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Foto: ArGe Medien im ZVEH

Den Stromkreis im Blick

Das Elektrohandwerk ist eine zukunftsorientierte Branche. Neue Geschäftsperspektiven eröffnen sich durch die großen Themen der Zeit: Digitalisierung und Energiewende.



Wenn es um die elektrische Versorgung von Wohnhäusern, Bürogebäuden oder industriellen Anlagen geht, sind Elektroinstallateure unverzichtbar. Und die Aufgaben sind vielfältig: Steckdosen und Schaltkästen montieren, elektronische Haushaltsgeräte einbauen, Antennen- und Telefonanlagen installieren, Leitungen verlegen. Das sind nur einige der Tätigkeiten, die die rund 34.000 Handwerksbetriebe in Deutschland erledigen. Laut der Handwerkszählung des Statistischen Bundesamtes für das derzeit aktuelle Berichtsjahr 2014 arbeiten in dem Wirtschaftszweig Elektroinstallation 248.938 Personen, der Umsatz liegt bei rund 23,2 Milliarden Euro. Die Arbeit des Elektroinstallateurs beschränkt sich dabei nicht auf reine Montagetätigkeiten. „Das Produkt der Zukunft ist die Dienstleistung. Wer auch weiterhin erfolgreich im Wettbewerb agieren will, muss seinen Kunden einen perfekten Service bieten“, betont Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Planung, Beratung und Kundenbetreuung sind ganz entscheidende Geschäftsfelder der Unternehmen, die im Schnitt auf sieben Mitarbeiter zurückgreifen. Die wichtigsten Kunden sind private Auftraggeber und die gewerbliche Wirtschaft. Beim Wohnungs- und Hausbau ist die Expertise von Elektroinstallateuren besonders gefragt, daher ist die konjunkturelle Entwicklung der Bauwirtschaft ein guter Indikator für die Geschäftslage im Elektroinstallationshandwerk. Und die Bauindustrie befindet sich im Aufwind: Mit dem Wohnungsbau als starkem Wachstumstreiber erwartet die Branche laut dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von fünf Prozent.

Hervorragende Stimmung im E-Handwerk


Dementsprechend ist die konjunkturelle Stimmung in den E-Handwerken (Elektrotechniker, Informationstechniker, Elektromaschinenbauer) deutschlandweit überaus gut. Wie die ZVEH-Konjunkturumfrage im Herbst 2016 belegt, beurteilen 95,8 Prozent der befragten E-Handwerksunternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage positiv. Die positive Grundstimmung hat auch Auswirkungen auf den bundesweiten Geschäftsklimaindex der E-Handwerke: Mit 80,0 Punkten auf einer Skala von null bis hundert wird ein neuer Rekordwert erreicht. „Die erneut sehr erfreulichen Ergebnisse zeigen, dass die Betriebe in den von der Digitalisierung geprägten Märkten gut aufgestellt sind“, sagt Jakobi. Und der Aufschwung geht einher mit einem Beschäftigungsausbau. So stellt jeder vierte Betrieb neue Mitarbeiter ein. Dem Statistischen Bundesamt zufolge hat der Wirtschaftszweig Elektroinstallation in den ersten drei Quartalen 2016 seinen Umsatz um 3,4 Prozent und die Anzahl seiner Beschäftigten um 1,5 Prozent erhöht. Dass die letztere Zahl nicht noch höher ist, liegt an dem grassierenden Fachkräftemangel in der Branche: In 44 Prozent der elektro- und informationstechnischen Unternehmen gibt es laut der ZVEH-Herbstumfrage offene Stellen.

