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Jürgen Riepe, Vorstandsvorsitzender, und Peter Königkamp, Vorstandsmitglied

Die Insel in Europa

Seit über 25 Jahren führt die Hüstener Spedition ALS Exporte in die Schweiz durch – ein europäisches Land mit etwas anderen logistischen Rahmenbedingungen.



Die besonderen Herausforderungen bei solchen Transporten sind vielen Unternehmen bekannt: lange Staus und Wartezeiten an der Grenze, Anlieferungen in geografisch schwierigen Regionen, eine unzureichende Rückladungssituation und damit verbundene Leerkilometer. Hinzu kommt, dass die Lenkzeiten der Fahrer oft nicht bis zum Entladeort ausreichen. Vergleicht man einen Transport von NRW in die Schweiz, beinhaltet dieser ca. 30-40 Prozent mehr Frachtkosten als ein Transport auf die deutsche Seite der Schweizer Grenzregion, da aufgrund der Pausen und Wartezeiten am Zoll ein Fahrer aus NRW häufig nicht mehr innerhalb der gesetzlichen Lenk- und Arbeitszeit sein Ziel erreichen kann.
Mitte Januar 2015 wurde der Mindestkurs zum Euro aufgehoben, dieser wurde im September 2011 auf 1,20 Schweizer Franken gegenüber dem Euro festgelegt. Dadurch nahm der Schweizer Franken enorm an Wert zu und löste Verunsicherungen im Handel, an der Börse und auch in der Logistik aus. Problem an der Aufhebung ist, dass Schweizer Produkte deutlich teuerer geworden sind als zuvor. Auch die Preise für Transporte innerhalb der Schweiz sind deutlich gestiegen.
Zum Anfang der Aufhebung sind die Schweizer Inlandsfrachten um ca. 10-15 Prozent gestiegen, da sich der Wechselkurs damals 1:1 verhielt. Einige Speditionsunternehmen haben daraufhin einen Currency Adjustment Factor (CAF, prozentualer Zuschlag) eingeführt, um finanzielle Verluste durch die Wechselkursschwankungen aufzufangen.
Ein positiver Nebeneffekt für deutsche Unternehmen ist jedoch, dass ihre Schweizer Geschäftspartner zu deutlich günstigeren Bezügen in Deutschland Waren einkaufen können. Der Zuwachs von Transporten in die Schweiz ist seit Anfang des Jahres um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Die ALS Spedition hat daraufhin ihre Kapazitäten erweitert und bietet aktuell tägliche Abfahrten, um flexibel agieren zu können.
Zwischenzeitlich wurde überlegt, ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht doch wieder einen neuen Mindestkurs einführen soll, da der Euro immer mehr an Wert verliert. Seit Januar ist der Wechselkurs von 1,2138 CHF stetig gesunken (aktueller Stand Juli: 1,0454 CHF). Ein weiterer Kostentreiber sind die Straßenverkehrsabgaben, die seit 1985 in der Schweiz anfallen. Diese lassen sich durch folgende Komponenten berechnen: Gesamtgewicht der Kraftfahrzeuge, Emissionsstufe sowie die gefahrenen Kilometer. Die Abgabe müssen Motorfahrzeuge und Anhänger bezahlen, wenn das zulässige Gesamtgewicht höher ist als 3,5 Tonnen und Güterverkehr durchgeführt wird.
Es gibt für die Schweiz unter anderem ein gemeinschaftliches Versandverfahren (gVV) für Waren, die in der EU verladen und in einem EFTA-Staat entladen werden. Das zugehörige Dokument T2 wird online erstellt und dem Zoll vorab vorgelegt. Da viele heimische Unternehmen der Metall- und vor allem Konsumbranche einen verstärkten Versand verzeichnen, hat sich die Hüstener Spedition für dieses System zertifizieren lassen. Hierzu mussten eine Bürgschaft beim Zoll hinterlegt und die Mitarbeiter geschult werden. Die Sendungen werden nun erst in der Schweiz verzollt, das heißt, der Sammel-LKW kann unter Vorlage der Zollpapiere zum Speditionspartner der ALS im Schweizer Binnenland durchfahren, wo dann die Verzollung durchgeführt wird. Somit verringern sich die Stand- und Wartezeiten am Zoll, kurzfristige Zustelltermine können geplant und garantiert werden.

Ausgabe 07/2015