Image

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal

Neues, starkes Bild Südwestfalens: 158 Erfolgsgeschichten der Weltmarktführer stehen für die Stärke der Industrieregion.



Mit 105 Porträts starteten die Industrie- und Handelskammern der Region die Auflistung der Unternehmen, die gemessen am Umsatz nachweislich die Nummer eins, zwei oder drei in einem internationalen Nischenmarkt oder gar Technologieführer sind. Zwischenzeitlich sind 158 Erfolgsgeschichten der Hidden Champions aus Südwestfalen gelistet, die als „Weltmarktführer“ für die Stärke der Industrieregion stehen. Sie sind mittelständische, inhabergeführte Unternehmen, die sich mit der ihnen eigenen Flexibilität, dem Gespür für die Bedürfnisse des Kunden und nicht zuletzt mit engagierten Mitarbeitern oft herausragende Stellungen in ihren Märkten erarbeitet haben.

„Mehr als 150 Weltmarktführer in der Region zu haben ist für das Regionalmarketing wie ein Sechser im Lotto: ein echtes Alleinstellungsmerkmal – auch bundesweit. Insbesondere wenn man bedenkt, dass Südwestfalen nicht nur unglaublich industriestark, sondern auch grün und ländlich ist! Wir können also nicht nur mit ausgezeichneten Jobperspektiven, sondern auch mit hoher Lebensqualität punkten“, ist Marie Ting, Regionalmarketing-Managerin der Südwestfalen Agentur, überzeugt.

Drittstärkste Industrieregion

„Westfälisch nüchtern“, analysiert Thomas Frye. Der Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik, Innovation und Umwelt der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland, schaut nach vorn, wenn er die Lage der Wirtschaft in Südwestfalen analysieren soll. Fest steht für ihn, dass ein neues wirtschaftsbezogenes Bild der Region in der öffentlichen Wahrnehmung entstanden ist, seitdem die Hidden Champions im Licht der Öffentlichkeit stehen. „Eine Region mit unzähligen Weltmarktführern zu sein, zudem noch die nach Beschäftigungsanteil der Industrie nachweislich drittstärkste Industrieregion Deutschlands, das hat auch das Selbstbild und das Selbstbewusstsein gestärkt. Südwestfalen wird nun auch politisch stärker beachtet. Jetzt kommt es darauf an, daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten“, steht für Frye fest. Südwestfalen benötige eine noch leistungsfähigere Infrastruktur, ein großräumiges Autobahn-Netz, Ortsumgehungen und die Instandsetzung der stark vernachlässigten Landesstraßen.

Die Region dürfe sich auch von der flächendeckenden und zukunftsweisenden digitalen Infrastruktur nicht abhängen lassen, sagt Thomas Frye und fordert NGA-Netze (Next Generation Access), die deutlich höhere Übertragungsraten ermöglichen. Schließlich betont Frye auch die Bedeutung von Industrie- und Gewerbeflächen. „Die Unternehmen brauchen auch wortwörtlich Raum, sich zu entfalten.“ Dagegen stehe eine restriktive Flächenpolitik der Landesplanung, die längerfristig nur noch Brachflächen und Innenbereiche entwickeln will. „Südwestfalen braucht auch neue hochwertige Flächen“, erinnert Frye daran, dass der Anteil der Gewerbe- und Industrieflächen „hier gerade einmal 1,1 Prozent der Gesamtfläche ausmacht“.

Innovative Produkte
und Entscheidungsfreude

Dass Südwestfalen eine der bedeutendsten Industrieregionen Deutschlands ist, unterstreichen auch die anderen Industrie- und Handelskammern mit Stolz. Wie auch die Südwestfalen Agentur verdeutlichen sie, dass die Kreise Olpe, Siegen-Wittgenstein, Soest, Hochsauerland und der Märkische Kreis auf die höchste industrielle Dichte in NRW verweisen können.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) habe dem Regionalmarketing-Verein „Wirtschaft für Südwestfalen“ bescheinigt, was die Region bereits seit einiger Zeit von sich behauptet: „Südwestfalen ist die – gemessen am Beschäftigungsanteil des produzierenden Gewerbes mit 47,4 Prozent – drittstärkste Region Deutschlands. Bei der Industriedichte liegt Südwestfalen mit dem Wert 167 landesweit mit großem Abstand vorne und im Bundes-Ranking (Bundesdurchschnitt: 106, NRW: 100) auf Platz sechs. Auch beim Indikator der Bruttowertschöpfung ist Südwestfalen als Industrieregion im deutschlandweiten Vergleich vorne mit dabei.

