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Carl-Josef Pflipsen, Geschäftsleitung

Engel in Nadelstreifen

Junge Unternehmen wünschen sich oft jemanden an ihrer Seite, der die notwendige Expertise hat und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Business Angels sind die Schutzengel für Unternehmensgründer.



Business Angels haben zwei Flügel: Unter dem einem steckt Kapital, unter dem anderen Know-how und wichtige Kontakte. Nimmt ein Business Angel ein junges Unternehmen unter seine Fittiche, so profitiert es von dem Kapital und von der Expertise des erfahrenen Entrepreneurs. Im Gegenzug erhält dieser eine offene Beteiligung an dem Unternehmen. In der Regel stecken die jungen Unternehmen noch in der Seedphase, wie innovative Gründungen, die beispielsweise für die erste Produktentwicklung Kapital brauchen. „Es lassen sich grundsätzlich zwei Typen von Business Angels unterscheiden“, berichtet Dr. Roland Kirchhof, Vorstandsmitglied von BAND, dem Business Angels Netzwerk Deutschland e.?V. Die erste Gruppe hat ihr eigenes Unternehmen – oft aus dem IT-Bereich – bereits verkauft und möchte selbst nicht nochmals gründen. Die zweite Gruppe bilden aktive Unternehmer oder Berater, die sich für Gründer mit innovativen Ideen engagieren. Gemeinsam ist allen „Angel-Investoren“, dass sie es spannend finden, junge Unternehmen wachsen zu sehen. Nur in seltenen Fällen sind Alt-Unternehmer aktiv oder Unternehmer, die älter als 65 Jahre alt sind. Neben dem Spaß, an der Aufbruchstimmung teilzuhaben, spielt auch der finanzielle Faktor eine Rolle. „Das ist der unternehmerische Impetus. Denn natürlich will jeder Business Angel von seiner Beteiligung finanziell profitieren“, sagt Kirchhof. Dabei lässt der Erfolg manchmal länger auf sich warten, als man denkt. Im Durchschnitt liegt laut Kirchhof die Investitionszeit bei fünf bis sieben Jahren. Und ergänzt: „Bei technologischen Unternehmen dauert es länger.“

Trau, schau, wem


Für die Gewinnquote gibt es keine Statistik. Geschätzt sind von zehn Investments zwei wirklich lukrativ, eins ist immerhin noch gut. Allerdings gehen vier bis fünf von ihnen schief, hier werden Verluste gemacht. Daher kann es sinnvoll sein, in mehrere Gründungen zu investieren bzw. sich als Business Angels zusammenzutun und das Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen. „Verlust oder Gewinn lässt sich nicht ohne Weiteres danach einschätzen, wie viel Informationsaufwand ein Business Angel im Vorfeld des Investments betrieben hat oder ob er sich eher vom Bauchgefühl für das Gründungsunternehmen entschieden hat“, fügt Kirchhof ein. Die meisten Business Angels investieren allerdings in Branchen, die sie bereits kennen, oder in Geschäftsideen, deren Vertriebsstrukturen ihnen bekannt sind. 50 Prozent der Gründerunternehmen liegen im IT-Bereich, auch die Technik-Branchen liefern viele neue Geschäftsideen, die jedoch vor allem im medizinisch-technischen Bereich oft auch mit einem höheren Finanzierungsbedarf verbunden sind. Eine neue Geschäftsidee birgt per se ein gewisses Risiko. Daher sollten Business Angels bei Unternehmen, die ihnen interessant erscheinen, einen Blick auf das Geschäftsmodell, den Businessplan und den Proof of Concept werfen. Und natürlich geht es um den Gründer oder das Gründerteam selbst. Die meisten Business Angels investieren lieber in ein Team als in eine einzelne Person. „Gemischte Teams aus Frauen und Männern haben erfahrungsgemäß ihre Vorteile“, berichtet Kirchhof. „Internationale Teams sind darüber hinaus in der Regel risikofreudiger und haben mehr Ideenreichtum“, fasst Kirchhof zusammen. Ebenso wie sich die Investoren über ihre Zöglinge informieren, sollten sich auch die Gründer ein Bild von ihrem Förderer machen. Denn neben den Business Angels gibt es regelrechte Business Devils – die sich natürlich nicht als solche zu erkennen geben. Mitgliedernetzwerke für Business Angel des BAND sind beispielsweise dazu verpflichtet, neue Business Angels auf ihre Seriösität hin zu überprüfen. Gewarnt seien Gründer, deren vermeintlicher Business Angel vor der eigenen Investition selbst Geld sehen möchte oder die Mehrheit an dem Unternehmen anstrebt bzw. dem Gründer seine eigenen Berater zur Seite stellen möchte. Auch sollten sich Gründer nicht von der Investitionssumme blenden lassen – vor allem die Erfahrungen und Kontakte der Business Angels haben oft einen entscheidenden Anteil am Erfolg eines neu gegründeten Unternehmens.

Geschäftsentwicklung


„Es kommt in vielen Fällen vor, dass die Geschäftsidee massiv modifiziert wird und somit eine neue entsteht, die dann mithilfe des Business Angels umgesetzt wird“, berichtet Kirchhof. Business Angels wollen ein Unternehmen in der Regel nur die ersten Jahre unterstützen, um dann ihre Beteiligung wieder zu verkaufen, um Gewinne zu realisieren. Das Verhältnis zwischen Business Angel und seinen Schützlingen ist vertraglich geregelt. Hier werden auch bestimmte Meilensteine festgelegt, an deren Erreichen die Auszahlung des Geldes gekoppelt ist. An dem operativen Geschäft sind Business Angels in der Regel nicht interessiert, hier steigen sie nur in äußersten Notfällen ein. Auch liegen ihre Anteile meistens unter zehn Prozent. Interessant ist für sie vielmehr ein Sitz im Beirat, wenn ein solcher in dem Unternehmen installiert ist. Um ausreichend für ihre Beratungstätigkeit gerüstet zu sein, fordern Business Angels oft ein Informationsrecht ein. Standen Business Angels lange Zeit im Ansehen hinter Venture-Capital-Gesellschaften, so gelten sie in Europa und in den USA mittlerweile zu den wichtigsten Finanzierungsquellen von jungen Unternehmen, die sich in der Frühphase befinden. Banken scheuen oft dieses Risiko, und Venture-Capital-Gesellschaften werden in der Regel erst dann eingegangen, wenn das Produkt des jungen Unternehmens bereits auf dem Markt ist. Und: Investoren erhalten in Deutschland einen Förderungszuschuss für eine Investition in junge, innovative Unternehmen in Höhe von 20 Prozent der Investition zwischen 10.000 und 250.000 Euro pro Person und in Höhe von einer Million Euro pro Unternehmen. Voraussetzung ist, es handelt sich bei der Investition um eine echte risiko- und chancentragende Beteilung durch Kapitalerhöhung, die mindestes drei Jahre aufrechterhalten wird. Bis 2016 hält der Bund für den Zuschuss 150 Millionen Euro bereit, die steuerbefreit
sind. Karin Bünnagel | redaktion@südwestfalen-manager.de

Ausgabe 10/2015