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Serie – 10 Tipps: Nachwuchskräfte finden: Azubis als Botschafter

In den nächsten zehn Jahren werden voraussichtlich mehr als 24 Prozent der Beschäftigten in den Ruhestand gehen; gleichzeitig werden deutlich weniger junge Menschen ins Berufsleben einsteigen. Die Unternehmen müssen sich also etwas einfallen lassen, um den Nachwuchs auf sich aufmerksam zu machen und von sich zu überzeugen. Die Azubi-Suche ist eine große Herausforderung, aber auch kein Hexenwerk. Allerdings sollte man immer am Ball bleiben und die Wünsche und Anforderungen der Jugendlichen oder Studierenden ernst nehmen. Dann bleiben Sie auch nach der Ausbildung im Team. Wir haben folgende Ideen für Sie:

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von Claudia Schneider 18.03.2024
(© ­­­master1305 − stock.adobe.com)

1: LOTSEN BIETEN ORIENTIERUNG

Wie war das bei Ihnen? Wussten Sie schon in der 9. Klasse oder Oberstufe, was Sie mal werden wollen? Aktuell gibt es mehr als 300 verschiedene duale Ausbildungsberufe und 21.593 Studiengänge in Deutschland. Dass Jugendliche nach der allgemeinbildenden Schule oft noch mehrere Jahre am Berufskolleg verbringen oder an Hochschulen, hängt auch damit zusammen, dass Schüler/-innen und Studierende orientierungslos sind und sich in dem riesigen Angebot verlieren. Deswegen hat das NRW-Arbeitsministerium das Programm „Übergangslotse“ aufgelegt. Es will jungen Menschen beim Übergang in den Beruf helfen. Auch Unternehmen und Betriebe werden mit einbezogen und können Unterstützung bei der Azubi-Suche erhalten. Mehr Informationen: www.mags.nrw/uebergangslotsen

 

2: KOOPERATIONEN MIT SCHULEN

Sie können als Unternehmerin oder Unternehmer auch direkt Kontakt zu Schulen aufnehmen und potenzielle Auszubildende auf sich aufmerksam machen. Besuchen Sie Schulen, um über Ihre Ausbildungsangebote zu informieren, und nehmen Sie an Berufsorientierungsveranstaltungen teil. Aber wenn Sie sich schon die Zeit nehmen, bereiten Sie sich auf solche Bewerbertage vor: Überlegen Sie sich, wie Sie Ihr Unternehmen kurz und knapp, aber attraktiv darstellen. Was zeichnet Ihr Unternehmen aus? Welche Aufgaben könnten die Jugendlichen bei Ihnen im Unternehmen übernehmen? Schildern Sie anschaulich den Arbeitsalltag, vielleicht können Sie visuelles Material wie Bilder und kurze Videos einbinden oder sogar kleine Probearbeiten in der Schule durchführen lassen. Wichtig ist eine positive Ausstrahlung: Zeigen Sie Begeisterung für den Beruf – das wirkt ansteckend. Verstärken Sie die Kooperation mit Schulen, indem Sie Schülerpraktika anbieten. Tipp: Vermeintlich altmodische Mittel wie gedruckte Flyer können je nach Beruf durchaus Sinn machen. Flyer – vielleicht auch mehrsprachig – können Jugendliche ihren Eltern zu Hause zeigen. Eltern sind wichtige Influencer!

 

3: INFORMATION AUS ERSTER HAND

Man nennt sie Ausbildungsbotschafter und findet sie in vielen Branchen: Auszubildende berichten auf Social-Media-Kanälen, in Schulen oder auf Ausbildungsbörsen über ihre Erfahrungen im jeweiligen Beruf und Unternehmen. Diese Informationen aus erster Hand wirken authentisch. Die Botschafter können gezielte und praktische Einblicke in den Berufsalltag geben. Außerdem senkt es die Hemmschwelle bei der Kontaktaufnahme, wenn sich Jugendliche mit Gleichaltrigen unterhalten können. Azubi-Botschafter sollten auf ihre Aufgabe vorbereitet werden: Das heißt, sie müssen gut über das Unternehmen Bescheid wissen. Auch eine gewisse Kommunikationsfähigkeit ist nötig.

 

4: SOCIAL MEDIA NUTZEN

Der Tipp ist nicht neu, Social-Media-Kanäle fürs Recruiting zu nutzen. Aber längst nicht alle Unternehmen sind auf Plattformen wie Instagram, Facebook und Tiktok präsent, um potenzielle Auszubildende anzusprechen. Dort können Einblicke in den Arbeitsalltag, Erfahrungsberichte von aktuellen Auszubildenden und Informationen zu offenen Ausbildungsstellen gepostet werden. Auch auf der Website oder auf Youtube kann man sich als attraktiver und moderner Arbeitgeber präsentieren. Das macht viel Arbeit, verschiedene Kanäle aktuell zu bespielen. Auf Facebook und LinkedIn erreicht man eher die Eltern oder Hochschulabsolventen. Jugendliche sind eher auf Instagram, Youtube – und auf Tiktok unterwegs. Große Unternehmen wie das Klinikum Dortmund, der Versandhandel Otto oder Discounter Aldi und Lidl nutzen Tiktok auch für die Nachwuchssuche. Aber diese Konzerne haben auch Ressourcen: Man sollte mindestens einen Videoclip pro Tag posten, noch besser mehrere.