Den Wandel begleiten


Einen großen Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung der Elektroinstallateure haben die politischen Weichenstellungen. Einen Glücksfall für das E-Handwerk stellt dabei die in Deutschland eingeleitete Energiewende dar. In Zeiten steigender Strompreise steigt auch die Nachfrage nach energetischer Gebäudesanierung. Und nicht nur bei Privatpersonen ist das Stromsparen in Mode. Für stromintensive Industrien wie die Stahl-, Aluminium-, Papier- und Chemiebranche ist modernes Energiemanagement und die Anbindung an ein intelligentes Stromnetz eine wirtschaftliche Überlebensfrage. Besonders vor dem Hintergrund, dass die zukünftige Entwicklung der EEG-Umlage unkalkulierbar bleibt. Dem privaten Wohnungseigentümer und Häuslebauer ist es genauso wie dem industriellen Betrieb daran gelegen, durch Investitionen in elektrische Anlagen die Energieeffizienz zu erhöhen. ZVEH-Hauptgeschäftsführer Jakobi sieht hier gute Geschäftschancen für die elektro- und informationstechnischen Handwerke: „Wir müssen die elektrische Anlage jetzt energiewendefähig machen. Bei den dafür notwendigen Investitionsentscheidungen brauchen die Kunden eine neutrale und fachkompetente Beratung durch die E-Handwerke.“ Hier profitieren die Branchenunternehmen auch vom Gesetzespaket zur Digitalisierung der Energiewende, das der Bundestag im vergangenen Jahr verabschiedet hat. Wenn neue intelligente Stromzähler zum Einsatz kommen, kann der Nutzer demnach frei entscheiden, ob er die darüber gewonnenen Daten Unternehmen zur Verfügung stellen möchte. E-Handwerker können ihren Kunden somit zusätzliche Dienstleistungen, wie beispielsweise ein Energiemonitoring zur Optimierung des Stromverbrauchs, anbieten. Darüber hinaus hat die Politik beschlossen, dass ein gegebenenfalls notwendiger Umbau des Zählerplatzes nicht gesetzlich dem Messstellenbetreiber zugeschrieben ist. Somit sind die E-Handwerke weiterhin erster Ansprechpartner der Kunden für diese Arbeiten. „Mit der Beibehaltung der Kundenverantwortung für die elektrische Anlage einschließlich des Zählerplatzes bleibt der Markt nun auch für die Unternehmen der E-Handwerke offen. Der Kunde hat die freie Wahl, mit wem er notwendige Umrüstmaßnahmen durchführen möchte“, so Jakobi.

Erfolgreich in neue Nischen


Es ist allerdings nicht selbstverständlich, dass die Elektroinstallateure in den vielversprechenden Zukunftsfeldern auch der erste Ansprechpartner für Kunden bleiben. Die Konkurrenz ist nicht nur innerhalb der Branche hoch, auch Energiekonzerne und kommunale Betriebe treten zunehmend als Konkurrenten auf. Dass sich die E-Handwerke in diesem Wettbewerb behaupten können, ist für ZVEH-Hauptgeschäftsführer Jakobi keine Frage: „Die handwerklich mittelständisch geprägten Fachbetriebe der Elektroinnungen sind deutschlandweit vor Ort präsent, bieten einen persönlichen Service und sind fern vom Massenmarkt in der Lage, ihren Kunden individuelle, maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Damit heben sie sich von vielen Wettbewerbern ab. Ihre doppelte Kompetenz – einerseits im Bereich der Energietechnik, andererseits in der Informations- und Kommunikationstechnologie – qualifiziert sie, um aktuell bedeutsame Geschäftsfelder wie Energiemanagement und Gebäudeautomation perfekt zu bedienen.“ Den Branchenbetrieben mangelt es ohnehin nicht an neuen Betätigungsfeldern. Durch Digitalisierung und Energiewende eröffnen sich für Elektroinstallateure in vielen Bereichen neue Chancen und Geschäftsfelder, etwa bei der Solartechnik, der dezentralen Energieerzeugung oder der Speicherung von Energie. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang auch die Elektromobilität. Schon lange auf der politischen Agenda, scheint das Thema nun auch in der Industrie angekommen zu sein. Es gibt kaum einen deutscher Autobauer, der nicht seine Bereitschaft zur Elektromobilität verkündet hat. Ob Lippenbekenntnis oder nicht: Elektrische Autos müssen gewartet und repariert werden – womöglich dann von Elektroinstallateuren. Alexander Kirschbaum | redaktion@suedwestfalen-manager.de

Ausgabe 03/2017