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Quelle: Christian Wyrwa | Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz

Maler & Lackierer

Erneutes Umsatzplus

Während die Umsätze bei Malern und Lackierern kräftig steigen, bleiben die Gewinne konstant. Fachkräftenachwuchs und Bürokratiebewältigung sind die zentralen Aufgabenstellungen der Zukunft.



Seit dem Jahr 2012 zeigen die Umsatzzahlen im Maler- und Lackiererhandwerk kontinuierlich eine positive Entwicklung. 2017 setzte die Branche nach Angaben des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz 15,8 Milliarden Euro um. Dies entspricht einem Zuwachs von +2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach wie vor profitiert die Branche von einem hohen Renovierungs- und Sanierungsbedarf im Bestand, sie hinkt jedoch deutlich dem gesamten Bauhauptgewerbe hinterher, das um zuletzt +4,5 % zulegen konnte.

Dabei ist die Umsatzsteigerung nicht gleichzusetzen mit höheren Gewinnen: Denn dem gestiegenen Umsatz stand ein annähernd äquivalenter Anstieg der Einkaufspreise gegenüber, so ein Branchen-Spezial von Volksbanken und Ifo-Institut. Hinzu kommt, dass die Branche mit einem hohen Preisdruck zu kämpfen hat. Dieser kommt unter anderem daher, dass unter den Anbietern nicht nur Malerbetriebe zu finden sind.

Hausmeister oder Raumausstatter unterliegen nicht der Meisterpflicht, bieten aber die in der Maler- und Lackiererbranche zusammengefassten Tätigkeiten häufig auch mit an. So entsteht eine starke Konkurrenz im Markt. Das ist zwar ein Verstoß gegen die Handwerks- und Gewerbeordnung, wird aus Sicht der Innungsmitglieder aber nicht rigoros genug verfolgt. Denn die 1-Mann-Unternehmen bieten ihre Leistungen häufig für 30 Euro Stundenlohn an, bei dem Malerbetriebe mit Angestellten nicht „mithalten“ können. Gemäß Handwerkszählung dominieren aber gerade diese Klein- und Kleinstbetriebe die Branche. Demnach hatten 2015 62 Prozent der Betriebe weniger als 5 Beschäftigte, 23 Prozent 5-9 Beschäftigte, 11 Prozent 11-19 und nur 5 Prozent mehr als 20 Beschäftigte.

Ausbildungszahlen sind rückläufig

Die Ausbildung ist in die Fachrichtungen „Gestaltung und Instandhaltung“ (Maler und Tapezierer), „Kirchenmalerei und Denkmalpflege“ und „Bauten- und Korrosionsschutz“ unterteilt. Alle drei haben in den ersten beiden Jahren die gleichen Ausbildungsinhalte. Noch bis zum Jahr 2010 haben die Maler und Lackierer in Deutschland über den Bedarf ausgebildet. Inzwischen macht sich die Branche jedoch Sorgen um den Fachkräftenachwuchs. Innerhalb von sieben Jahren ist die Zahl der Auszubildenden im Maler- und Lackiererhandwerk in NRW beispielsweise von 6.060 (2010) auf 3.650 (2016) zurückgegangen. Gegenläufig zur Umsatzentwicklung ist hier ein kontinuierlicher Rückgang zu erkennen. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter in der Berufsgruppe. Zurzeit liegt der Altersdurchschnitt bei knapp über 40 Jahren und steigt jedes Jahr um 0,1 bis 0,2 Jahre. Ein weiteres Problem ist die hohe Quote der Ausbildungsabbrecher von zirka 40 Prozent, die deutlich über der Quote des sonstigen Handwerks liegt. Allerdings gelten auch diejenigen Azubis als Abbrecher, die während der Ausbildung den Betrieb wechseln.

Bereits spürbar ist der Fachkräftemangel im Spezialbereich Bauten- und Korrosionsschutz. Dies sind in der Regel größere Betriebe, und es gibt auch nicht sehr viele, die diesen Bereich abdecken. Aber hier fehlen tatsächlich schon jetzt Fachkräfte, was dazu führt, dass unter den wenigen Unternehmen ein regelrechtes Abwerben geeigneter Mitarbeiter stattfindet. Da dieser Bereich des Handwerks kein klassischer Ausbildungsberuf ist, haben hier üblicherweise Quereinsteiger aus der Baubranche ihre Profession gefunden. Allerdings gehört die Arbeit auch nicht zu den beliebtesten in der Branche. Sie findet oft unter schwierigen Bedingungen, immer im Freien statt und bringt immer eine hohe Geräuschkulisse mit sich.

Hoher Bürokratieaufwand

Gerade im Korrosionsschutz kommt für die Unternehmen erschwerend ein enormer Dokumentations- und Protokollaufwand hinzu. Dieser ist für die Branche eine große Belastung, wobei die regulierenden Stellen dabei oft zu vergessen scheinen, dass reine Dokumentation noch keine Qualität mit sich bringt, bemängeln Branchenkenner. Doch belastender bürokratischer Aufwand ist nicht nur im genannten Spezialbereich ein großes Thema, das viele Betriebe überfordert. Eines der über Expertenwissen hinaus bekannt gewordenen Themen ist die Verordnung zur Entsorgung von Dämmmaterialien, die das Brandschutzmittel HBCD enthalten. Entsorgende Betriebe müssen das Dämmmaterial vom restlichem Bauschutt trennen, aber schon kurz nach Inkrafttreten lehnten Müllverbrennungsanlagen die Annahme der Materialien ab. Die Anlagen waren für die hohen Brennwerte der Stoffe nicht ausgelegt. Stefan Mülders | redaktion@koeln-bonn-aachen-manager.de

INFO

Modernes Handwerk mit langer Tradition

Das Handwerk der Maler und Lackierer gehört zu den modernen und vielseitigen Handwerksberufen mit langer Tradition. Die Tätigkeiten werden sowohl in Neubauten als auch bei Sanierung von älteren Bauwerken angewandt, finden sowohl drinnen als auch draußen statt und können teilweise auch in Werkstätten beziehungsweise zunehmend auch in Spritzkabinen oder Lackierstraßen ausgeführt werden. Das Arbeitsfeld umfasst die Bereiche Beschichten, Behandeln, Bekleiden und Gestalten von Oberflächen. Seit der Ausbildungsordnung von 2003 ist der Fahrzeuglackierer ein eigenständiger Ausbildungsberuf, ebenso wie der zweijährige Ausbildungsgang zum Bauten- und Objektbeschichter. Unter dem Beschichten verstehen die Maler und Lackierer die Oberflächenbehandlung mittels Farb- und Lacksystemen, die gerade im Außenbereich die Bausubstanz vor Witterungseinflüssen schützen. Im Innenbereich stehen dagegen zumeist gestalterische Aspekte im Vordergrund. Neben einschlägigen Farbsystemen werden dabei auch Tapeten, Spanndecken, Putz- und Spachtelmassen sowie Bodenbeläge verarbeitet. Die professionelle Behebung von Feuchtigkeits- und Schimmelschäden zählt ebenso zum Berufsbild wie die Lackierung von Bauteilen und Gerätschaften, beispielsweise zum Schutz vor Wettereinflüssen.

Ausgabe 03/2018