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Geschäftsführer Daniel Wahl und Betriebsleiter Guido Große (v.l.)

Ziele im Fokus

Den ganzen Tag strampelt man sich ab, doch wenn eigentlich Feierabend sein sollte, ist das Tagewerk längst nicht geschafft. Wo ist die Zeit nur wieder geblieben? Viele Leute plagen sich, ohne jedoch wirklich voranzukommen. Anderen Menschen gelingt es wiederum sehr gut, ihre Ziele zu erreichen. Wie machen die das nur? Theorien und Ratschläge von Wirtschaftswissenschaftlern, Coaches und Unternehmensberatern gehen alle in dieselbe Richtung: Man muss sich aufs Wesentliche konzentrieren. Setzen Sie sich Ziele und messen Sie sich an Ihren Ergebnissen. Das hat viel mit Selbstmanagement zu tun. Wir geben Ihnen ein paar Tipps, an welchen Stellschrauben man drehen kann.



1 LANGFRISTIG DENKEN

Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach? Kurzfristige Erfolge machen zwar auch zufrieden, aber dieses Glück verflüchtigt sich schnell. Versuchen Sie, Ziele zu erreichen, die Ihnen langfristig guttun und nachhaltig wirken. Jeder weiß, dass gesunde Ernährung langfristig dem Körper guttut, aber darauf achten wir oft erst, wenn der Arzt darauf hinweist. Im Berufsleben können die Ziele ruhig hochgesteckt sein – warum nur an den nächsten Karriereschritt denken und nicht gleich die Chefposition anvisieren?  Tipp: Nicht alle Dinge, die an uns herangetragen werden, sind wirklich wichtig. Oft sind sie nur für andere wichtig – aber für unsere eigene Strategie unnütz.

2 IHRE STÄRKEN UND IHRE SITUATION

Ihre Ziele müssen natürlich realistisch sein – d. h., Sie müssen mit Ihren Fähigkeiten und Stärken zum Ziel kommen. Alles andere wäre Träumerei. Analysieren Sie Ihre eigene Situation und Ihre eigenen Stärken: Wo liegen Ihre Werte, Ihre Ziele, Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen? Was liegt Ihnen am meisten? Wo sind Ihre größten Stärken? Was können Sie besser als andere? Tipp: Falls Sie auf dem einen oder anderen Gebiet Schwachstellen entdecken: Scheuen Sie sich nicht, sich durch Coaches, Berater oder externe Dienstleister Hilfe ins Haus zu holen. Oft lohnt es sich, auch Zeit in Weiterbildungen zu investieren, weil man hinterher effektiver arbeitet.

3 ERGEBNISSE ALS ORIENTIERUNG

Unternehmensberater Matthias Kolbusa rät in seinem Buch „Konsequenz“, dass sich Manager mutig für wenige wichtige Dinge entscheiden und diese mit Beharrlichkeit zu Ende bringen sollen. „Ergebnisorientiertes Arbeiten“ ist das Zauberwort. Und wie geht das? „Fragen Sie sich als Erstes: Was soll Ende des Jahres konkret anders sein? Dieses Denken in Zukunftszuständen ist die Basis für echte Ergebnisorientierung. Denn nur wenn Sie das Ergebnis, das Ziel glasklar vor Augen haben, können Sie filtern: Was brauche ich wirklich, um an dieses Ziel zu gelangen? Und was ist auf dem Weg zum Ziel vielleicht hilfreich oder angenehm, aber nicht notwendig?“, erläutert Matthias Kolbusa. Tipp: Informieren Sie Mitarbeiter oder Kollegen über Ihre Ziele und erklären Sie, welche Rolle die jeweiligen Personen dabei übernehmen sollen.

4 KEINE ANGST

ngst vor der eigenen Courage? Niemand weiß zu Beginn, ob sich ein Vorhaben wirklich lohnt. Aber wie heißt es so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Erfolgreiche Menschen bringen den Mut auf, Dinge einfach auszuprobieren. Sie blenden Zweifel aus und fokussieren sich oft bedingungslos auf ihr Ziel.  Tipp: Trauen Sie sich, Herausforderungen anzunehmen. Mag sein, dass Sie einige Steine aus dem Weg räumen müssen, aber wer nur den Kopf in den Sand steckt, kommt nie ans Ziel.

5 LÖWE ALS VORBILD

Die neuste Managementliteratur empfiehlt, sich Löwen als Vorbild zu nehmen. Löwen schlafen oder dösen 20 Stunden am Tag. Für die Autorin Martina Haas sind sie damit ein Vorbild: „Sie bekommen in vier Stunden am Tag alles geregelt, was erforderlich ist“, schreibt sie in ihrem Buch „Die Löwen-Strategie“. Ihr geht es um Fokus und Effektivität im Berufsleben: „Löwen holen aus jeder Stunde das Optimum raus. Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche und verwenden darauf die meiste Kraft“, schreibt Haas. Wer erfolgreich sein wolle, könne sich daher einiges von ihnen abschauen: Löwen bringen ihre Botschaft klar rüber und haben eine natürliche Autorität. Löwen praktizieren Teamwork, passen sich an schwierige Situationen an, nutzen ihre Chancen und haben immer ihr Ziel vor Augen, meint Martina Haas. Tipp: Löwenstarkes Auftreten im Unternehmensalltag heißt nicht: auf sie mit Gebrüll. Vielmehr geht es um eine klare Kommunikation (siehe nächster Tipp). Wichtig sind auch ein respektverschaffendes, aber dennoch gewinnendes Auftreten und eine gute Mitarbeiterführung.

