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Eines der häufigsten Beschichtungs-metalle sind Zink und Zinklegierungen

Die Banken und der Mittelstand

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe?



Schwer gescholten durch die Insolvenz des Bankhauses Lehman Brothers im September 2008 und getragen durch die folgenden Wirren der Finanzkrise verblasst die Bedeutung der Banken für die deutsche Volkswirtschaft. Selbst Finanz- und Wirtschaftsmagazine ergeben sich dem Banken-Bashing. Da heißt es: „Bankangebote für den Mittelstand: Im Großen und Ganzen eher ein Witz“ oder: „Redet doch miteinander! Schärfere Finanzregulierung fördert das Misstrauen zwischen Banken und ihren Firmenkunden."
Dabei sprechen die Zahlen und Fakten der Kreditwirtschaft eine völlig andere Sprache. So genügt bereits der Blick auf eine Zahl, um die wahre Bedeutung der Banken für unsere Wirtschaft zu erfassen. Denn wenn es um das Thema Unternehmensfinanzierung in Europa geht, dann ist und bleibt der Bankkredit mit einem Anteil von 72 Prozent das Kernprodukt. „Banken sind eine tragende Säule der Unternehmensfinanzierung in Deutschland“, erklärt Markus Becker-Melching, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken.
„Wir sehen uns dabei auf Augenhöhe mit den Unternehmen und versuchen diese und ihre Produkte zu verstehen und angemessene Finanzdienstleistungen zu erbringen. Uns liegt viel daran, eine Partnerschaft über mehrere Konjunkturzyklen zu etablieren; in guten wie in schlechten Zeiten.“

Das kleine Einmaleins der Bankenlehre


Doch eh wir jetzt gleich in die Tiefe der Bankwirtschaft eintauchen, lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die Branche als solche werfen. Stand Juli 2015 zählte Deutschland 1.795 zugelassene Kreditinstitute: private Banken und Bausparkassen, Kreditgenossenschaftsbanken, Sparkassen sowie Landesbanken, öffentliche Bausparkassen, Förderbanken und weitere Spezialinstitute.
Eine wesentliche Aufgabe dieser Banken liegt in der sicheren Abwicklung des inländischen und grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs. Zudem bedienen sie Unternehmen und Privatkunden mit Krediten und Finanzierungen – von der klassischen Unternehmensfinanzierung über den Kontokorrentkredit bis hin zum Leasingkredit durch die hauseigene Tochter. Als drittes Kernprodukt bieten Banken in vermehrtem Maße auch Absicherungsprodukte wie Zinssicherung, Währungssicherung oder Warentermingeschäfte für den international agierenden Mittelstand an. „Dazu kommt immer auch eine sehr intensive und immer aufwendigere Beratung, die Banken leisten müssen“, erklärt Becker-Melching weiter.
So weit das kleine Einmaleins der Bankenlehre. Woher aber stammen die zahlreichen negativen Beiträge zur Branche? Sind sie Ausdruck einer grundlegenden Ablehnung der Finanzmärkte im Sinne einer Kapitalismuskritik oder liegt die Ursache in einer Fehlinterpretation marktkonformer Entwicklungen?

Fakten im richtigen Licht betrachten


Nehmen wir als Beispiel den fortschreitenden Abbau von Bankfilialen. Fakt ist, dass die Branche im Zeitraum zwischen 2004 und 2013 die Anzahl der Filialen von ehemals 47.835 auf jetzt 38.225 reduziert hat. Kritiker sehen darin eine Entfremdung der Bank von ihrem Kerngeschäft, hin zu hochspekulativen Investitionsgeschäften in London. Doch Tatsache ist, dass die Banken mit dem Abbau dem Trend zum Online-Banking folgen –
längst gibt es deutlich mehr Online-Konten (98,6 Millionen in 2013) als normale Girokonten (54,3 Millionen). Auch der Ausbau digitaler Dienstleistungen wird seit Jahren mit Nachdruck vorangetrieben. „Die Zeiten, in denen der Unternehmer permanent in die Bank kommen musste, sind passé. Der moderne Berater sucht den Kunden auch in seiner natürlichen Umgebung, sprich: seinem Unternehmen auf“,
weiß Becker-Melching. Zudem Nutzen die Kunden immer häufiger die Multichannel-Option via Telefon, Internet oder Mobile Banking. „Der Handwerker braucht heutzutage nur noch zur Kontoeröffnung in die Filiale zu kommen und kann sein Tagesgeschäft, auch zur Zeitersparnis, online regeln.“ Anstatt also den Abbau von Filialen allzu negativ zu sehen, sollte man lieber den Vorteil des 24/7-Banking via Multichannel beachten.
Eine vergleichbare Situation zeigt sich bei der Kreditvergabe an Unternehmen. Hier mahnen Kritiker, dass die Anforderungen an Unternehmen immer komplexer werden, lassen jedoch unerwähnt, dass dies eine Folge der Reformpakete Basel II und Basel III ist. Durch Basel III sind die Kreditinstitute verpflichtet, die Kreditvergabe sicherer zu gestalten. Und das ist auch notwendig, denn Banken können sich im Falle von Unternehmenskrediten höchstens eine Ausfallquote von zwei Prozent erlauben. Um dieses Risiko überschaubar zu halten, benötigen Banken daher heute viel detailliertere Informationen zu Unternehmen, Produkten, Absatzmärkten und vielem mehr.
Im Gegenzug bieten Banken dafür aber heute Kredite zu minimalen Zinssätzen an. So verlangten die Banken nach Angaben der Bundesbank im Neugeschäft für kurzfristige Kredite an inländische Unternehmen im Mai 2015 durchschnittlich 1,9 Prozent für kleinvolumige beziehungsweise durchschnittlich 1,7 Prozent für großvolumige Kredite. Die Zinssätze für Unternehmenskredite sind damit weiterhin auf historisch niedrigem Niveau.
Ein weiteres Vorurteil, das wir an dieser Stelle ausräumen sollten, ist, dass Banken in alternativen Produkten zur Unternehmensfinanzierung wie Private Equity, Unternehmensanleihen oder Crowdfunding eine vermeintliche Konkurrenz sehen. „Wir begrüßen alternative Formen der Finanzierung wie Private Equity und sehen hier eher eine sinnvolle Ergänzung zum Bankkredit“, so Becker-Melching. Im Falle der Unternehmensanleihen ist die Sache noch einfacher, denn hier sind bei den großvolumigen Investitionen Banken sowieso oft als Berater oder Organisator mit von der Partie. Bleibt also noch das Crowdfunding. „Crowdfunding hilft Kunden, die wir als Bank, aufgrund einer konservativen Kreditpolitik im Sinne der Risikominimierung, nicht finanzieren können. Sie bietet gerade kleinen und innovativen Unternehmen, die noch keine Kredithistorie haben, die Möglichkeit der Finanzierung. Diese sind für uns dann natürlich auch zukünftige Partner“, sagt Becker-Melching.

Die Bank im 21. Jahrhundert


Banking ist ein schwieriges Thema voller komplexer Widersprüche, die bei genauerer Betrachtung klaren Regeln folgen und ihren Sinn und Nutzen vielleicht erst auf den zweiten Blick offenbaren. Fest steht, dass Banking heute sicherer und komfortabler ist und dass Digitalisierung und Standardisierung von Finanzprozessen und -produkten weiter vorangetrieben werden. „Universalbanken werden auch in Zukunft die dominierende Rolle spielen“, so Becker-Melching, „und in der Finanzmarktkrise hat das Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen und Banken nicht gelitten.“ André Sarin | redaktion@suedwestfalen-manager.de

Ausgabe 07/2015