Ausschlaggebend für die extreme Dichte an Weltmarktführern sei der starke Besatz mit inhabergeführten Familienunternehmen. „Sie haben mit innovativen Produkten, Entscheidungsfreude und dem Gespür für die richtige Nische die Chancen der Globalisierung genutzt. An der Spitze stehen diese Unternehmen also nicht durch Zufall“, analysiert Thomas Frye. Für ihn steht fest: „Südwestfälische Produkte definieren häufig den Stand der Technik und sind für Kunden in aller Welt unentbehrlich. Oft steht dieser Nutzen für die Kunden im Mittelpunkt und nicht der Preis.“

Die Analyse hält auch Warnungen bereit. Der allgemeine Fachkräftemangel werde zum größten Engpass für die weitere Entwicklung der Unternehmen und der Region. „Nicht nur die Weltmarktführer sind deshalb gut beraten, sich als attraktive Arbeitgeber in der öffentlichen Wahrnehmung zu platzieren. Denn letztendlich muss potenziellen Interessenten und deren Partnern und Familien das Gesamtpaket schmackhaft gemacht werden: herausfordernde Jobs, interessante Arbeitgeber und eine lebens- und liebenswerte Region“, formuliert Thomas Frye.

„Hier pulsiert
wirtschaftliches Leben“

Für seinen Kollegen Klaus Gräbener von der IHK Siegen steht fest, dass die mehr als 150 Weltmarktführer in Südwestfalen weit über die Landesgrenzen hinaus deutlich machen, dass „hier das wirtschaftliche Leben pulsiert. Hier sind Unternehmen unterwegs, die es verstehen, sich mit ihrer Innovationskraft und ihrem fachlichen Können international durchzusetzen. Damit dokumentieren sie nicht nur die eigene Stärke, sondern auch die des Standorts“, beschreibt der Siegener IHK-Hauptgeschäftsführer.

Die Stimmung im heimischen Wirtschaftsraum sei ausgesprochen gut. „So gut wie seit zehn Jahren nicht mehr“, bilanziert Gräbener. „Die Stimmungsbarometer zeigen mit Ausnahme des Dienstleistungs- und des Stahlgewerbes nach oben. Der Industrieumsatz liegt um zehn Prozent über dem Vorjahr. Zahlreiche Unternehmen melden Spitzenauslastungen. Und auch die Bereitschaft zu Inlandsinvestitionen entwickelt sich positiv. Dabei sind die politischen Rahmenbedingungen alles andere als gut“, verweist Gräbener auch auf Gefahren, die er auch „vor unserer Haustür“ festmacht.

„Region konsequent
weiterentwickeln“

Konjunkturrisiken durch den sich zuspitzenden Fachkräftemangel und die stetig steigenden Energie- und Rohstoffpreise sieht man auch in Hagen. „Die andauernde gute wirtschaftliche Lage sorgt dafür, dass auf dem Arbeitsmarkt geeignete Kräfte faktisch fehlen. In einigen Branchen wird nicht nur über Fachkräfte-, sondern schon über Arbeitskräftemangel geklagt, also auch bei ungelernten Kräften. Es besteht somit das Risiko, dass Unternehmen ihr Wachstumspotenzial aufgrund fehlender Arbeitskräfte nicht realisieren können“, so Dr. Ralf Geruschkat von der Südwestlichen Industrie- und Handelskammer zu Hagen.

Perspektivisch und auch herausfordernd sieht Hubertus Winterberg die Thematik. Für den Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur steht fest, dass das Thema Wirtschaftskraft für Südwestfalen ein Treiber-Thema ist: „Wenn wir dafür sorgen möchten, dass Südwestfalen weiterhin als Standort für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter interessant bleibt, müssen wir die Region auch konsequent weiterentwickeln. Dazu haben wir eine Vision erarbeitet, auf die wir nun auch mit der anstehenden Regionale 2025 hinarbeiten werden: Mit sehr konkreten und mutigen Projekten, die digital und nachhaltig wirken, um Themen wie die medizinische Versorgung, flächendeckende Bildung, Mobilität, aber auch das Arbeiten von morgen anzu-
packen.“ Reinhold Häken | redaktion@suedwestfalen-manager.de

Ausgabe 10/2017