6 KLARE KOMMUNIKATION

„Löwen kommunizieren unmissverständlicher als wir“, schreibt Martina Haas. Ihr kilometerweit hörbares Brüllen lässt keinen Zweifel daran, wer im Gebiet das Sagen hat. Auch mit hingebungsvollem Schnurren, drohendem Knurren oder einem Prankenhieb für den dreisten Nachwuchs bringen sie die Botschaft an das Gegenüber klar rüber. „Auch in der nonverbalen Kommunikation sind Löwen stark“, findet Haas. „Blicke genügen, um andere Tiere zu verjagen oder Rudelmitgliedern Grenzen aufzuzeigen.“ Für Unternehmer gilt: Sie sollten Klartext reden. Keine verschwurbelte Fachsprache. Kurze Sätze ohne Bandwurmwörter. Aktiv- statt Passivkonstruktionen. Das Wichtigste ist aber, überhaupt regelmäßig mit den Mitarbeitern zu kommunizieren. Tipp: Gute Chefs sind nicht nur gute Redner, sondern auch gute Zuhörer. Damit motivieren sie ihre Mannschaft. Mitarbeiter haben nämlich ein feines Gefühl dafür, ob ihr Chef ein ehrliches Interesse daran hat, was sie ihm mitteilen wollen. Hören Chefs nur mit halbem Ohr zu, suggeriert das mangelnde Wertschätzung, auch wenn es vielleicht gar nicht so gemeint ist. Das sorgt für Frust und Misstrauen bei den Mitarbeitern. 

7 ZEITDIEBE AUSSCHALTEN

Handys sind nur die offensichtlichen Zeitdiebe, die durch ihre Klingeltöne oder Nachrichten-Plings am Nervenkostüm zerren. Zeitraubend sind auch Routineaufgaben, Arbeiten im Haushalt oder die lästige Steuererklärung. Wer es schafft, solche Aufgaben zu delegieren, kann die freien Kapazitäten für die wesentlichen Dinge im Leben nutzen Tipp: Setzen Sie sich ein zeitliches Limit für Ihre Meetings, Aufgaben und Projekte. Diese Deadlines helfen, sich zu fokussieren. Falls der Zeitrahmen mal nicht ausreicht, kann man immer noch nacharbeiten und nachbessern – aber das grobe Ziel dürfte erreicht sein.

8 MUT ZUR LÜCKE

Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto entdeckte Ende des 19. Jahrhunderts ein statistisches Ungleichgewicht und hat daraus das Pareto-Prinzip abgeleitet: Mit nur 20 Prozent Einsatz kann man in vielen Fällen ein 80-prozentiges Ergebnis erreichen. Wer 100 Prozent erreichen will, muss für die restlichen 20 Prozent ungleich mehr Aufwand (nämlich 80 Prozent) erbringen. Zeitmanagement-Experten leiten aus dieser Regel ab, dass für den persönlichen Erfolg nur wenige Dinge wirklich wichtig sind. Auf diese Aspekte sollte man sich konzentrieren. Tipp: Wer effizient nach dem Pareto-Prinzip handelt, muss gleichzeitig Mut zur Lücke haben. Man muss auch mal mit halbfertigen Dingen zufrieden sein. Oder Dinge einfach ausprobieren und frühzeitig wieder verwerfen. Perfektionismus kostet zu viel Zeit und oft auch Nerven. 

9 KONZENTRATION AUF EINE SACHE

Multitasking hat ein positives Image. Wer als Unternehmer oder Privatmensch mehrere Dinge gleichzeitig erledigen kann, gilt als belastbar und effizient. Doch Studien zeigen immer wieder: Multitasking ist im Arbeits- und Projektalltag ein Produktivitätskiller. Wo Multitasking gängige Praxis ist, dauern Projekte länger und kosten mehr, als sie eigentlich müssten. Durch ständiges Umschalten wird viel Energie verbraucht, Fehler schleichen sich ein, man fühlt sich gestresst. 
Tipp: Sortieren Sie die Aufgaben erst nach Wichtigkeit, dann nach Dringlichkeit. Nebensächliche Dinge – die gemäß der Pareto-Regel 80 Prozent der Zeit fressen würden – legen Sie auf Randzeiten wie den späten Nachmittag.

10 NOT-TO-DO-LISTE

Manchen hilft es, eine Not-To-do-Liste anzulegen: Man schreibt auf, welche Arbeiten unwichtig sind und deswegen nicht erledigt werden sollten. Das macht den Kopf frei und erleichtert das Gewissen. Gleichzeitig kann man sich besser auf die wichtigen 20 Prozent konzentrieren.  Tipp: Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für ein strategisches Controlling: Überlegen Sie am besten einmal pro Woche, was alles erledigt wurde und was liegen geblieben ist. Was hat kein Ergebnis gebracht? Was hat Sie weitergebracht? Wenn man regelmäßig die Woche Revue passieren lässt, kommt man Zeitdieben oder falschen Verhaltensmustern leichter auf die Spur.
Claudia Schneider | redaktion@suedwestfalen-manager.de

Ausgabe 08/2017