 

5: EIN GUTES PRAKTIKUM

Praktika sind ein altbewährtes Mittel, um sich gegenseitig kennenzulernen.  Eintägige Schnupperpraktika machen meist keinen Sinn. Ein vernünftiges Praktikum braucht Zeit, wenigstens eine Woche. Möglich wäre es auch, eine längere Werkstudententätigkeit zu vereinbaren – dann könnte auch ein Tag pro Woche reichen. So bleibt man im Kontakt. Gestalten Sie Ihre Praktikumsprogramme so, dass sie für Schüler ansprechend sind. Bieten Sie spannende Aufgaben und Einblicke in verschiedene Bereiche Ihres Unternehmens, um das Interesse an einer Ausbildung bei Ihnen zu wecken. Praktikanten sollten einen Ansprechpartner haben: Stellen Sie dem interessierten Nachwuchs erfahrene Mitarbeiter zur Seite, die sie in die Arbeit einführen und während der Zeit begleiten. 

 

6: MENTORING SCHAFFT VERTRAUEN

Für die Zeit nach dem Praktikum – und auch für die Ansprache von Studierenden – bieten sich Mentorenprogramme an. Auszubildende lernen von erfahrenen Mitarbeitern. Es wird nicht nur Wissen vermittelt, auch der persönliche Austausch ist wichtig. Mentoren und Mentorinnen haben immer ein offenes Ohr für Fragen. Das kann auch schnell per Chat gehen. Natürlich kostet auch dieses Engagement den Mentoren wieder Zeit. Aber Berufseinsteiger profitieren vom Mentoring enorm. Sie bekommen mehr Orientierung und fühlen sich schneller ins Team integriert. Durch die regelmäßigen Gespräche werden auch Vertrauen aufgebaut, Ängste genommen und vielleicht auch Schwachpunkte im Unternehmen aufgedeckt.

 

7: BEWERBER-DISCO

Auf Azubi-Messen konkurrieren Sie mit vielen Unternehmen und Organisationen. Mehr Aufmerksamkeit bietet ein Tag der offenen Tür – zu dem auch Eltern und Lehrer/-innen eingeladen werden sollten. Den Blick hinter die Kulissen kann man interessant gestalten, indem man kleine Probearbeiten anbietet, Experimente zeigt oder ähnliche Dinge, die im Kopf bleiben. Ein großer Elektrobetrieb im Ruhrgebiet plant eine besondere Veranstaltung: eine Disco für Azubis. Angedacht ist ein Abend der offenen Tür mit Grill, Getränken, Musik und Spielen. Das wird auch ein Team-Event, bei dem die Azubis Interessierten die Firma und den Beruf vorstellen und gleichzeitig mitfeiern.

 

8: SCHLANKER BEWERBUNGSPROZESS

Die Zeit der dicken Bewerbungsmappen ist vorbei. Auch die online-Variante per E-Mail wird oftmals über ein kurzes Bewerbungsformular abgelöst, das nur grundlegende Informationen abfragt, wie Kontaktdaten, Bildungsabschluss und relevante Erfahrungen. Auch Azubi-Apps sind im Kommen. Die Bundesagentur für Arbeit stellt in der App „AzubiWelt“ Berufe vor und verlinkt auf konkrete Stellenangebote. Einige Kreishandwerkerschaften bringen Jugendliche und Betriebe über die „Passt!“-App zusammen. Was sich Bewerber/-innen früher schon gewünscht hätten, wird heute von Jugendlichen erwartet: Eine prompte Eingangsbestätigung, eine schnelle Kontaktaufnahme und Rückmeldung bezüglich Zwischenstand. Nutzen Sie Telefonate oder Video-Gespräche zur ersten Kontaktaufnahme – ist das ein gutes Mittel für die Ersteinschätzung. Man kann auf diesem Wege auch vorfühlen, ob die Interessenten die Bewerbungsschreiben wohl selbst verfasst haben (oder per ChatGPT).

 

9: OFFENE FEEDBACKKULTUR

Schaffen Sie eine offene Feedbackkultur, um das Engagement und die Bindung Ihrer Auszubildenden zu stärken. Nehmen Sie regelmäßig Feedback entgegen und bieten Sie konstruktive Rückmeldungen, um die persönliche und berufliche Entwicklung Ihrer Auszubildenden zu unterstützen. Feedback bedeutet, dass sowohl Lob für gute Arbeit erteilt, aber auch konstruktive Kritik geäußert wird, um Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Eine Feedbackkultur erfordert ein Umfeld, in dem Offenheit und Vertrauen herrschen. Mitarbeiter sollten sich sicher fühlen, konstruktive Kritik zu äußern und Feedback anzunehmen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben.

 

10: KARRIEREMÖGLICHKEITEN

Die Generation Z möchte gerne selbstständig arbeiten und früh Verantwortung übernehmen. Versuchen Sie, Nachwuchskräfte schnell in Projekte einzubinden. Signalisieren Sie den Jugendlichen schon während der Ausbildung, dass Sie an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind. Zeigen Sie ihnen die Karrieremöglichkeiten innerhalb des Unternehmens auf. Welche Perspektiven bieten sich nach Ausbildung? Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?  Unterstützen Sie Ihre Nachwuchskräfte dabei, ihre beruflichen Ziele zu erreichen, indem Sie z.B. Fortbildungen ermöglichen und bezuschussen. Unternehmen, die einen Auslandsaufenthalt ermöglichen, steigern die ihre Attraktivität als Ausbildungsbetrieb und sind für leistungsstarke Nachwuchskräfte interessant. Es gibt sogenannte „Erasmus+“-Programme der Europäischen Union, die Austauschprogramme für Auszubildende, Fachkräfte und Studierende finanziell fördern. Bei Azubis läuft die Kooperation/Organisation teilweise über die Berufsschulen.

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