem Datenmaterial tut die Branche sich noch etwas schwer, aber auf Basis verschiedenster Quellen wie der Umsatzsteuerstatistik oder der vor kurzem veröffentlichten Studie des bdv lässt sich dem Veranstaltungsmarkt ein Gesamtumsatz von fast fünf Milliarden Euro zuordnen. Der VPLT hat in der bereits erwähnten eigenen Strukturanalyse 2016 unter den Mitgliedsunternehmen die Umsatzgrößen feststellen lassen. Der durchschnittliche Jahresumsatz lag hier bei rund 3,88 Millionen Euro, wobei sowohl der Anteil derer mit bis zu 250.000 Euro als auch derer mit über einer Million Euro bei jeweils fast einem Drittel lag. In ihrer Erwartung für 2016 gaben über 90 Prozent der antwortenden Unternehmen steigende (47 Prozent) oder zumindest gleich bleibende (45 Prozent) Umsätze an.

Stefan Mülders | redaktion@regio-manager.de

Ausgabe 02/2018