Image
Foto: © Boris Bertram
Anzeige

Massenberg

Jungbrunnen für Beton und Stahl

Eines der größten deutschen Unternehmen für Korrosionsschutz und Betoninstandsetzung ist nach stetigem Wachstum nun auch in Köln vertreten.



Zum legendären Ruf der deutschen Wirtschaft gehören Pünktlichkeit und Termintreue, und der Industriedienstleister Massenberg dürfte zu einem kleinen Teil dazu beigetragen haben. Vom Stammsitz Essen aus hat Massenberg in 112 Jahren Firmengeschichte Kernbereiche der deutschen Wirtschaft begleitet: etwa bei der Sanierung von Kraftwerkskühltürmen, bei der jeder Tag Verzögerung dazu führt, dass kein Strom produziert und somit kein Geld verdient werden kann, oder bei der Sanierung von Parkhäusern, bei denen jeder Tag Ausfall gleichfalls die Einnahmen mindert. Oder bei der Sanierung der Tribünen im Dortmunder Stadion – eine jahrelange generalstabsmäßige Aktion, die jeweils auf den Tag genau abgeschlossen sein musste, damit pünktlich zum Saisonstart der BVB wieder spielen konnte.

Verkehrsgünstiger neuer Standort

Massenberg ist mit seinen vier Kernkompetenzen Betoninstandsetzung – gut für rund die Hälfte der Umsätze –, Korrosionsschutz, kathodischer Korrosionsschutz – gut für je 20 Prozent – und Malerarbeiten seit Mitte 2017 auch im Südosten von Köln vertreten. „Der neue Standort liegt sehr verkehrsgünstig“, sagt die Kölner Geschäftsstellenleiterin, Diplom-Ingenieurin Heike Koitsch. „Wir können nun noch besser den Raum Richtung Koblenz abdecken“, ergänzt Massenberg-Geschäftsführer Heiner Stahl. In Köln sind vier Kräfte mit Fragen der Bauleitung, Kalkulation und sonstigen Verwaltung befasst; 15 gewerbliche Mitarbeiter für die Arbeit auf der Baustelle kommen hinzu. Wie an allen Standorten ist auch in Köln das komplette gewerbliche Personal umfassend zertifiziert, u.a. nach ISO 9001 und dem Sicherheitszertifikat SCC. Die Mitarbeiter haben entweder einen Hintergrund als Betonbauer oder Maurer oder als Maler und Lackierer, Fachrichtung Bauten- und Korrosionsschutz.

Flächendeckende Präsenz

Im Laufe der Zeit hat Massenberg ein Netz klug durch die deutschen Lande gesponnen. In Bürstadt im südlichen Hessen entstand vor gut 50 Jahren die erste Niederlassung. Massenberg folgte damals dem Energieversorger RWE, um den Korrosionsschutz für ein neues großes Umspannwerk herzustellen. Diese erste Niederlassung liegt günstig zwischen den Wirtschaftsräumen Rhein-Main und Rhein-Neckar. Hinzu kommt eine Vertretung in Moritzburg bei Dresden und im Emsland firmiert die von Massenberg übernommene Knoop GmbH – mit Zweigstelle in Wilhelmshaven – weiter unter altem Namen. Massenberg ist darüber hinaus an verschiedenen Werksstandorten vertreten, etwa im Industriepark Höchst und am Kernkraftwerk Biblis, in Donzdorf und in Peitz im Lausitzer Braunkohlenrevier. Zusammen mit Knoop realisiert Massenberg knapp 50 Millionen Euro Umsatz – eine Verdopplung gegenüber dem Jahr 2000. Auch der Personalbestand wuchs in diesem Zeitraum stark an auf gut 300 Mitarbeiter.

Weit vorn dabei

Nach dem Tod von Günter Massenberg, dem Sohn und Chef des Unternehmens seit 1950, und einer Phase mit mehreren nicht zur Familie gehörenden Geschäftsführern wurde die Firma 2010 an eine Gruppe von sieben Investoren – allesamt selbst Unternehmer – verkauft. Heute gehört Massenberg zu den Top 5, vielleicht sogar zu den Top 3 der Branche deutschlandweit, schätzt Geschäftsführer Stahl. Aufträge im Ausland gehören immer mal wieder dazu, es wird jedoch nicht aktiv dort akquiriert. Wichtig ist Stahl jedoch die Mitarbeit in Branchenverbänden oder auf dem Gebiet der Normung. Zusammen mit der RWTH Aachen konnten bereits verschiedene Werkstoffe entwickelt werden.

