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v.l.: Christoph Dahlmann (Geschäftsführender Gesellschafter), Tobias Rahmann (Vertriebsleiter) und Björn Stein (Dispositionsleiter) von ALS GmbH aus Arnsberg planen den Seetransport.

Veranstaltungsbranche auf Zukunftskurs

Deutschland nimmt in internationalen Branchen-Rankings der Veranstaltungswirtschaft schon seit vielen Jahren oberste Spitzenpositionen ein. Aber die Rahmenbedingungen ändern sich rasant.



Veranstaltungshallen sind der Spiegel des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in unseren Städten und Gemeinden. Hier treffen sich Menschen zur Weiterbildung, zum Meinungsaustausch oder schlicht zur Unterhaltung. Dabei spielt die Größe der Location kaum noch eine Rolle. Von Bürgerhäusern über Stadthallen und Kongresszentren bis hin zu Mega-Event-Arenen ist ihre Aufgabe die gleiche – sie sind eine wichtige Plattform des menschlichen Miteinanders.
So vielfältig die Branche der Tagungslocations auch ist, so einmütig und zufrieden schaut die Zunft auf eine positive Geschäftsentwicklung, und zwar sowohl in Deutschland als auch im internationalen Vergleich: „Insgesamt ist die Zahl der beruflich motivierten Reisen aus Europa nach Deutschland 2012 um 9,4 Prozent auf rund 12,5 Millionen Reisen gestiegen. Damit konnte Deutschland als Geschäftsdestination deutlich über Europa-Niveau wachsen und hat seine führende Position im europäischen Markt weiter ausgebaut“, betont Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). „Wichtiger Wachstumstreiber ist die deutsche Veranstaltungsbranche, die auch im Ausland durch hohe Qualität und innovative Konzepte überzeugt.“

Internationales Aushängeschild

Das jährlich veröffentlichte „Meeting- & EventBarometer“, herausgegeben vom Europäischen Institut der TagungsWirtschaft (EITW), ergänzt dieses positive Bild, wonach im vergangenen Jahr 362 Millionen Teilnehmer Meetings und Events in Deutschland besuchten. Das waren 7,2 Prozent mehr als 2011, während im gleichen Zeitraum die Zahl der Veranstaltungen sogar um 9,2 Prozent auf 2,97 Millionen anstieg. Ein wachsendes Angebot trifft also auf eine steigende Nachfrage, wobei die Veranstaltungsstätten diesem Trend konsequent folgen. Ihre Zahl wuchs im Untersuchungszeitraum auf 6.939 an; das waren 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr.  Lässt man dabei die Tagungs-Hotels als eigenständige Kategorie mit einem geringen Wachstum von 0,7 Prozent einmal außer Acht, prägten die Kongress- und Veranstaltungs-Centren mit 4,7 Prozent  und ganz besonders die außergewöhnlichen Event-Locations (Burgen, Schlösser, Museen, Fabrikhallen etc.) mit weit überdurchschnittlichen 13,0 Prozent Wachstum die positive Entwicklung. Veranstalter suchen also zunehmend die besondere Location.
„Mit 362 Millionen Teilnehmern – das ist 4,5-Mal die Einwohnerzahl Deutschlands – hat die deutsche Veranstaltungsbranche nicht nur ihren eigenen Rekord erneut überboten. Sie leistet auch einen immer größeren wirtschaftlichen Beitrag. Die steigende Internationalität der Tagungen und Kongresse macht die Branche zudem zum internationalen Aushängeschild des Standortes Deutschland“, zieht Matthias Schultze, Geschäftsführer des German Convention Bureau (GCB), eine positive Jahresbilanz.

Megatrends im Fokus

Keine Frage, dass diese Entwicklung auch den wirtschaftlich bedeutsamen Faktor der Branche unterstreicht. Die DZT ermittelte für den Geschäftstourismus ein Volumen bei den Konsumausgaben in Höhe von 57,2 Milliarden Euro. Davon gaben Business-Reisende aus dem Ausland allein 14,7 Milliarden aus.
Die Branche ruht sich auf den Erfolgen der Jahre nicht aus. Es gilt, sich rechtzeitig auf künftige Trends einzustellen, um die Spitzenposition auch halten zu können: „Für den EVVC besteht die entscheidende Herausforderung vor allem darin, die Mitglieder des Verbands umfassend über Trends, Perspektiven und Konzepte zu informieren und problematische Entwicklungen für die Veranstaltungswirtschaft rechtzeitig zu identifizieren und ihnen zu begegnen“, sagt Joachim König, der als Präsident dem Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC) vorsteht. Als einer der Partner der von GCB und DZT 2013 veröffentlichten Studie „Tagung und Kongress der Zukunft“ sieht der EVVC die demografische Entwicklung ebenso auf der Agenda wie Personalfragen und natürlich einen künftigen Wandel der Bedürfnisse der Veranstaltungsbesucher. Mehr Betreuungsangebote für Kinder stehen für ihn ebenso im Fokus wie Tendenzen der globalen Vernetzung, die zu völlig neuartigen Veranstaltungsformaten führen können, bei denen die digitale Technik mit ihren revolutionären Innovationen eine ganz neue Rolle spielen wird. So identifiziert die Studie „Tagung und Kongress der Zukunft“ die wesentlichen, auf dem wissenschaftlichen Konzept der „Megatrends“ basierenden Themenfelder:
  •     Technologie und Technisierung der
  •     Arbeits- und Lebenswelten
  •     Globalisierung und Internationalisierung
  •     Mobilität der Zukunft
  •     Nachhaltige Entwicklung
  •     Demografischer Wandel,
  •     Sicherheit
  •     „Peak Everything“ – Ressourcenverknappung
  •     Urbanisierung – Stadt der Zukunft
  •     Feminisierung

Branchenkongress in Berlin

Auf dieser Basis besteht hinreichend Anlass, den Diskussionsprozess auf verschiedenen Ebenen fortzusetzen. Vom 11. bis 13. Juni wird im Rahmen der „Meeting Experts Conference (MEXCON)“ in Berlin ausreichend Gelegenheit sein, neben dem Austausch über diese Zukunftstrends auch den Dialog mit der Politik im Fokus zu haben, denn die Tagung wird unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie stattfinden. Ein Highlight im Programm der MEXCON 2014 wird die Verleihung des Meeting Experts Award am Abend des 11. Juni im neuen Berliner CityCube sein. Der Preis wird in diesem Jahr erstmals in fünf übergreifenden Kategorien vergeben: „Veranstaltungs-Location“, „Referenten, Moderatoren & Speaker“, „Kongress- und Tagungshotel“, „Eventagentur, Professional Congress Organizer (PCO) & Convention Bureau“ sowie „Veranstaltungsplaner/Einkäufer“. Über die Preisträger konnte die Branche in den vergangenen Monaten im Rahmen eines Online-Votings entscheiden.
Petra Hedorfer: „Der Standort Deutschland nimmt in internationalen BranchenRankings schon seit vielen Jahren Spitzenpositionen ein. Die Rahmenbedingungen ändern sich rasant und somit auch die Herausforderungen im internationalen Wettbewerb. Mit der gemeinsamen Erarbeitung einer Roadmap bereiten wir uns auf die vor uns liegenden Herausforderungen vor und nutzen Chancen für weiteres Wachstum.“

Wilhelm Werner | redaktion@suedwestfalen-manager.de


Ausgabe 03/2014