Gutes Konzept entscheidend

Wie an den anderen Orten auch deckt Massenberg in Köln die gesamte Palette der Sanierung von Stahl- und Betonbauwerken ab. „Man muss ein gutes Konzept vorlegen, das die Beeinträchtigung für den Nutzer des Bauwerks minimiert“, erklärt Heike Koitsch. „Grundsätzlich wird bei unseren Arbeiten ein sachkundiger Planer vorgeschaltet.“ Der Korrosionsschutz von Stahlkonstruktionen war eines der ersten Geschäftsfelder. Firmengründer Albert Massenberg hatte sich mit seiner Malerfirma schon bald auf den Korrosionsschutz konzentriert, z.B. den Anstrich großer Stahlbrücken. Auch heute bringt Massenberg seine große Erfahrung auf diesem Gebiet immer wieder ein, etwa bei der Instandsetzung einer Brücke in Gelsenkirchen, bei der die vorbereitende Logistik erheblich aufwendiger war als das Aufbringen der neuen Beschichtung. Das Gerüst durfte den Schiffsverkehr nicht behindern und es durfte bei den Strahlarbeiten kein kontaminiertes Material in den darunterliegenden Kanal fallen.

Sanierung der Fleher Brücke

Ein spektakuläres Projekt realisierte Massenberg kürzlich zwischen Düsseldorf und Neuss: die Sanierung des höchsten Brückenpylons Deutschlands auf der Fleher Brücke, die die Autobahn 46 trägt. Hier waren 2010 Abplatzungen, Hohlstellen, Risse und teilweise eine frei liegende Bewehrung aufgefallen. Eingesetzt wurde z.B. ein polymervergüteter Reparaturmörtel. Die Beanspruchung durch Frost und Tausalz hatten die Bauwerksschäden verursacht, die neuen Materialien müssen hochwertig sein, um derartige Schäden künftig auszuschließen. „Eine Tonne Beton kostet etwa 50 Euro“, sagt Heiner Stahl. „Eine Tonne Reparaturmörtel kostet 500 Euro.“

Übeltäter Streusalz

Streusalz hat auch vielen Parkhäusern und Tiefgaragen zugesetzt. Bei ihrer Sanierung wird durch Hochdruckwasserstrahlen der Beton bis auf die Bewehrung abgetragen. In manchen Fällen kann hier mit dem „kathodischen Korrosionsschutz“ die Korrosion im Bewehrungsstahl gestoppt werden. Titanbänder, die in kunststoffmodifizierten Zementmörtel eingebettet sind und über die gesamte Fläche verlegt werden, dienen als Anode. Ein geringer Gleichstrom sorgt dann dafür, dass das Herauslösen von Metallionen aus der Metallstruktur – der Korrosionsprozess – gestoppt wird. Dieses kosten- und nervenschonende Verfahren setzte Massenberg erstmals mit der Sanierung des Famila-Parkhauses in Pforzheim im Jahr 2008 als Modellprojekt um. Parkhäuser und Tiefgaragen saniert Massenberg mittlerweile bis weit hinter München. „An eine so aufwendige Parkhaussanierung wird oft ein Wartungsvertrag gekoppelt“, erklärt die Kölner Massenberg-Chefin Heike Koitsch.

Spezialität: Kraftwerkskühltürme

Seit vielen Jahren hat Massenberg enormes Know-how auch bei der Betonsanierung von Kraftwerkskühltürmen erworben. So wurden vor gut zehn Jahren alle drei Türme des Kraftwerks Weisweiler instand gesetzt. „Es ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal für uns, dass wir an 200 Meter hohen Kühltürmen arbeiten“, berichtet Geschäftsführer Heiner Stahl über diese nicht alltägliche Tätigkeit. „Wird beim Sandstrahlen der Kompressor abgeschaltet, fällt eine große Menge Sand herunter. Nur mit besonderem Know-how kann man die Strahlanlage dann wieder hochfahren.“

Termintreue und Qualität

Massenberg kann mit seinem vergleichsweise großen Personalbestand flexibel agieren und dadurch auch kritische Termine halten – das ist ein echter Aktivposten, findet die Kölner Geschäftsstellenleiterin Koitsch. „Normalerweise vergeben öffentliche Auftraggeber immer an den billigsten Anbieter. Aber wir haben inzwischen in mehreren Ausschreibungen erlebt, dass nicht mehr nur nach dem Preis vergeben wurde, sondern auch Qualitätssicherung und Termintreue eine Rolle spielten.“ Und so kommt Massenberg immer öfter ins Spiel. Vielleicht auch, wenn demnächst die Fleher Brücke wieder dran ist. Diesmal muss der Überbau saniert werden. Claas Möller | redaktion@koeln-bonn-aachen-manager.de

Ausgabe 03/2018